Valentinstag… ein bisschen anders

Der Valentinstag gehört wie Muttertag oder Hallowe’en zu den „Feiertagen“, die wir eigentlich total ignorieren.

Gerade den Valentinstag in seiner heutigen/hierzulande zelebrierten Form finde ich an sich total unsinnig. In seiner historischen bzw. traditionellen Form, in der man einem insgeheim geliebten oder bewunderten Menschen bzw. seinem unrealistischem Schwarm ganz legitim ein Liebesgeständnis machen darf, so, wie er uns seinerzeit im Englischunterricht vorgestellt wurde, mag ich ihn ja. Aber hierzulande ist er ja eher die Feier einer ohnehin schon etablierten Liebe – also eher so ein Aufguss des Jahres- oder Hochzeitstags. Also überflüssig.

Warum würdige ich ihn also überhaupt einer Erwähnung?

Weil ich ein überraschendes Geschenk zum Valentinstag bekommen habe, das meine Meinung ein wenig aufgeweicht hat!

ginkgo01

25m Hecke auf kleinstem Raum im ungeheizten Flur – die Scheune ist nicht sicher frostfrei.

Und das kam so:

Gestern kamen meine bestellten Heckenpflanzen an. Hat mich eigentlich gefreut, aber der Zeitpunkt war etwas ungünstig, weil es gerade wieder arg winterlich ist – zwar (knapp) frostfrei, aber bei ständigem Schneeregen geh ich dann doch nicht raus zum Buddeln.

Also mussten die Gewächse natürlich ausgepackt und provisorisch versorgt werden. Oben sieht man sie im Kübel baden, auf dass die wurzelnackten Bündel hoffentlich durchhalten, bis ich sie nächste Woche einpflanzen kann.

Im Vordergrund steht die Überraschung. Sie begrüßte mich zuoberst und hat mir gleich Kopfzerbrechen bereitet. Es handelt sich ja ganz eindeutig um etwas Getopftes (ich hatte Freilandware bestellt) und darüber hinaus um ein kleines Bäumchen (ich hatte Sträucher bestellt). Ein Fehler? Ich schaute mir Rechnung und Lieferschein an, aber da stand nichts drauf, was ich nicht geordert hatte. Hm.

Ich packte das Töpfchen also aus seiner schützenden Papierhülle und schaute auf die Banderole am Stamm, um herauszufinden, was für ein Baum das überhaupt ist. Bei derart jungen Laubbäumen ist das ja ohne Blätter erst mal schwer zu erkennen…

ginkgo02

„VALENTINSTAG 2016 – ICH BIN DEIN GESCHENK! 1 Ginkgo biloba (Fächerblattbaum, 4jährig)“

Ahaaaa! Ein Valentinstagsgeschenk ist das also! (Und nicht vom Herrn Eifgental, sondern von einem mir persönlich unbekannten Gärtner, wie sich das gehört!) Das find ich ja… als alte Valentinstagshasserin… irgendwie… total… berührend.

Meine liebe Oma, die im letzten Jahr verstorben ist, hatte im Garten einen Ginkgo, auf den sie sehr stolz war. Den Garten (und den Ginkgo) hatte sie wiederum von ihrem Schwiegervater geerbt, der das Bäumchen seinerzeit gepflanzt hatte, weil er Goethe so verehrte. Als wir nun letztes Jahr den Haushalt auflösen mussten, hatte ich versucht, ein paar Ginkgostecklinge zu nehmen, die aber alle nicht angegangen sind. Also wollte ich mir irgendwann einmal einen neuen Ginkgo kaufen, um ihn zur Erinnerung an Oma in meinem Garten wachsen zu lassen. Aber da ein exotischer Baum jetzt nicht unbedingt ganz oben auf meiner Prioritätenliste stand, hab ich einfach nicht mehr daran gedacht, als ich meine Baumschulbestellung aufgegeben habe.

Es fiel mir tatsächlich ein, kurz nachdem ich die Versandbestätigung bekam…

… und sie haben mir TROTZDEM einen Ginkgo geschickt! Keine Rose, sondern ausgerechnet einen Ginkgo!

Das konnten die natürlich nicht wissen, aber das macht es ja nicht weniger rührend.

Da ich im Topf die Reste einer Ginkgonuss gefunden habe, gehe ich davon aus, dass es sich bei meinem Valentinstagsgeschenk tatsächlich mal um einen Sämling handelt. Es könnte also sowohl ein Männlein als auch ein Weiblein sein (im Gegensatz zu den meisten deutschen Ginkgos, die Stecklinge von männlichen Bäumen, also zwangsläufig ebenfalls Männchen sind). Allerdings werden Ginkgos erst mit ca. 15 Jahren geschlechtsreif – mein kleines Bäumchen hat also Kindheit und Pubertät erst noch vor sich und vorläufig kann ich nicht wissen, welchen Geschlechts mein Exemplar ist.

Vor weiblichen Ginkgos wird ja – hierzulande! – gern gewarnt, wegen der „stinkenden“ Früchte. In Japan dagegen baut man bevorzugt weibliche Ginkgos an, weil Männlein ja keine Früchte tragen und man dort zu besonderen Festtagen die Ginkgokerne röstet wie Maroni. Gegart und in kleinen Mengen genossen sollen die potenziell leberschädigenden Inhaltsstoffe auch kein Problem sein. Die Ginkgonüsse, die ich vor acht Jahren bei einem Pflaumenblütenfest probiert habe, waren durchaus lecker.

ginkgo03

Das war natürlich nicht beim Pflaumenblütenfest, sondern zwei Monate vorher. Weibliche Ginkgobäume in voller Herbstpracht!

Tatsächlich entwickelt sich, wenn Ginkgofrüchte verrotten, Buttersäure – und die stinkt natürlich ganz entsetzlich. Naiv, wie ich bin, würde ich jetzt mal annehmen, dass man die Früchte halt nicht vergammeln lassen sollte? Jedenfalls bin ich entspannt, was das Geschlechtslebens meines Ginkgos angeht. (Zumal es ja auch erst einmal Befruchtungspartner geben muss, damit aus den in 11 Jahren erscheinenden Blüten überhaupt Früchte werden können. In der Innenstadt gibt es zwar tatsächlich ein paar Ginkgos, die von der Wuchsform her männlich sein könnten, aber ob die Pollen es überhaupt nach hier unten ins Tal schaffen, bleibt ja erst einmal abzuwarten…) Da die Japaner das Problem irgendwie gelöst zu kriegen scheinen, unterstelle ich doch mal, dass ich das auch hinkriege. Auch wenn die Japaner ja auch Kanji lesen können, was mir nach zehn Jahren Studium immer noch Kopfschmerzen bereitet hat, aber das tut ja wohl nix zur Sache! 😉

 

Advertisements

Eine Antwort zu “Valentinstag… ein bisschen anders

  1. Pingback: Gartenrundgang Mitte April | BergBlog·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s