Es tut sich was!

Trotz widriger Wetterverhältnisse – abwechselnd stürmte, schneite, regnete und hagelte es, unterbrochen von nur kurzen Phasen relativer Trockenheit, heute kam immerhin auch mal die Sonne raus – sind nun alle 120 Sträucher im Boden. Die Arbeitsklamotten sind schlammgetränkt, der Rücken tut weh und Schuhe und Spaten bedürfen einer gründlichen Reinigung, aber die Hecke ist gepflanzt!

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Wie man sieht, sieht man… nicht viel. Aber sie ist da! Und ich hoffe, sie wird wachsen und gedeihen und nicht wieder plattgetrampelt.

Wer ganz genau hinschaut, mag entlang des linken Zauns ein paar spirrelige Ästchen erkennen, und zwar in einer Art Graben. Meine Hecke invertiert also sozusagen den guten alten Knick… und das kam so (Achtung, lange Vorgeschichte):

Wie schon erwähnt war der Zaun links – rund um die Weide, die momentan an die Lama-Halter verpachtet ist – früher weiter rechts. Also, um im Bild zu bleiben, näher in der Mitte. Als er erneuert wurde, ist er aus Gründen der Fehlkommunikation weiter in die Weide hinein gewandert…

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Vorher/Nachher. Leider nicht aus dem gleichen Winkel, so dass der Unterschied im Abstand allenfalls für erfahrene Profis zu schätzen ist. Links war 2011, rechts war 2015. Der neue Zaun ist fast doppelt so hoch wie der alte, steht aber tiefer, was das Ganze auch nicht vereinfacht…

Nun befindet sich zwischen den beiden Zäunen eine Art Pfad, der um die „Lamaweide“ herum in den Wald führt. Ursprünglich wohl nur als Nutzweg für den einstigen Bauern gedacht, wird dieser Pfad seit Jahren auch von Spaziergängern genutzt. Vor der Zaunerneuerung war er sehr, sehr schmal – man kann es auf dem Foto nicht wirklich erkennen, aber es passte genau eine normal gebaute Person durch und man blieb regelmäßig im Stacheldraht hängen. Und weil der Pfad schon sehr ausgelatscht war, konnte man beim Gehen die Füße nicht vernünftig setzen, sondern musste sozusagen durch eine (oft matschige) Rinne balancieren.

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Mr. Darcy macht’s vor. 2010 war die Rinne allerdings noch gar nicht so tief. Da sieht man mal, wie schnell die Topographie sich verändert… von wegen „War schon immer so“!

Als der Zaun erneuert wurde, gingen die Leute nun begreiflicherweise nicht mehr durch diese Rinne, sondern lieber über den freigewordenen, höher liegenden Wiesenstreifen daneben. Nun gehört dieser Meter aber eben streng genommen noch zur Weide, auch wenn er momentan nicht so genutzt wird. Herr Eifgental hatte Sorge, dass es in nicht allzu ferner Zukunft Probleme geben könnte, wenn der Zaun vielleicht mal wieder erneuert und auf seinen alten Platz zurückgesetzt wird. Denn wenn dort erst einmal ein paar Jahre lang ein freier Weg entlangläuft, beschweren die Leute sich garantiert, wenn der Weg dann plötzlich wieder schmaler wird – auch wenn er das vorher mindestens 60 Jahre lang war. Und dann müssten wir erst einmal nachweisen, dass das unser Grund ist. Ggf. durch eine offizielle Messung, die wahrscheinlich mehr kosten würde, als ein anderes Grundstück zu mieten…

Kurz: Die alte Grenze sollte erhalten bleiben, damit der schöne breite Weg sich gar nicht erst im Gewohnheitsrecht verankert. Herr Eifgental wollte Stacheldraht spannen, ich fand eine Hecke schöner. Aber die klitzekleinen Stecklinge des letzten Jahres wurden bis auf zwei oder drei plattgetrampelt…

Bevor Herr Eifgental doch zur Stacheldrahtrolle greifen muss, wollte ich es dieses Jahr trotzdem noch einmal mit einer Hecke probieren. Um die Überlebenschancen derselben zu erhöhen, habe ich dieses Mal größere Setzlinge besorgt. Beim Graben vor Ort hatte ich dann noch eine geniale (wie ich finde ;)) Idee… und da kommt nun endlich der inverse Knick ins Spiel!

Ich dachte mir nämlich, ich könnte den Spaziergängern ein Stück weit entgegen kommen, indem ich die ausgelatschte Rinne wieder etwas einebne. Dadurch steigt sicher die Motivation, weiter rechts zu gehen, und hoffentlich sinkt entsprechend die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute in die Sträucher trampeln?

Also habe ich die Grassoden, die ich für den Heckenstreifen ausgestochen habe, nicht etwa à la Tiefkultur untergehoben, sondern in die Trampelrinne gesetzt. Dadurch steht nun die Hecke nicht erhöht, sondern im Graben. Ich hoffe, durch die Hanglage sammelt sich dort trotzdem nicht so viel Wasser, dass die Wurzeln ersaufen.

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Ganz einebnen konnte ich die Rinne leider nicht – am linken Bildrand kann man vielleicht noch erahnen, wie tief sie mittlerweile war – und natürlich liegen die einzelnen Grassoden-Pflaster auch nicht nahtlos aneinander, sondern es ergibt sich ein lustiges Gehubbel. Ich denke aber, das wird sich im Lauf der Zeit angleichen. Die Hauptsache ist, dass sicher niemand freiwillig in den Graben stapft. In ein paar Jahren sind die Sträuche dann ja ohnehin wiederstandsfähiger (zumal viele mit Dornen dabei sind, hähähä). Die Hecke ist nun immer noch ein kleines Stück vom alten Zaunverlauf entfernt, aber sie wird ja auch noch an Volumen gewinnen.

Die paar Gassigeher, die zwischendurch vorbeikamen, äußerten sich immerhin ausnahmslos positiv zu dem Projekt! Einem war sogar aufgefallen, dass die Stecklinge im letzten Jahr schnell niedergetreten wurden und bewunderte, dass ich mir die viele Arbeit ein zweites Mal machte. (Das tut doch gut!) Eine Mutter erklärte ihrer Tochter, wie wertvoll Hecken für die Tierwelt, aber auch für die Landwirtschaft sind. Ein weiterer Passant lobte die gemischte Zusammensetzung, die sich wohltuend von den Eiben-, Taxus- oder Kirschlorbeermonokulturen in der Neubausiedlung abhebe. Lauter nette Leute! Ich bin also froh, dass ich der Hecke und den Spaziergängern noch einmal eine Chance gegeben habe. Und außerdem bin ich natürlich stolz auf dieses erste vollendete Projekt des neuen Gartenjahres. Vivat, crescat, floreat!

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