Grausame Experimente mit Sellerie

sellerie01Mit Pflanzen kann man ja allerlei brutale Dinge tun, die ihnen erstaunlicher Weise auch noch gut tun. Rückschnitt zum Beispiel. Oder Stecklingsvermehrung. Etwas Ähnliches versuche ich gerade mit Sellerie, ohne allerdings zu wissen, ob es funktioniert. In ein paar Wochen/Monaten weiß ich gegebenenfalls mehr…

Sellerie gehört zu den vielen Gemüsepflanzen, die in diesem Jahr gar nicht gewachsen sind. Nicht mal gekeimt! Das mag allerdings auch am überlagerten Saatgut gelegen haben. Die Saatgutmengen, die man im Handel kriegt, sind ja meist völlig überdimensioniert. Nehmen wir beispielsweise Sellerie. Unseren Jahresbedarf an Sellerie kann ich ganz locker mit zehn, vielleicht auch fünfzehn Pflanzen decken. In einer durchschnittlichen Saatguttüte sind aber um die 200 Samenkörner. Selbst bei doppelter Aussaat verbrauche ich also in den zwei Jahren, in denen das Saatgut zuverlässig keimfähig bleibt, kaum mehr als ein Viertel. Und der Rest? Ab in die Tonne? Selbst wenn es sich nur um winzig kleine Selleriesamen handelt, quietscht mir das in der Seele. Immerhin waren das alles mal potenzielle Pflanzen! Gemüse! Essen! Das schmeißt man nicht einfach weg! Zumal ja ein Teil immer noch keimfähig sein kööönnte, das mit den zwei Jahren ist ja nur eine grobe Richtlinie. Und dann auch noch Geld für neues Saatgut ausgeben, von dem man in zwei Jahren wieder mehr als die Hälfte wegschmeißen muss. Klar, wir reden nur von Kleinstbeträgen, aber es geht ja irgendwie auch ums Prinzip!

Deshalb möchte ich lieber für den Eigenbedarf züchten, dann darf man den Überschuss auch über eine Tauschbörse weitergeben. Aber natürlich braucht es dazu erst einmal blühende Pflanzen. Da ich die nicht hatte, sah ich meine Anbaupläne – in dieser Hinsicht – schon wieder auf Null gesetzt. Und Sellerie ist auch noch zweijährig, ich hätte also frühestens übernächstes Jahr die erste Saatguternte.

Dachte ich jedenfalls! Doch dann entdeckte ich beim Einkaufen zauberhaft schöne Sellerieknollen, zur Abwechslung mal mit Laub, also sozusagen einfach nur entwurzelte Pflanzen. Sie gehörten zudem einer relativ dunklen, also besonders aromatischen Sorte an. Auch die Stängel und Blätter erwiesen sich im Küchentest als durchaus schmackhaft. Dieser Sellerie ließ sich also gleichzeitig als Knollensellerie UND als Schnittselerie nutzen! Da war klar, dass ich den gern anbauen möchte. Und weil die Pflanzen ja „am Stück“ verkauft wurden, wäre es auch kein Problem gewesen, sie einfach direkt einzupflanzen, demnächst dann zu überwintern und im nächsten Jahr auf die Blüte zu warten. Aaaaber…

… ich will natürlich nicht zehn reife Sellerieknollen kaufen und dann bloß einpflanzen, das wäre mir zu teuer. Das alte englische Sprichwort sagt zwar, man kann den Kuchen nicht gleichzeitig haben und essen, aber vielleicht geht das ja doch? Wenigstens mit Sellerie? Ich kappte also, wenn ich mit den Sellerieknollen kochte, jedes Mal ein mehr oder weniger großzügiges Stück Schopf ab und setzte es in ein Wasserschüsselchen, das dann auf der Fensterbank der Dinge harrte, die da kommen.

Was kam, war: neues, zartes Laub! Und kleine Würzelchen! Deshalb durften die Knollen nun auch in Blumentöpfe voller Anzuchterde (eigene Mischung aus Kompost, Sand und Gesteinsmehl) umziehen. Nun bin ich gespannt, wie sie sich weiter entwickeln. Es gibt ja letztlich drei Möglichkeiten:

  1. sie gehen doch noch ein.
  2. sie versuchen, schon dieses Jahr in Notblüte zu gehen, was allerdings in Anbetracht der fortgeschrittenen Jahreszeit schwierig werden dürfte.
  3. sie entwickeln sich ganz entspannt herbstgemäß weiter, treiben im nächsten Jahr wieder aus und gehen dann planmäßig in Blüte.

Version 3 wäre natürlich am besten! Denn dann hätte ich nicht nur ein Jahr gespart, sondern wüsste auch für die Zukunft, dass ich meinen Sellerie essen… und trotzdem gleichzeitig weiterzüchten kann.

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Ich werde beizeiten berichten, wie es nun weitergegangen ist…

Übrigens ist Sellerie meiner Ansicht nach ein zu Unrecht unbeliebtes Gemüse. (Sonst würde ich ihn ja auch nicht extra anbauen.) Die Knollen machen sich nicht nur im klassischen Suppenbund, sondern auch mit anderen Wurzelgemüsen im Eintopf oder als leckere Cremesuppe mit Birnen gut. Und Schnittsellerie hat ein feines Aroma wie geräucherter Speck. Gedünstet kann man ihn deshalb super für vegetarische BBQ-Sauce oder generell als Speckwürfelersatz z.B. zu Bratkartoffeln verwenden. Auch zum Wokgemüse passt er gut. Also: Mehr Liebe für den Sellerie!

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4 Antworten zu “Grausame Experimente mit Sellerie

    • Läuft noch! Die Überwinterung steht ja noch aus. Bislang macht es aber einen guten Eindruck. Bis auf einen Sellerie, der von innen her verfault ist, sind sie gut angegangen und produzieren nach wie vor Blattmasse. Die Knolle bildet sich natürlich nicht nach, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Hauptsache, die Pflanzen kommen über den Winter und blühen im nächsten Jahr – dann bin ich vollauf zufrieden!

  1. Freut mich. Ich hatte neulich die Köpfe von schwarzen Karotten auf die Art über ein paar Wochen gezogen. Irgendwann habe ich beschlossen, dass es vermutlich eh Hybriden sind und es sich nicht ‚lohnt‘ die zu vermehren und habe sie entsorgt. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig.

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