Gartenpläne für 2016 – Teil 1

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Jetzt ist es doch kalt geworden… zu kalt, um im Boden zu wühlen. Also genau die richtige Zeit für die Gartenplanung.

Zum Beispiel für den Gemüsegarten. Was habe ich noch an Saatgut, was muss ich neu kaufen, was will ich unbedingt mal ausprobieren? Wo kriege ich das? Und wie bringe ich das alles im doch recht überschaubaren Küchengarten unter?

Ich muss dazu sagen, dass mir – zumindest zur Zeit noch – Vielfalt wichtiger ist als reine Selbstversorgung. Das heißt, idealerweise ginge natürlich beides gleichzeitig. Dafür ist die Nutzfläche aber (noch?) zu klein. Ich muss also Prioritäten setzen. Und da muss ich ganz klar zugeben: Lieber verzichte ich darauf, eigenes Gemüse zum Einlagern zu haben, als darauf, viele unterschiedliche Arten und Sorten im Garten zu haben. Ich möchte nicht darauf verzichten, „von allem ein bisschen“ zu haben. Auch wenn das natürlich wirtschaftlich betrachtet Quatsch ist, weil die Möhren dann nur für zwei Mahlzeiten reichen und die Zwiebeln nach einer Woche verbraucht sind. Zumal ja teilweise auch noch die Mehrzahl der Pflanzen als Samenträger gedacht sind.

Ich betrachte meinen Garten in dem Sinne eher als einen Lehrgarten, in dem ich mir anschauen kann, was es an schönem Gemüse gibt, als eine landwirtschaftliche Fläche, die mich ernährt. Diese Priorität kann sich natürlich noch ändern. Vielleicht vergrößert sich ja auch irgendwann die Fläche, die ich für den Gemüseanbau zur Verfügung habe, so dass ich beides auf einmal haben kann, Vielfalt und (annähernd) genug Gemüse für den Eigenbedarf. Wer weiß.

Bis dahin bringe ich eben so viel wie möglich in meinen kleinen Rahmenbeeten unter.

Die Ergebnisse der Planung sind wahrscheinlich total langweilig, aber der Vollständigkeit halber kommen sie hier trotzdem:

Dauerbeete

  1. Spargel „Goldgebener“ und „Jacquma Pourpré“
  2. Erdkastanie
  3. Knollenziest und Guter Heinrich
  4. Rhabarber „Elmsblitz“ und Meerrettich

Der Gute Heinrich ist bisher mit den Gänsefußgewächsen (zu denen er botanisch gehört) mitgewandert, aber da er ausdauernd ist, ist das eigentlich Quatsch. Also bekommt er jetzt einen Dauerstandort und wirkt sich (hoffentlich) wie Spinat bodenverbessernd aus.

Der Rhabarber wuchs bisher ganz woanders, aber da Rhabarber angeblich vor Kohlhernie schützen soll, probiere ich einfach mal aus, ob das auch beim Nebeneinanderwachsen funktioniert. Schließlich ist Meerrettich wie Kohl ein Kreuzblütler und ebenfalls durch Kohlhernie gefährdet, wenn er dauerhaft an einem Platz wächst. Ob’s was bringt? Keine Ahnung. Vielleicht ist der Oxalsäuregehalt vom „Elmsblitz“ zu niedrig – falls es denn überhaupt an der Oxalsäure liegt. Aber der Platz ist frei und gut geignet. Nutzt’s nix, schadt’s nix…

Reihe 1

  1. Blattsenf „Mizuna“ als Vorkultur; später Zucchini „Arenborner Walze“
  2. Blattsenf „Purple Wave“ als Vorkultur; später Zucchini „Arenborner Walze“
  3. Feldsalat „Niederländischer Breitblättriger“ als Vorkultur; später 2x Maximakürbis „Hokkaido“
  4. Feldsalat als Vorkultur; später 2x Moschuskürbis „Futsu Black“

Reihe 2

  1. Radieschen als Vorkultur; später Zuckermais „Festivity“, Reiserbohne „Vermont Yellow Eye“, Freilandgurke „Russische“
  2. Kartoffel „Heiderot“ und Amarant „Opopeo“
  3. Süßkartoffel „Beauregard“ und Okra „Penta Dragon“
  4. Stielmus „Namenia“ als Vorkultur; später Kartoffeln
  5. Kartoffel „Vitelotte“ und Buchweizen

Diese beiden Reihen enthalten vor allem Starkzehrer. Weil überdurchschnittlich viele Exoten dabei sind, haben sie auch den liebevollen Spitznamen „Aus der neuen Welt“. Besonders neuweltlich ist natürlich die klassische Milpa, aber Kartoffeln sind ja auch nicht gerade einheimisch – sie sind nur einfach sehr gut integriert… 😉

Ganz neu sind dabei nur die Süßkartoffel – bin sehr gespannt, ob sie hier eine Chance hat! – und die „Arenborner Walze“. Dabei handelt es sich um eine Ölzucchini, also eine Zucchini mit schalenlosen Kernen (analog zum Ölkürbis). Sie kann aber auch wie gewohnt als Gemüsezucchini verwendet werden. Ich hoffe, sie fühlt sich bei mir im Garten wohl, denn ein Kürbisgewächs zum Pressen fehlt mir noch.

Reihe 3

  1. Buschbohne „Zucker Perl Perfektion“ und Erdbeerspinat
  2. Saubohne „Reina Mora“ und Mangold „Bright Lights“
  3. Zuckererbse „Graue Buntblühende“ und Rote Melde („Richerswil“?)
  4. Bete „Burpee’s Golden“ und Feuerbohne „Rotblühende“
  5. Bete „Tonda di Chiogga“ (im zweiten Jahr) und Anden-Lupine „Tarwi“

„Zucker Perl Perfektion“ ersetzt „Scuba“, eine Sorte, die sich bei mir nicht wohlgefühlt hat. Beim Mangold sind sowohl junge als auch einjährige Pflanzen (zur Saatgutgewinnung) geplant. Vielleicht findet sich für die Blüher aber auch noch ein anderer Platz? Die gelbe Bete ist noch ein Neuzugang, nicht als Ersatz, sondern zusätzlich zur weiß-rot geringelten Chiogga. Sie sollen immer abwechselnd blühen, damit’s mit der sortenreinen Vermehrung klappt.

Ich liebe es, wenn Gemüse eine andere Farbe hat, als typischerweise erwartet wird. Das zeigt sich auch in…

Reihe 4

  1. Haferwurzel und Braunkohl „Hoher Roter Krauser“
  2. Kopfsalat „Attraktion“ und Spitzkohl „Winningstadt“
  3. Kopfsalat „Attraktion“ und Brokkoli „Rosalind“
  4. Faserlein „Eckendorfer Langflachs“; später Rosenkohl „Rubine“ und Sonnenblume

Jawohl, bis auf den Spitzkohl sind das alles rote Kohlsorten. Fast schon wieder langweilig. 😉 Im einen Beet darf „Attraktion“ schießen und blühen, im anderen wird er aufgegessen. (Bzw.: Die schönen Köppe wandern alle ins Blüh-Beet und die nicht ganz so schönen werden im Interesse der Saatgutoptimierung gegessen.)

Ich hoffe immer noch, mir irgendwann mal das Flachsverarbeiten und -Spinnen beibringen zu können. Bis dahin freue ich mich über die schönen blauen Blüten und sammle die Stengel… die Samen lassen sich natürlich auch für Öl verwenden, sie sind bloß nicht so zahlreich wie beim extra dafür gezüchteten Öllein.

Reihe 5

  1. Porree „Elefant“ und Pastinake „Russian Kraal“
  2. Schalotte „Rosa Lotte“ und Knollensellerie „Ibis“ (?) im zweiten Jahr
  3. Karotte „Ochsenherz“ und Zwiebel „Rote Wiener“
  4. Karotte „Gniff“ und Steckzwiebel „Roscoff“

Der Sellerie ist der aus dem grausamen Experiment. Bisher gedeiht er nämlich immer noch. Sollte er nun auf der Zielgerade noch kaputtgehen, habe ich Pech gehabt und muss doch wieder ganz von vorne anfangen. Aber ich bin erst mal optimistisch.

Die „Rote Wiener“ wird mein erster Versuch mit Zwiebelsaatgut. Bisher habe ich immer nur mit Steckzwiebeln gearbeitet und hätte das wohl auch weiterhin getan, wenn ich nicht das „Wiener“ Saatgut geschenkt bekommen hätte. Zur Vorsicht besorge ich aber auch noch die Zwiebeln zum Stecken. „Roscoff“ ist eine bretonische Sorte, rosa, süß und sehr lecker. Das fanden die Wühlmäuse letztes Jahr leider auch. Ich hoffe, 2016 kriege ich von meinen Zwiebeln mehr ab.

Ausweichbeete

  1. Hafer und Markerbsen „Commander“, später Rettich „Red Meat“
  2. Radieschen „Gelbes“ gefolgt von Büschelschön und Fenchel „Mantovano“ gefolgt von Einkorn als Wintergetreide

Die Ausweichbeete liegen außerhalb der regulären Reihen und nehmen die Kulturen auf, für die in selbigen der Platz fehlt. Wenn ich es dieses Jahr schaffe, das vierte Viertel im Nutzgarten „aufzuräumen“, entsteht dort auch noch ein weiteres Ausweichbeet, zum Beispiel für den blühenden Mangold.

Der Getreideanbau im Gartenbeet ist natürlich purer Quatsch, macht aber Spaß (und die Vögel satt). An den Hafer bin ich durch Zufall gekommen – weil ich mit Pferdeäpfeln gedüngt habe. Es ist sowohl „normaler“ als auch schwarzer Hafer dabei, der offenbar momentan als Pferdefutter ziemlich hip ist (wie ich nach dem Auftauchen der schwarzen Haferkörner recherchiert habe). Das Einkorn als Urgetreide möchte ich einfach mal kennenlernen. Der zufällige Dinkel vom letzten Jahr ist leider nicht mehr zur Blüte, geschweige denn zum Abreifen gekommen. Was lernen wir daraus? Wenn ich wieder Dinkelspelzen bekomme, hebe ich sie für den Spätherbst auf…

Dazwischen werden sich wohl auch immer Büschelschön und Ringelblumen herumtreiben. Dürfen sie. Die vertragen sich mit allem und tun dem Boden gut.

Was mögliche Nachkulturen angeht, habe ich mir größtenteils noch keinen Kopf gemacht. Der Feldsalat darf sich wie üblich selber aussäen; alles Weitere entscheide ich, wenn ich wieder Platz in den Beeten habe. Wahrscheinlich überlebt die Planung ja sowieso die erste Jahreshälfte nicht…

Und die Aufmerksamkeit meiner Leser hat sicherlich auch nicht bis hierher gehalten. Falls doch: Herzlichen Glückwunsch! Hier, ein Porreeblüten-Pompom zur Feier eures Durchhaltevermögens!

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3 Antworten zu “Gartenpläne für 2016 – Teil 1

  1. Das klingt wirklich vielseitig und durchdacht. Ölzucchini kannte ich noch nicht und schwarzen Hafer ebenso. Wieder was gelernt.
    Und ich freue mich, dass das grausame Pflanzenexperiment so gut gelaufen ist. Wegen dem habe ich glaube ich dein Blog damals gefunden. 🙂
    (Und irgendwie klappt es mit dem Abonnieren nicht, WordPress hat Dich mal wieder aus meiner Liste geschmissen – hatte ich woanders auch schon)

  2. Wahrscheinlich viel zu durchdacht, um sich wirklich zu bewähren, aber Versuch macht kluch! 🙂
    Die Ölzucchini habe ich auch erst beim Blättern durch das Dreschflegel-Angebot kennengelernt – aber sie kamen wie gerufen! Den schwarzen Hafer kannte ich bis letztes Jahr auch nicht (ich hab kein Pferd), aber als dann einige Haferstengel mit schwarzen Samen aufwarteten, habe ich natürlich recherchiert, ob das so sein darf oder ob das gefährlich ist. Seitdem weiß ich, dass manche Pferdebesitzer darauf schwören, dass schwarzer Hafer viel bekömmlicher und staubfreier und überhaupt besser für die Pferde ist. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber da ich ja generell Pflanzen liebe, die anders aussehen als standardmäßig erwartet (siehe roter Rosenkohl und blaue Kartoffeln), ist er auf jeden Fall willkommen.

    (Ja, die Tücken der Technik… vielleicht klappt’s ja dieses Mal!)

  3. Pingback: Der Gemüsegarten 2017 (und ’16) | BergBlog·

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