Erschließung eines neuen Gartenteils

Da wir ein „altes“ Grundstück (also kein neu erschlossenes) und ein ebenso altes Haus gekauft haben, müssen wir mit dem leben, was unsere Vorgänger uns hinterlassen haben. Dadurch sind wir manchmal betriebsblind und behalten unliebsame Lösungen im Geiste bei, weil sie ja nun mal schon mal da sind. Aber gelegentlich kommt einem dann der Zufall zuhilfe und schafft neue Tatsachen. So etwa bei der „Halde“ (Herr Eifgental nennt sie vornehm „Schüttbiotop“, aber dadurch wird sie auch nicht schöner.)

Die „Halde“ liegt zwischen unserer Terrasse und der Terrasse der Mietwohnung im einstigen Kuhstall (auch so eine Idee unserer Vorgänger). Abgetrennt durch eine Mauer bzw. die Sichtschutzwände um die Mieterterrasse wuchs dort alles, was sich dort irgendwie behaupten konnte. Da die „Halde“ nicht nur im Schatten des großen Magnolunders* liegt, sondern von unseren Vorgängern auch als Ablagefläche für Mergelgestein verwendet wurde, sind das in erster Linie Brombeeren und Brennnesseln. Im Frühjahr sieht es immerhin hübsch aus, wenn sich ein Teppich aus Scharbockskrautblüten unter den großen weißen Magnolienkelchen ausbreitet.

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Bis der Holunder blüht, sieht man vor lauter Brennnesseln nichts mehr vom Boden.

Da viele Spaziergänger meinten, dass der Magnolunder „keinem gehört“, haben sie sich fröhlich Zweige abgeschnitten. Um zu markieren, dass er sehr wohl zu dem Haus gehört, neben dem er wächst, habe ich vor Jahren ein paar wilde Sträucher unter dem Magnolunder weggenommen und an den Straßenrand gesetzt (man sieht, ich glaube sehr an Hecken). Aus den Mergelbrocken habe ich außerdem zwei bröselige Trockenmauern aufgeschichtet. Dadurch entstanden immerhin zwei weitestgehend steinfreie, terrassierte Scharbockskraut-Brombeer-Brennnesselbrachen. Die Blindschleichen, Kröten und Krabbelviecher, die der „Halde“ den klangvollen Namen Schüttbiotop überhaupt erst eingebracht haben, sind klaglos (?) in die Mauer umgezogen.

Damit waren meine gärtnerischen Gestaltungsmöglichkeiten für diesen Gartenteil aber auch schon erschöpft – bis im letzten Herbst die oben im Bild am linken Rand erahnbare Sichtschutzwand den Stürmen zum Opfer fiel. Wir hätten sie sonst sicher noch jahrelang stehen lassen, obwohl die Terrasse mittlerweile nicht mehr einer fremden Mietpartei, sondern der Schwiegermutter gehört. Die nunmehr entfallene Trennwand bot nicht nur den Kindern eine praktische Möglichkeit, hinten über die Terrassen zur Oma abzukürzen, wann immer sie wollten… plötzlich waren auch das schmale, schattige Beet an der Terrasse und die „Halde“ miteinander verbunden.

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Nicht schön, aber voller Möglichkeiten!

Und nicht nur das: Das Beet an der Terrasse ist auch viel heller geworden. Das freut die Schwiegermutter. Mir wiederum eröffnet es die Möglichkeit, einen Gartenbereich anzulegen, der mal „nur schön“ sein soll. Bislang habe ich im Garten ja immer eher unter praktischen Gesichtspunkten gearbeitet, selbst der Staudenhang diente mehr dem Zweck, den unmähbaren Rasen in ein pflegeleichtes Großbeet umzuwandeln und all den Stauden, von denen ich mich im Küchengarten doch mal trennen musste, ein neues Zuhause zu bieten. Eigentlich halte ich ja auch viel mehr von Bauerngärten bzw. Nutzgärten. Doch wenn man sich gelegentlich andere schöne Gärten anschaut oder Fan von „Gardener’s World“ ist, entsteht irgendwie doch der Wunsch nach dekorativen Bereichen. Dieser rein ästhetischer Gartenteil ist eine neue Herausforderung, an der ich mich austoben kann, wenn sonst nichts Dringendes anliegt.

Doch vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Die Schwiegermutter beklagte nicht ganz zu unrecht, dass sie sich seit dem Fall der Sichtschutzwand auf ihrer Terrasse wie auf dem Präsentierteller fühlt, außerdem pfeife der Wind doch ziemlich heftig. Ich versprach also, zeitnah Abhilfe zu schaffen.

Die letzten Tage boten eine gute Gelegenheit, denn die Kinder haben den Sandkasten auf unserer Terrasse wiederentdeckt und wollten folglich viel Zeit dort verbringen. Ich wiederum hatte ja noch vom Winter her die zahlreichen Äste, die nach dem brutalen Kahlschlag der „Straßenpflege“ angefallen waren. Die meisten hatte ich schon in Stangen verwandelt, der Rest kam nun dran und wurde auch gleich in einen Flechtzaun umgewandelt. Das funktionierte besser als erwartet, also wurde ich gleich übermütigt und habe mir den kleinen Finger ganz ekelhaft eingeklemmt. Der Große hat mit viel Liebe und wenig Sachverstand ein Pflaster daraufgeklebt und dann ging es weiter.

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Geht ordentlicher, aber für eine Anfängerarbeit mit Abfallholz find ich’s ganz gelungen.

Den Wind wird der Zaun wohl nicht wirklich abhalten, aber die Blicke von der Straße gehen nun nicht mehr ungehindert direkt auf die Terrasse. Und das noch bevor die Mittagsschlaf-im-Freien-Saison angefangen hat – da kann die Schwiegermutter sich nicht beschweren! Gegen den Wind (und ggf. neugierige Blicke, die sich trotzdem durch das Holzgeflecht bohren) soll auf Dauer dann Efeubegrünung helfen.

Die nach wie vor eher schattigen und sauren Bereiche sollen demnächst (wann auch immer das sein mag) Schwiegermutterns Rhododendronleidenschaft befriedigen, außerdem gibt es ja viele schöne Schattengewächse wie Sterndolde oder Waldglockenblume. Der zur Terrasse hin liegende Bereich kriegt zwar nur am Morgen direktes Sonnenlicht, ist aber (denke ich) hell genug, um auch den üblichen Gartenbewohnern einen brauchbaren Platz zu bieten. Dort ist der Boden auch besser, da dieser Bereich ja bereits seit Jahren als Garten verwendet wird und deswegen schon oft Kompost auf- und Gestein abgetragen wurde.

Doch das kommt alles später! Zunächst wünschen sich nun meine neuen Kräuter ein neues Zuhause. Heute kam ein großes Paket von Rühlemann’s. Also genug geschwätzt – zurück in den Garten!

* Der Magnolunder besteht streng genommen aus mehreren Bäumen – Magnolie und Holunder nämlich – die derart untrennbar ineinander verwachsen sind, dass sie bei uns als ein einziger Baum gelten.

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4 Antworten zu “Erschließung eines neuen Gartenteils

  1. Da habt ihr ja ein spannendes Projekt! Wir hatten bislang meist Gärten mit Vorgeschichte, aber keine untragbaren. Am besten ist immer, dem Vorhandenen behutsam eine Weile nachzuspüren, ehe man zum Spaten greift. Brennesseln deuten immerhin auf fruchtbaren Boden hin, und sind -im Gegensatz zu vielen anderen Wildkräutern- recht einfach zu entfernen. Wünsche gutes Gelingen…und der Flechtzaun sind wirklich gut aus 🙂

    • Ach, untragbar würde ich das jetzt auch nicht nennen. Untragbar fände ich, den felsigen Streifen voller Brombeergestrüpp hinter der Scheune in einen Garten zu verwandeln, aber das habe ich (noch? ;)) gar nicht vor. Die Halde ist zwar eine Herausforderung, aber keine unmögliche – ich habe ja schon einige Ideen, wie ich damit umgehen kann. Letztlich hätte ich ja in den vergangenen Jahren auch gar nicht die Zeit gehabt, um dort viel anzustellen – aber jetzt, wo die erhöhten Rahmenbeete fast fertig sind, kann ich schon einmal anfangen, etwas Neues zu planen!
      Auf der Straßenseite des Flechtzauns, unterhalb der ersten Trockenmauer (wenn ich das krümelige Mergelgebilde überhaupt so nennen darf), dürfen die Brennnesseln auch gern weiter wachsen. Schließlich soll der Biotopcharakter der Halde ja nicht völlig verloren gehen! 🙂
      Danke für das Kompliment und die guten Überlegungen!

  2. Wirklich ein gelungenes Projekt. Für den Schatten kann ich noch Lungenkraut und Epimedium(fällt gerade Deutscher Name nicht ein…) empfehlen.
    Oder das Kaukasus-Vergissmeinnicht. 😊🌸
    Gute Nacht wünscht
    Mion 🌙

    • Lungenkraut wächst bei uns ganz viel wild, das muss ich gar nicht erst ansiedeln. Das Epimedium ist ja zauberhaft! Das kommt auf jeden Fall an die Ränder, wo man es schön sehen kann. Stimmt, Kaukasus-Vergissmeinnicht ist auch ein Klassiker für den Schatten. Ach, es gibt so viele Möglichkeiten!
      Einen schönen Tag,
      Christiane

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