Ich melde: die Melde

Zwischen zwei schon sehr herbstlich anmutenden Regenfällen habe ich mich heute mal aufgerafft, einen Teil meiner Meldepflanzen im vorderen Garten zu kappen. Und zu verarbeiten. Dringend nötig, denn 1. wachsen sie mir über den Kopf und 2. sind sie jetzt an dem Punkt angekommen, an dem die Fruchtstände reifen. Das bedeutet auch, dass die Blätter nun rasch verholzen bzw. einfach welken, denn die Pflanzen stecken ihre Energie in die Samen für die nächste Generation und sterben danach einfach ab (Melde ist einjährig). Das Laub wird von der Pflanze schon jetzt nicht mehr benötigt und wird abgeworfen. Wenn ich es für die Küche nutzen will, muss ich das also jetzt tun.

Ich will es jetzt eigentlich gar nicht für die Küche nutzen, aber zum Glück gibt es ja Tiefkühltruhen…

„Aufraffen“ musste ich mich, weil Melde immer etwas aufwändig zu verarbeiten ist. Zunächst sind die Pflanzen sehr groß, man muss also irgendwo in der Küche Platz für die bis zu zwei Meter langen Stängel finden bzw. sie in etwas handlichere Stücke schneiden. Dann müssen die Blätter einzeln abgetrennt werden. Strüppen ist keine Lösung, weil die Blattstiele sehr hart sind und sich nicht gut kauen lassen. Vor dem Einfrieren müssen die Blätter blanchiert werden, was bedeutet, dass man mehrfach einen Topf bis zum Anschlag mit Blättern vollstopft, nur um nach dem Erhitzen dann eine winzig zusammengefallene Menge vorzufinden.

melde01melde02Quod erat demonstrandum: der gleiche Topf einmal vor und einmal nach dem Blanchieren. Und ja, oben rechts hat sich doch ein Stengel in den Topf gemogelt…

Der  ganze Vorgang muss also mehrfach wiederholt werden, bis endlich die gesamte Blattmasse zusammengesunken ist. Dann lasse ich sie im Sieb abtropfen und quetsche jeweils eine Handvoll Blätter zu einem kleinen Pellet zusammen. Dabei wird noch einmal quietschrotes Wasser herausgepresst, denn leider verliert die rote Melde beim Kochen einen Großteil ihrer Farbe. Dafür könnte man mit dem Wasser aber z.B. wunderschönen rosa Reis kochen. Zum Textilienfärben hingegen ist der Farbstoff nicht geeignet.

melde03In dieser Form findet man ja auch tiefgefrorenen Blattspinat im Handel. Und genau das gleiche Schicksal ereilt nun die Meldenklöße: Sie kommen in Gefrierbeutel und wandern in die Tiefkühltruhe. Bis ich mal Melde zum Kochen brauche. Verwenden kann man Melde grundsätzlich wie Spinat: als Beilage zu Kartoffeln und Spiegelei oder zu Nudeln, in der Quiche oder Lasagne, auf der Pizza oder als Rahmsuppe. Im Übrigen kann man die rohen Blätter auch als dekorative Salatzutat nutzen (aber besser dann, wenn sie noch zart und jung sind) oder sie, wenn sie größer sind, mit einer Reismasse füllen und kurz schmoren (ähnlich wie Weinblätter). Sehr lecker, aber die frischen Blätter halten sich leider nur einen halben Tag, bevor sie welk und labberig werden. Heute steht aber etwas Anderes auf dem Speiseplan.

Die unreifen Fruchtstände sind hübsch in der Vase. Natürlich habe ich nicht alle Melden gerohdet, sondern noch einen Teil im Beet gelassen. Das Saatgut brauche ich schließlich fürs nächste Jahr! Für den Eigenbedarf mache ich es mir da übrigens sehr einfach, ich schneide die gereiften Fruchtstände ab und verwende sie mit Stumpf und Stiel als Mulch in den Beeten, in denen ich nächstes Jahr Melde anbauen möchte. Über den Winter verrottet das alte Blattmaterial und die Samen können sofort loskeimen, wenn die Bedingungen frühlingshaft genug sind. Das funktioniert bislang sehr gut (auch wenn drei Jahre natürlich keine repräsentative Zeitspanne sind). Ich habe sogar den Eindruck, dass die Samen von einem winterlichen Kältereiz an Ort und Stelle profitieren. Zum Vergleich:

melde04Die rote Melde im vorderen Garten (nach der Ernte). Die Pflanzen sind, wie gesagt, an die zwei Meter hoch. Sie sind aus den Samen gewachsen, die mir letztes Jahr – hüstel – bei der Saatguternte danebengefallen sind, eigentlich sollte das nämlich gar kein Melde-Beet werden. Jedenfalls ist das Saatgut noch im Herbst ausgebracht und im Winter stratifiziert worden. Gekeimt ist das Ganze, wenn ich mich recht erinnere, Mitte – Ende März.

melde05Rote Melde im hinteren Garten. Die Pflanzen sind einen halben Meter hoch und insgesamt zarter. Dass sie gerade erst in Blüte gehen, liegt daran, dass sie natürlich später gekeimt sind als die obigen – aber die waren auch vor einem Monat schon größer und stabiler. Ich glaube nicht, dass dieses Beet in der Hinsicht noch aufholen wird.

Die „getrennten“ Blütezeiten haben allerdings ihren Vorteil. Möglicherweise handelt es sich nämlich um unterschiedliche Meldesorten, die sich dann nach Möglichkeit nicht verkreuzen sollten. Die „untere“ Sorte ist Rote Elsässer. Die obere könnte ebenfalls Rote Elsässer, aber auch Rote bzw. Violette Richterswil sein – oder auch eine ganz andere Sorte, die mein Lexikon der alten Gemüsesorten noch gar nicht kennt. Zur Vorsicht muss ich sie also getrennt anbauen, wenn ich ernsthaft Sattgut züchten will. In der Tat sind die beiden Gartenteile durch Haus, Hof und Scheune getrennt, aber noch sicherer ist natürlich die  zusätzliche zeitliche Trennung.

Natürlich heißt das auch, dass ich später noch einmal Melde verarbeiten muss. Aber vielleicht habe ich bis dahin ja auch noch Gebrauch für die frischen Blätter. Auch das ist ja ein Vorteil, wenn nicht alles gleichzeitig reif wird…

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