Restlos ausgenutzt

Es ist immer befriedigend, wenn man eine Ressource so gründlich nutzen kann, dass man quasi keine Abfälle hat. Finde ich jedenfalls. Man hat dann immer gleich das Gefühl, den Planeten etwas besser gemacht zu haben. Sogar im Kleinen! Das mag albern sein, ist aber trotzdem ein schönes Gefühl.

Wie komme ich da jetzt drauf? Wegen der roten Bete.

Wie eigentlich jedes Jahr zu Ostern nutze ich Rote-Bete-Sud zum Eierfärben. Ebenfalls wie jedes Jahr zu Ostern bin ich dann vom Färbeergebnis meistens enttäuscht, aber sei’s drum. Denn wenn ich ehrlich bin, benutze ich die Rote Bete nicht in erster Linie, um einen schönen Farbton auf die Eierschale zu zaubern, sondern weil man mit den Resten noch so viel anfangen kann.

rotebete01

Das Licht ist nicht optimal, aber der Farbton kommt dem Original sehr nahe. Die Wolle wurde im gleichen Sud gefärbt, ist aber leider nicht waschecht. 😦

Zum ersten wäre da also der Sud: drei bis vier Rote Beten waschen, schälen und grob zerteilen, von wegen der größeren Oberfläche. Sowohl die Schale als auch die Schnitze kommen in ca. 2 Liter Wasser, dann wird der Spaß aufgekocht. Nach dem Abkühlen gieße ich die Mischung durch ein Sieb ab, wobei – wichtig! – die rote Brühe natürlich aufgefangen wird! Die Wurzel- und Schalenstücke kommen in ein Glas mit Bügelverschluss und werden mit 2 EL Apfelessig, 1 EL Salz und Wasser nach Bedarf aufgegossen.

Der Färbesud wird dann noch mit 2 EL Essig versetzt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, man kocht die rohen Eier im Färbesud hart, oder man kocht die Eier separat hart und färbt sie dann später, noch lauwarm, im ebenfalls lauwarmen Sud. Die Intensität der Farbe wird bei der ersten Methode definitiv besser, der Farbton rangiert aber leider so oder so zwischen rotbraun und braungrau. Wenn man Pech hat, verwandelt man auf diese Weise weiße Eier lediglich in naturbraune. Aber natürlich kann man mit der Färbezeit experimentieren und so vielleicht zumindest elegante Grau- oder Rosatöne erzielen.

Wenn man für irgendwelche Zwecke Filz- oder Dekowolle verwendet, die man sowieso nie waschen wird, kann man die im selben Sud sehr hübsch und feurig einfärben, aber ob man die Farbe auch fixieren kann, weiß ich (noch?) nicht. Essig reicht dafür jedenfalls nicht.

So, nun wären die Eier gefärbt – schwupp, weg mit den Resten? Eben nicht! Denn nach Ostern hat man erfahrungsgemäß jede Menge kalter, hartgekochter Eier, die irgendwann keiner mehr essen will. Und die kann man nun mit Hilfe der aufgehobenen Wurzel- und Schalenstücke in spektakuläre Soleier verwandeln, denn sie enthalten noch immer einiges an Farbe. Also werden die aufbewahrten Reste in ihrer Essig-Salz-Wasser-Mischung kurz aufgekocht (der Hygiene halber!) und danach wieder in ein verschließbares Gefäß abgeseiht. Nun kann man auch Senf- und Pfefferkörner sowie ein oder zwei geschälte Knoblauchzehen hineingeben. Die Schalenreste der Bete dürfen auf den Kompost oder, wenn man welche hat, zu den Hühnern. Das Innere (Fruchtfleisch? Ja wie nennt man das denn bei Wurzelgemüse?) kann man kalt oder warm als Salat, zu Pellkartoffeln und Quark, Königsberger Klopsen o.ä. verzehren. In das Gefäß mit dem gewürzten Essig-Rote Bete-Gemisch kommen derweil die überzähligen, gepellten hartgekochten Eier. Denn man kann auch schalenlose Eier färben…

rotebete02

Wie praktisch, dass Herr Eifgental eine Woche nach Ostern Geburtstag hatte…

Je länger der Aufenthalt im Sud, umso tiefer zieht die Farbe. Nach einem Tag hat man einen rosaroten Rand im Ei, nach drei Tagen ist fast nichts weißes mehr übrig. Nach einer Woche ist auch der Dotter durchgefärbt. Allerdings ändert sich auch die Textur der Eier, wenn sie sehr lang im Sud sind – das aufgenommene Wasser macht sie dann ziemlich zäh und meiner Meinung nach unappetitlich. Es soll aber auch Leute geben, die ihre Soleier mehrere Wochen lang suppen lassen. Muss jeder selber wissen.

Nach der gewünschten Zeit kann man die Eier dann einfach so oder als klassische Soleier mit Senf und Essig futtern. Bei uns stand Besuch an, also gab es Party-Eier: Eier halbieren, Eigelb vorsichtig entfernen und mit Öl, Kräutersalz und Senf zu einer leidlich homogenen Masse verrühren, dann mit zwei Teelöffeln in die Eier setzen. Schmeckt auch mit normalen hartgekochten Eiern, aber die pinken Eier sind natürlich ein besonderer Hingucker.

Und ich klopfe mir auf die Schulter, weil ich aus den drei Roten Beten wirklich alles rausgeholt habe. 😉 Nur für die Reste der Rote-Bete-Essig-Brühe habe ich noch keine Verwendung gefunden. Für Fruchtfliegen ist es zum Glück noch zu früh im Jahr…

 

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