Nukleare Zwiebelspaltung

Vorgestern hatte ich das Glück, für relativ kleines Geld Dichternarzissen-Zwiebeln zu bekommen. Leider waren aber nur noch sechs Knollen zu haben.

narzisse01Naja, sieben – die eine hat sich ja schon fast geteilt.

Trotzdem war mir das zu wenig! Schließlich möchte ich gern auch den zweiten Gemüsegartenbereich mit einem Gürtel aus Narzissen versehen. Das hat ästhetische Gründe, aber auch praktische – schließlich heißt es, dass Narzissenzwiebeln Wühlmäuse abschrecken. Und mit Wühlmäusen hatte ich dieses Jahr wirklich schrecklichen Ärger – was haben die Mistviecher mir alles aufgefressen! Jedenfalls brauchte ich also eigentlich mehr Narzissen.

Da bot es sich an, eine gärtnerische Technik auszuprobieren, von der ich vor einer Weile im BBC-Gartenmagazin „Gardener’s World“ gehört habe. Auch dieser Kniff fällt unter „grausame Experimente mit Pflanzen“: Die Zwiebelspaltung, d.h. die Vermehrung von Blumenzwiebeln (oder auch Gemüsezwiebeln) durch Teilung.

Blumenzwiebeln teilen sich ja, wenn sie gute Wachstumsbedingungen und genügend Zeit haben, von Natur aus. Diesen natürlichen Prozess kann man künstlich nachahmen und dadurch beschleunigen.

Dazu entfernt man vorsichtig mit den Fingern die äußeren vertrockneten Schichten einer Zwiebel, bis man das fleischige Gewebe freigelegt hat. Dabei entdeckt man meistens schon eine natürliche Tendenz zur Kern-, pardon, ich meine natürlich Zwiebelspaltung. Je nach Alter der Zwiebel findet man relativ weit oben eine deutliche Trennung der innersten Schichten, wo in nicht allzu ferner Zukunft auf einer Zwiebel zwei (oder auch mehr) werden wollen. Bei jüngeren/schwächeren Knollen kann es sein, dass man die Spitze entfernen muss, um diese Stelle zu erkennen.

narzisse03Bei meinen Zwiebeln sieht man, dass bis auf die beiden oben links und rechts in den Ecken alle schon sehr weit oben eine Teilung aufweisen. Die Ausnahmen sind natürlich die beiden Zwiebeln, die bei der Trennung der Doppelzwiebel übrig geblieben sind. Die kleinere habe ich in Ruhe gelassen. Bei der etwas größeren habe ich nach dem Entfernen der Spitze tatsächlich noch eine angelegte Trennung gefunden.

Und jetzt wird’s brutal: Man nehme ein scharfes Messer und teile die Zwiebel entlang der naturgewollten Trennung. Ganz wichtig ist, dass der Schnitt durch den Zwiebelboden (der Knubbel, wo die Wurzeln rauskommen sollen) geht, so dass beide Teile ein Stück Boden abbekommen.

narzisse02narzisse04

Deutlich sichtbar: der Unterschied zwischen natürlichem „Zerfallen“ (links) und künstlichem Teilen (rechts) in mehrere Zwiebeln. Das Prinzip ist jedoch das Gleiche. Die Hauptsache ist wie gesagt, dass beide Stücke noch einen Anteil am Zwiebelboden haben. In „Gardener’s World“ ist Monty Don sogar noch weiter gegangen und hat die Zwiebeln geviertelt. Das habe ich mich für den Anfang noch nicht getraut. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Narzissen gleich im nächsten Jahr blühen, sicher höher, je mehr noch „dran“ ist. Profis schneiden aber offensichtlich auch quer zur natürlichen Trennung – mit Erfolg. So können Züchter besondere Zwiebeln schneller vermehren. Aber mir geht es ja nicht darum, schnell Verkaufsmaterial zu gewinnen.

Zum Schutz vor Pilzerkrankungen ist es sinnvoll, die Schnittfläche erst gut trocknen zu lassen, bevor man die Zwiebeln setzt. (Ich schrecke davor zurück, dies als zwingend notwendig zu bezeichnen, weil ich schon oft genug Zwiebeln versehentlich mit dem Spaten gespalten habe und diese nicht etwa verschimmelt sind, sondern ganz normal Blätter und sogar Blüten produziert haben. Aber man weiß halt nie, was so an Sporen und Viechern im Boden steckt, und eine verheilte Wunde ist jedenfalls widerstandsfähiger.) Bei „Gardener’s World“ haben sie dafür sterilen, trockenen Sand verwendet, aber so etwas habe ich nicht. Ich könnte Sand allenfalls mit Wasserdampf sterilisieren, aber dann ist er ja nicht mehr trocken. Und bis er trocken ist, ist er nicht mehr steril. Bei mir müssen die Zwiebeln also an der Luft trocknen. Um den Befall mit Keimen aus der Luft möglichst zu verhindern, habe ich ein gar potentes Fungizid verwendet, das ich dank Kaminofen in großen Mengen habe: Holzasche. Die ist alkalisch, wirkt austrocknend und wird z.B. auch zur Desinfektion von „verletztem“ Wurzelgemüse (vor der Einlagerung) empfohlen.

narzisse05So, nun gilt es abwarten, bis die Schnittfläche gut eingetrocknet ist… und dann kann ich immerhin die doppelte Anzahl Narzissen setzen. Das reicht zwar immer noch nicht für die gesamte Umrandung, aber immerhin für eine Seite.

Natürlich kann man das auch mit anderen Blumen- oder auch Gemüsezwiebeln machen. Je kleiner die Zwiebel, umso schwieriger wird es natürlich…

Bei der Arbeit konnte ich übrigens auch gut nachvollziehen, warum Wühlmäuse keine Narzissenzwiebeln mögen. Das „Fruchtfleisch“ riecht wirklich unangenehm. So wie Wäsche, die man eine Woche lang nass in der Waschmaschine vergessen hat. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Stockschimmelmief den feinen Wühlmausnäschen wehtut. Ein Glück, dass die Blumen später nicht danach riechen!

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