Herbstanfang

herbstanfang01Der Herbst ist da! Eine Jahreszeit, zu der ich wie so viele ein zwiespältiges Verhältnis habe. Einerseits liebe ich den Herbst. Zeit der Reife, Zeit der Ernte, Zeit zauberhafter Licht-und-Nebelspiele, Zeit leuchtend bunter Blätter. Nichts geht über diese letzten geschenkten Wochen, in der man Abschied vom Sommer, von den langen Tagen und von den Gartenbewohnern dieses Jahres nehmen kann und die Früchte seiner Mühen genießt. Einerseits.

Andererseits bedeutet Herbst aber auch, dass es bald dauerhaft kalt und nass wird; dass alle Außenarbeiten, die man noch nicht zu Ende gebracht hat, nun wohl auch nicht mehr fertig werden. Es wird stürmisch, es wird früh dunkel, und es wird ziemlich lange dauern, bis man draußen wieder so richtig loslegen kann. (Naja. Es könnte schlimmer sein. Man könnte ja auch in Nordnorwegen wohnen oder so. Aber man jammert ja gern…) Der Herbstanfang ist also immer ein Termin, bei dem auch Wehmut mitschwingt.

Da wir aber nun einmal nichts am Kreislauf der Jahreszeiten ändern können (und sollten), sollte man die Gelegenheit zum Feiern trotzdem nutzen. Bei uns gab es zur Feier des Tages eins meiner liebsten Herbstgerichte: Gefüllte Kürbisschiffe mit Feldsalat. Mit eigenem Kürbis. Und eigenem Feldsalat. Und eigenen Walnüssen!

Und weil’s so lecker ist, gibt es hier auch gleich das Rezept dazu.herbstanfang02Gefüllte Kürbisschiffe mit Feldsalat

(Menge für 2 Erwachsene und 2 Kinder mit mäßigem Appetit – wer mehr Hunger hat, muss logischer Weise mehr machen…)

Zutaten:

für die Kürbisschiffe

  • 1 Hokkaido-Kürbis*
  • 1 große rote Zwiebel
  • 250g Rindergehacktes
  • 1 Tasse Walnusskerne
  • 1/2 Tasse Ahornsirup
  • 1 Becher Sahne
  • Salz, Zimt, Muskatnuss, Rosmarin, Cayennepfeffer zum Würzen
  • Raps- oder Sonnenblumenöl zum Anbraten

für den Salat

  • so viel Feldsalat, wie halt locker in eine Salatschüssel passt
  • 1 Schalotte
  • ca. 5 getrocknete, ungeschwefelte Aprikosen
  • 2 EL Holunder-Balsamico-Essig²
  • 1 EL Pflanzenöl, am besten wäre Walnussöl, aber profanes Raps- oder Sonnenblumenöl tut’s auch
  • Salz, Cayennepfeffer

Backofen auf 180°C vorheizen (Umluft). Feldsalat versäubern, waschen und zur Seite stellen. Trockenaprikosen mit heißem Wasser übergießen und quellen lassen. Den Kürbis waschen und vierteln. Die Kerne entfernen, die Schale kann man getrost mitessen. Kürbisviertel auf ein mit Backpapier (Silikonbackmatte geht auch) ausgelegtes Blech legen und im Backofen garen lassen. Gelegentlich wenden.

Zwiebel hacken und in Pflanzenöl anschwitzen. Das Hackfleisch dazugeben und gut durchbraten. Kurz bevor es ganz gar ist, kommen die grob gehackten Walnüsse dazu und werden kurz angebraten. Ahornsirup dazugeben und gut umrühren. Dann nach und nach die Sahne hinzugeben. Eindicken lassen und nach Geschmack würzen.

Backblech rausholen und die Kürbisviertel mit der Mischung füllen. Dann zurück in den Ofen damit! Wenn mehr von der Füllung da ist, als in die Kürbisschiffe passt – oder wenn die Füllung noch sehr viel Flüssigkeit enthält – hebt den Überschuss auf und verwendet ihn später als Sauce. Bloß nicht die Kürbisviertel überfüllen, das gibt bloß Sauerei im Backofen.

Die Kürbisschiffe bleiben nur noch im Ofen, bis das Salatdressing fertig ist: Schalotte fein hacken, Trockenaprikosen fein hacken, beides in einer Salatschüssel mit dem Holunder-Balsamico und dem Öl verrühren. Wenn man noch ein paar Walnusskerne loswerden will, kann man die auch noch dazuschmeißen. Mit Salz und ggf. Cayennepfeffer abschmecken. Den sauberen und abgetropften Feldsalat gründlich mit dem Dressing vermengen. Ofen aus, Kürbisschiffe raus, alles auf Tellern anrichten und guten Appetit!

Und natürlich einen schönen, goldenen, nebelschwadig-geheimnisvollen, erntereichen und bittersüß-wehmütigen Herbst!

* Ach ja, tut mir einen Gefallen und sprecht den Hokkaido-Kürbis künftig richtig aus. Das tun die Deutschen nämlich bisher nicht. Abgesehen von geplagten Japanologen natürlich. Aaaalso, im Japanischen ist ein „ai“ ein Diphthong (wie das Ei und nicht etwa ein „a-i“). Die Insel – dementsprechend auch der dort gezüchtete Kürbis – heißt „Hock-kai-doh“, Betonung auf dem Kai, und NICHT „Hocka-ih-doh“. Klar soweit? Danke! Weitersagen!

² Den Holunder-Balsamico-Essig sollte man bei Gelegenheit schon vorher fabriziert haben. Und das geht so:

  • 1 Flasche Balsamico-Essig (vielleicht nicht der allerschlechteste, aber es muss auch nicht der edelste sein, der wär nu auch zu schade fürs Kochen)
  • ca. 20 Dolden reife Holunderbeeren
  • 1-2 EL Rohrzucker oder Honig
  • Zimtstange, ein paar Nelken, Pimentkörner und Anissterne

Das Schöne ist, dass man die Holunderbeeren für dieses Rezept nicht sorgfältig „ströppen“ muss, man kann sie mitsamt den Stielen kochen. Waschen und auf Schnecken/Ameisen/Spinnen/Raupen kontrollieren sollte man natürlich trotzdem. Dann ab in einen hinreichend großen Topf. Auch die Gewürze kann man einfach so dazuschmeißen, wird eh später alles abgeseiht. Jetzt aber erst einmal den Essig dazu und zum Kochen bringen. Ca. 5 Minuten köcheln lassen. Deckel drauf und im geschlossenen Topf abkühlen lassen.

Die abgekühlte Essig-Beeren-Würzpampe durch ein feines Sieb abseihen. Kurz probieren und nach eigenem Gusto mit Honig oder Rohrzucker süßen, wenn man’s gern süßer haben möchte. Dann noch einmal aufkochen, heiß in Flaschen füllen und gut verschließen. Bei mir ist der Holunder-Balsamico dann jahrelang haltbar — jedenfalls lässig lang genug, um es in Ruhe zu verbrauchen. Wenn man größere Mengen produziert, kann man auch ein paar Fläschchen verschenken – es muss ja nicht immer Marmelade sein 😉

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Eine Antwort zu “Herbstanfang

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