Feldsalat für faule Gärtner

Hurra, so langsam wird es wärmer! Deshalb habe ich in dieser Woche drei neue Rahmenbeete angelegt. Jetzt fehlen nur noch, äh, sechs bis acht. Aaaah, wie soll ich das nur schaffen?

Für den Beetabschnitt, den ich heute fertiggestellt habe, war eine gar mühsame Vorbereitung nötig: Feldsalat essen. Der wuchs dort nämlich noch fröhlich vor sich hin. Ich hätte ihn natürlich einfach als Gründünger untergraben können, aber in größeren Mengen ist er mir dafür einfach noch zu schade – ein Problem, das ich mit vielen Gründüngerpflanzen habe…

feldsalat01

Aber zurück zum Thema Feldsalat! Ich habe es glaube ich schon einmal erzählt, aber ich erzähle es einfach noch mal: Es hat mehrere Jahre gedauert, bis ich überhaupt Feldsalat im Garten hatte. Dabei habe ich ihn von Anfang an ausgesät. Im ersten Jahr kam nichts. Im zweiten Jahr kam nichts. Im dritten Jahr war die Keimgewähr für das Saatgut dann eh abgelaufen, also habe ich den gesamten Rest aufs Beet gekippt. Letzte Chance!

Und siehe da, es wuchsen zwei (2!) Feldsalatpflänzchen. Hurra. Ich pflückte vereinzelt mal ein paar Blättchen als Salatgarnitur, für mehr hat’s ja nicht gereicht. Der Frühling schritt voran, das Beet wurde neu genutzt, aber weil ich ja so lang darauf gewartet hatte, endlich Feldsalat im Garten zu haben, konnte ich mich nicht dazu durchringen, die mittlerweile schon recht großen Feldsalatrosetten auszurupfen oder unterzugraben. Also blieben sie halt stehen. Irgendwann schossen sie, dann trugen sie Blüten, dann verdorrten sie. Auch egal.

Im nächsten Herbst traute ich dann meinen Augen kaum: Überall spross Feldsalat. Die Nachkommen dieser beiden einsamen Feldsalatpflanzen belegten in nullkommanix zwei Beete und versorgten uns den ganzen Winter hindurch (außer, wenn gerade mal Schnee lag). Entgegen anderslautender Behauptungen wurde der Feldsalat übrigens nicht vom Schnee „erdrückt“. Vielleicht passiert das, wenn es mehr als 40 cm Schnee gibt oder länger als zwei Wochen eine geschlossene Schneedecke liegt. Aber das passiert selbst hier im Bergischen höchst selten. In den „normalen“ Wintern, die wir hier hatten, war weder eine Vliesabdeckung noch ein Gewächshaus für den Feldsalat nötig.

Im Frühling 2015 konnte ich dann schon eine Auswahl der schönsten Feldsalatpflanzen treffen, denen es erlaubt wurde, in Blüte zu gehen und sich fortzupflanzen. Der Rest wurde gegessen – zum Untergraben war es mir wie gesagt zu schade. Da ich eine faule Gärtnerin bin, habe ich keinen Aufwand betrieben, um an das fitzelige Saatgut zu kommen. Das ist meiner Ansicht nach nur nötig, wenn man Feldsalat-Saatgut weitergeben oder gar verkaufen will. Für den Eigenbedarf setze ich die Pflanzen im Frühjahr in das Beet, in dem ich im Winter Feldsalat haben möchte, und lasse sie dann in Ruhe. Feldsalat – selbst im geschossenen Zustand – braucht kaum Platz, und die Samen treibt erst im Herbst aus, wenn für gewöhnlich sowieso nichts Anderes mehr wachsen soll (oder schon so groß ist, dass der kleine Feldsalat nicht stört). Als Baldriangewächs ist Feldsalat mit keiner unserer Gemüsepflanzen verwandt, so dass es weder zur Blüte- noch zur Keimzeit zur Nährstoffkonkurrenz kommt. Es ist also letztlich total egal, wo der Feldsalat wächst. Eine Auslese der Saatgutträger kann im Frühjahr anhand der schmackhaftesten, kräftigsten Pflanzen getroffen werden – den Rest macht der Feldsalat dann schon selbst.

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Mit meiner faulen Anbaumethode scheine ich übrigens in langer Tradition zu stehen. Laut dem „Handbuch Samengärtnerei“ wurde der Feldsalat dereinst (schon seit der Jungsteinzeit!) mit dem Getreide zusammen ausgesäht und entwickelte sich dann auf den abgeernteten Stoppelfeldern als winterlicher Bodendecker. Daher soll auch der Name Feldsalat stammen. Gezielt als eigene Kultur angebaut wird Feldsalat erst seit dem 18. Jahrhundert. Ich kehre also sozusagen nur zurück zu den Wurzeln. A propos Wurzeln: diese verströmen tatsächlich den typischen Baldrian“duft“, was auch die Katzen schnell merken, wenn ich beim Ernten zu fest an den Pflanzen gezogen habe…

Seit der Feldsalat sich bei uns etabliert hat, ist er so ziemlich das unkomplizierteste Gewächs überhaupt. Da er weder zeitlich noch verwandtschaftstechnisch mit irgendeiner anderen Kultur konkurriert, könnte ich eigentlich sämtliche Beete im Winter mit Feldsalat zuwuchern lassen (mit Postelein hatte ich bisher kein Glück, aber wer weiß, vielleicht kommt der irgendwann ja auch durch). Aber schon jetzt mit drei Feldsalat-Beeten reichte das frische Grün dicke für unsere Familie. Ich mag das nussige Aroma vom Feldsalat sehr gern und er bringt im Winter Frische und Vitamine (A und C) auf den Teller. Angeblich soll er sogar gegen Winterdepression und Frühjahrsmüdigkeit wirken. Auf dem Beet ersetzt er die Mulchdecke und schützt den Boden. Wenn man die traurigen Reste dann im Frühjahr untergräbt, sollen die baldrianähnlichen Wirkstoffe die Folgekultur gegen Pilzkrankheiten stärken. Die schönsten Pflanzen dürfen wie gesagt einfach blühen, um die Aussaat für das nächste Jahr zu erledigen.

Kurz, ein dankbares Gewächs quasi ohne Nachteile – insbesondere für bequeme (oder einfach viel beschäftigte) Selbstversorger! Und darüber hinaus bin ich über die Erfahrung mit dem Feldsalat letztlich zum Anbau des eigenen Saatguts gekommen. Zur Inspiration taugt er also auch noch. 😉

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5 Antworten zu “Feldsalat für faule Gärtner

  1. Das muss ich auch mal so handhaben, die Kümmerlinge einfach dahin zu setzen, wo ich hoffe, irgendwann einmal Feldsalat zu haben! Guter Tipp. Bislang ging es mir so, wie Dir anscheinend in den ersten Jahren.
    Liebe Grüße

  2. 😀 Mir geht es auch noch so, wie dir in den ersten Jahren! Der Feldsalat kam zwar, blieb aber mickrig. An anderen Stellen kam gar nichts 😦

    Die Idee mit dem Umpflanzen in das nächste Feldsalatbeet ist super! Ich werde mal unseren Gartenvermieter um eine seiner Feldsalatpflanzen bitten (die sind mittlerweile riiiesig!) und diese dann auf unser Kartoffelbeet setzen 🙂 Die Natur kann es scheinbar doch besser als die Gärtnerhand 😀

    Liebe Grüße!

    • Bin sehr gespannt, wie es dann mit deinem Feldsalat weitergeht! Ich glaube inzwischen, das Entscheidende ist der Vorsprung, den die Pflanzen dadurch haben, dass sie am Standort in Blüte gehen. Entweder werden sie dadurch ausgetrickst und glauben sozusagen, es wäre ein gut geeigneter Standort… oder es ändert sich wirklich was. Wie auch immer, der Feldsalat ist ja nicht der Einzige, bei dem ich solche Erfahrungen gemacht habe 🙂
      Liebe Grüße zurück!

  3. Pingback: Schwarzwurzeln & Rapunzel mit gebratenen Steinpilzen auf Wildreis | Landidylle·

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