Teenage Mutant Hero… Narzisse

narzisseIn einem verwilderten Teil des Gartens wachsen (unter anderem) auch Narzissen, die dort sicher einer unserer zahlreichen Vorgänger gesetzt hat. (Aus den Erinnerungen einer mittlerweile 92jährigen, die hier ihre Kindheit verlebt hat, weiß ich, dass dort einmal „ein Steingärtchen mit einer kleinen Fichte und einem Walnussbäumchen“ war. Die kleine Fichte ist inzwischen locker doppelt so hoch wie das Haus und das Walnuss“bäumchen“ ist auch nicht viel kleiner, außerdem wurde alles mindestens drei Jahrzehnte lang gar nicht mehr gepflegt, deswegen findet darunter auch nicht mehr viel Garten statt und von dem Steingärtchen ist nur noch die Terrasse übrig, auf der jetzt meine Bienen stehen.

Aber egal. Narzisse. Als wir hier einzogen, wuchsen dort ganz ordinäre Narzissen mit weißlichen Kelchblättern und gelber „Glocke“.

Vor drei, vier Jahren fiel mir auf, dass eine Narzisse plötzlich so anders aussah. Ich schwör, 2007 war die noch nicht gefüllt. Und in den Jahren danach auch nicht, soweit ich mich erinnere. Seit ein paar Jahren ist sie’s. Sie ist mutiert! Eine X-Narzisse! Ein Teenage Mutant Hero Daffodil!

narzisse2Als Narzissenzüchterin wäre ich bestimmt hellauf begeistert: Da komme ich so ganz spontan an eine mutierte Narzisse mit attraktiver gefüllter Blüte. Und dann noch farblich abgesetzt. Blassgelb, strahlend gelb, blassgelb und innen noch mal strahlend gelb. Doll.

Da ich keine Narzissenzüchterin bin, komme ich bei dieser Gelegenheit lediglich ins Grübeln, wie abstrus wir Menschen manchmal ticken.

Wenn bei einem Menschen ein Virus das Erbgut so verändern würde, dass anstelle von Staubblättern… äh… Moment. Also wenn bei einem Menschen ein Virus das Erbgut dauerhaft verändern würde, wäre das… naja, eine Krankheit. Wahrscheinlich würde man versuchen, das zu therapieren. Wenn’s nicht therapierbar wäre, wäre der Mensch unheilbar krank.

Bei einer kranken Narzisse dagegen sagen wir „Wow, was für tolle gefüllte Blüten“ und züchten genau diese genetisch veränderten Zwiebeln weiter, weil’s so toll aussieht.

Nun muss man fairerweise sagen, dass die Narzisse vermutlich nicht unter ihrer „Krankheit“ leidet. Wir nehmen jedenfalls an, dass Blumen keine Lust verspüren, wenn sie befruchtet werden, so dass ihnen auch nix entgeht, wenn ihnen eine Mutation anstelle von Sexualorganen zusätzliche dekorative Kron- und Kelchblätter verpasst. Vermehren kann sie sich ja nach wie vor auch vegetativ – vermutlich umso erfolgreicher, weil man ihr dabei hilft, weil man ja die gefüllten Blüten genau dieser mutierten Narzisse so schön findet. Die Krankheit wird dieser speziellen Narzisse also zum evolutionären Vorteil. Denn ich gebe es zu: Auch wenn ich keine Narzissenzüchterin bin, werde ich die Zwiebeln natürlich bei Gelegenheit teilen und ÜBERALL IM GARTEN VERTEILEN MUAHAHAHAH — ich werde dieser Narzisse und ihren Klonen also helfen, weiterzuleben UND an neuen Standorten Fuß bzw. Wurzel zu fassen.

So ist das halt. Ist ja auch nicht weiter schlimm. (Keine Sorge, meine Bienen haben viele, viele andere Blüten zum Befruchten hier in der Gegend.) Aber es ist doch lustig, wie sehr wir mit zweierlei Maß messen.

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