Ach du grüne Neune!

Die Wildkräuterküche beginnt bei uns eigentlich mit dem Gründonnerstag. Bietet sich an, weil das ohnehin der traditionelle Tag für Grüne Suppe ist. Die hochehrenwerte Gründonnerstagssuppe (ähnlich wie die heute als Spezialität gefeierte Frankfurter Grüne Sauce) ist ja letztlich aus der Not geboren: Die Fastenzeit ist noch nicht ganz vorbei, also sind Eier und Speck tabu. Die Vorräte des Winters sind aber so langsam gründlich erschöpft, und dann gibt es noch den blöden Aberglauben, dass man in der Karwoche keine Hülsenfrüchte essen darf, wenn man keinen baldigen Tod in der Familie beklagen will. Wieso auch immer! Was tut man also, wenn man nicht kurz vor Ostern selber den Löffel abgeben will? Man futtert sich notgedrungen durch die Wiese…

gruenesuppe

Muuuuh.

Nun war Ostern in diesem Jahr so früh, dass selbst auf der Wiese noch nicht viel zu holen war. Verschüchtert entfaltete der Giersch die ersten Blätter, selbst die Brennnesseln waren noch im Winterschlaf. Ich pfiff also auf die Tradition und ging in den Supermarkt. Da waren Mangos und Avocados im Angebot, man gönnt sich ja sonst nichts. Im eigenen Garten herrscht weitestgehend gähnende Leere, aber auf den Tisch kommen exotische Genüsse…

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Ende März in Deutschland. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Inzwischen hat die Natur aufgeholt, und so gab es also mit zweiwöchiger Verspätung…

Gründonnerstagssuppe

Zutaten:

  • je 1 Handvoll von 9 Wildkräutern
  • 1 große Zwiebel oder kleine Lauchstange
  • Fett zum Anschwitzen je nach persönlicher Überzeugung (ich nehm Butter, aber Öl geht auch)
  • Grünkern-, Dinkel- oder Weizenvollkornmehl
  • Gemüsebrühe
  • Milch bzw. Sahne (Kuh- oder Nuss-)

Traditionell verwendet man wohl Bärlauch, Brennnessel, Giersch, Sauerampfer, Löwenzahn, Pimpinelle, Kerbel, Brunnenkresse und Gundelrebe. Man kann aber variieren. Bei uns wächst Kerbel z.B. noch nicht, also habe ichihn durch Veilchenblätter (Anis-Note) ersetzt. Statt Brunnenkresse wächst bei uns Bitteres Schaumkraut, das schmeckt genauso, ist bloß fisseliger zu verarbeiten. Und die Gundelrebe ist mir im Aroma zu penetrant, also nehme ich davon nur ganz wenig und fülle den Rest mit Spitzwegerich auf (auch herb, aber eher nussig). Da die Grüne Neune ja eigentlich ein Not-Essen ist, kann man nehmen, was einem halt zur Verfügung steht. Selbst die Zahl neun ist wohl eher so ein Richtwert als eine absolute Pflicht…

Die Kräuter werden gründlich gewaschen und nach dem Abtropfen fein gehackt, dann beiseite gestellt. Zwiebel oder Lauch werden ebenfalls fein gehackt und im Fett angedünstet. Dann gibt man Mehl und unter ständigem Rühren Brühe und Milch hinzu, als wollte man Mehlschwitze machen, bis zur gewünschten Konsistenz. Kurz aufkochen, dann vom Herd nehmen. Die fein gehackten Kräuter hinzugeben und kurz ziehen lassen. Abschmecken. Wer möchte, kann die Suppe auch noch passieren – ich mag es aber lieber, wenn die Kräuter noch Biss haben!

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Die Veilchenblüten sind essbar, der Rest ist Deko.

Ob Milchprodukte nun das Fasten brechen oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Historisch betrachtet scheint Nussmilch als Milchersatz ohnehin recht üblich gewesen zu sein, da Kuh- (oder andere tierische) Milch ohnehin nicht grenzenlos frisch zur Verfügung stand und vor der Erfindung von Pasteurisierung und Kühlschrank nur als Butter oder Käse länger haltbar war. Wer’s also besonders ernst meint, kann auch aus traditioneller Sicht zu einem der vielen Milchersatzprodukte greifen, die es mittlerweile wieder gibt – bloß kein Soja, von wegen der Hülsenfrüchte… 😉

Wir nehmen es nicht so streng (zumal Ostern ja eh vorbei ist) und genießen zur Grünen Neune gern auch mal panierte Ziegenkäsetaler oder Ziegenfrischkäse auf Röstbrot. Das ist dann zwar nicht mehr authentisch, aber extrem lecker! Wie auch bei der hessischen Grünen Sauce passen auch Kartoffeln und hartgekochte Eier gut dazu.

 

 

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