Winter doch noch nicht adé

Ach, was haben wir uns alle vor einer Woche über die sommerlichen Temperaturen – sogar hier im Bergischen war es über 20°C warm! – gefreut! Kurz darauf gab es wieder Schneeregen, Hagel und Glatteis. Zum Glück waren ja alle empfindlichen Pflanzen noch im Haus bzw. die Freilandpflanzen noch nicht so hoch, dass der Hagel sie erschlagen

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Zu dieser Zeit würde ich ja lieber Kirschblüten als Schnee fallen sehen…

Nun bin ich gespannt, wie sich dieser „Rückfall“ auf die Natur auswirken wird. Steht alles auf Pause und springt sofort wieder in Gang, wenn es wärmer wird, was für dieses Wochenende ja zum Glück wieder angekündigt ist? Oder wird es wieder mal bis Juni dauern, bis der Garten sich davon erholt hat? Bevor das Aprilwetter sämtliche Extreme auslotete, hatte ich noch wohlgemut den Bienen die Honigräume aufgesetzt. Entgegen meinen Erfahrungen aus den Vorjahren waren sie diesmal tatsächlich schon am Limit. Entweder, der neue Standort ist eine enorme Verbesserung, oder die Völker haben vom milden Dezember profitiert, oder sie waren einfach generell besser drauf. Wie auch immer, es war schon Schwarmstimmung erkennbar, also habe ich schnell die Brutrahmen mit den (noch unverdeckelten) Weiselzellen entnommen und gleich zwei Fluglinge angelegt, um meine bescheidene Völkerzahl zu verdoppeln.

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Eingeengt…

Da zeigte sich auch gleich der Fehler in meiner genialen Planung, denn wohin mit den zusätzlichen Beuten? Haha. Zum Glück war das Laub im Flechtkasten schon soweit zusammengefallen, dass ich es teils in die Beete, teils in den Kompost einarbeiten konnte. Danach habe ich den Kasten abgebaut und in den Flechtzaun eingearbeitet, so dass hinter der Pflanzenkläranlage Platz für eine weitere Palette – und damit für zwei Beuten – war.

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Erweitert. Wie man sieht, habe ich es außerdem so gerade eben noch geschafft, das Schaumkraut aus der Pflanzenkläranlage zu entfernen, bevor das Schilf richtig wuchs.

Dabei zeigte sich mal wieder, dass das Problem immer hinter dem Kasten steht. Ich dachte wirklich, ich wäre sorgfältig gewesen, aber bei der nächsten Durchsicht fand ich in den alten Wirtschaftsvölkern lauter Nachschaffungszellen und in den Fluglingen lauter frisch bestiftete Brutzellen. Irgendwie habe ich es geschafft, bei BEIDEN Völkern die Königinnen zu übersehen und in die Fluglinge umzusiedeln. Nun füllen die großen Völker naturgemäß den Honig in den leer gewordenen Brutraum, während es bei den Jungvölkern ebenso naturgemäß keine Gelegenheit zur Milchsäurebehandlung geben wird, weil die brutfreie Zeit ja nun ausfällt. Was ich davon haben werde? Weniger Honig, mehr Milben, fürchte ich. Man wird sehen. Aber es könnte immer noch schlimmer sein – in Rösrath wurde ein Stand mit amerikanischer Faulbrut diagnostiziert. Dort ist nun Quarantänezone und die alten Imker im Verein sind schon ganz nervös, dass die ausgeweitet wird. Allerdings ist Rösrath noch ein ganzes Stück weg. Ich hoffe also, wir bleiben verschont.

(Wer übrigens Fragen zu dem ganzen Imkerlatein hat, der frage!)

Und sonst so? Alles mögliche. Aber die Arbeit ruft! Das muss also vorläufig reichen. Habt einen schönen – hoffentlich wärmeren – Tag!

 

 

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11 Antworten zu “Winter doch noch nicht adé

  1. Ich habe Fragen. Welche Beute meinst du. Was ist mit dem Wasser? Hast du Schaumkraut von den Beeten entfernt wegen den Bienen? Warum?

    • „Beute“ nennt man die Kisten, in denen die Bienen gehalten werden. Nein, das Schaumkraut habe ich nicht wegen der Bienen entfernt. Denen wäre das sicher egal gewesen, auch wenn ich nicht weiß, ob es für sie als Trachtpflanze interssant ist. Aber – und da kommen wir gleich zu deiner nächsten Frage – das ist gar kein Beet, sondern eben eine Pflanzenkläranlage. Die Pflanzenkläranlage ist Teil eines ausgeklügelten Abwassersystems. Unser Hof ist nicht an die städtischen Abwasserleitungen angeschlossen (bis vor ein paar Jahren gab es hier nur ein paar Bauernhöfe, die Ex-Mühle im Tal und die Reitanlage auf dem Berg). Als wir einzogen, gab es auf dem Gelände nur eine alte unterirdische Sickergrube. Dort gelangte nicht nur unser Abwasser, sondern auch das Wasser aus den Regenrinnen rein, also war das Ding ziemlich schnell voll und musste alle sechs Wochen ausgepumpt werden. Außerdem wussten wir nicht, wie stabil das überhaupt gebaut war – unsere Vorgänger haben ziemlich viel gepfuscht am Bau, und wenn die Sickergrube noch älter gewesen wäre (und damit vom Pfusch verschont), hätte der Beton ja wiederum schon mürbe werden können. Das war also immer ein gewisses Risiko – selbst wenn die Sickergrube nicht einstürzt, sondern nur ein bisschen in die Umgebung „leckt“, ist das am Rand des Naturschutzgebiets ein ziemliches Problem. Deshalb haben wir das Ganze dann recht aufwändig umbauen lassen – Abwasser geht nun in eine moderne Dreikammergrube, wo sich die festen Bestandteile absetzen, während die flüssigen Bestandteile in die Pflanzenkläranlage geleitet werden. Diese ist mit Kies gefüllt und mit Schilf bepflanzt, dessen Wurzeln (bzw. die Mikroorganismen an den Wurzeln) die ganzen Inhaltsstoffe der Flüssigkeit verwerten, so dass am Ende es Schilffeldes nur noch reines Wasser ankommt (wenn es nicht ohnehin schon über die Halme verdunstet ist). Dieses Wasser darf über ein Versickerungssystem wieder in den Boden abgegeben werden.
      Von behördlicher Seite heißt es, dass in der Pflanzenkläranlage nur und ausschließlich dieses Schilf wachsen darf. Sonst kippt im schlimmsten Falle das Biotop und der Klärvorgang funktioniert nicht mehr. (Sonst hätte ich mich ja längst mal im Reisanbau probiert! ;)) Die paar Büschel Schaumkraut und Löwenzahn reichen dafür zwar vermutlich nicht aus, aber das Schilffeld ist halt generell unkrautfrei zu halten – also musste ich das Schaumkraut entfernen, und zwar bevor das Schilf wieder richtig wächst, denn sonst beschädige ich das ja beim Betreten des Feldes. Aber keine Sorge, ich habe Pesto draus gemacht (also, aus dem Schaumkraut), es ist also nicht umsonst gestorben! 😉
      Entschuldige die langwierige Erklärung, ich hoffe, ich hab dich damit jetzt nicht erschlagen!

      • Danke für die tolle und Ausführliche Erklärung. Ich wusste nicht, dass diese Kläranlagen auch für Hausabwasser brauchbar sind. Ich finde dies super!!
        Dies ist ein tolles grüne Projekt. Könnte man, das Wasser auch wieder zu Trinkwasser aufbereiten mit solch natürlichen Mitteln. Oder habe ich dies falsch verstanden und nur euer Regenwasser sickert durch diese Grube?? Toll finde ich, dass du das Schaumkraut wiederverwertet hast. War es Wiesenschaukraut? Dies blüht immer so schön rosa. Ich versuche es schon seit 2 Jahren in meinem Garten anzusiedeln. Ich glaube es ist noch zu trocken. Aber bald ist alles ganz dicht bewachsen, dann bleibt alles feucht und das mag es ja.
        Zu den Bienen habe ich noch eine Frage: Habe ich richtig verstanden, dass sich Bienen in einer Saison, auf eine Pflanze spezialisieren??

    • Ich antworte jetzt mal hier, weil’s bei dem anderen Kommentar irgendwie nicht funktioniert!
      Du hast das völlig richtig verstanden, durch die Grube läuft das Hausabwasser. Das Regenwasser wird inzwischen in einer separaten Zisterne gesammelt und dann erst mal als Brauchwasser verwendet.
      Ob man das Wasser aus der Pflanzenkläranlage wieder zu Trinkwasser aufbereiten könnte, da scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Persönlich würde ich durchaus ja sagen, aber offiziell heißt es natürlich nein. Es darf aber eben der Natur wieder zugeführt werden. Deshalb gehe ich davon aus, dass man damit zumindest bedenkenlos kochen könnte, ggf. vielleicht vorher noch einmal gefiltert, um Schwebstoffe zu entfernen.
      Es war kein Wiesenschaumkraut, sondern Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), das nur unauffällig weiß blüht. Wiesenschaumkraut wächst bei uns aber auch in der Wiese, das gibt immer wunderschöne rosa Blütenwolken. Wir haben allerdings auch einen sehr lehmigen Boden, der das Wasser gut speichert, solange er bedeckt ist (was bei den Wiesen ja der Fall ist). Viel Glück bei deinen Ansiedelungsversuchen!
      Zur Bienenfrage: In der Tat bleiben Honigbienen einer Blüte, die sie einmal „geknackt“ haben, gern so lang wie möglich – also für die gesamte Blütezeit – treu. Das gilt allerdings erst einmal nur für jede einzelne Arbeiterin. Es kann also sein, dass ein Volk gleichzeitig mehrere Honigsorten einträgt, weil halt unterschiedliche Arbeiterinnen sich jeweils auf unterschiedliche Trachtpflanzen eingestellt haben. Das ist natürlich weniger wahrscheinlich, wenn die Bienen inmitten eines Rapsfeldes stehen (dann haben sie ja kaum eine Wahl, als den Raps anzufliegen!), als z.B. in meinem Garten, wo alles mögliche gleichzeitig blüht… 😉

      • Ich kenne Bitteres Schaumkraut. Dieses habe ich auch im Garten. Hab bisher noch nichts genaues dazu geschrieben ggf. In graumer Zukunft. 😉
        Ich verstehe nicht, warum Wiesenschaumkraut nicht wachsen mag. Gerade diese rosa Blütenwolken sind es, die mir so sehr gefallen. Bei mir ist der Boden immer gut beschattet, gut dieses Jahr noch mehr, hab den Garten ja Sommer 2014, recht brach übernommen. Haben Pö a Pö viel gepflanzt, auch Selbstgezogenes.
        Danke für dein Daumendrücken, vielleicht hilft es ja. Es stimmt bei mir fliegen viele Wildbienen Borretsch an. Er blühte zuerst. Senf wird noch nicht so favoritisiert, aber im Sommer stürzen sich alle auf ihn und Phacelia. Sieht man es den Waben an, von welcher Pflanze der Honig ist?

      • Wiesenschaumkraut habe ich schon als Kind sehr geliebt. Bei meinen Eltern im Garten wuchs es auch nicht – inzwischen tut es das lustigerweise, aber da hat sich auch viel getan. Damals war der Garten (Nordseite und dann noch ringsum von Blautannen eingerahmt!) vielleicht einfach zu duster. Auf dem Schulheimweg haben wir aber auf einer Wiese Unmengen Schaumkraut gepflückt. Inzwischen ist da auch ’ne Neubausiedlung… :/
        Den Waben sieht man das in manchen Fällen (vor dem Verdeckeln, also bevor die Bienen eine Wachskappe zum Versiegeln daraufpacken) tatsächlich an, aber nur bei sehr charakteristischen Konsistenzen (z.B. Heide oder Raps) bzw. Farben (z.B. Löwenzahn ist auch als honig knallig gelb, Phacelia fast weiß). Meistens kann man’s eher erriechen, etwa bei Löwenzahn, Linde, Lavendel, Honigtau, Buchweizen oder Kastanie, die alle ein ganz deutliches Aroma haben. Um es aber ganz genau zu wissen (bzw. um sicher zu gehen, dass es für einen „Sortenhonig“ reicht), müsste man seinen Honig aber chemisch analysieren lassen. Denn die Bienen mischen auch gnadenlos, denen ist das ja egal, ob sie da gerade Löwenzahn oder Kirsche oder Raps haben. Reinen Sortenhonig kriegt man deshalb ohnehin nur bei einem extrem großen Blühangebot bzw. in Monokulturen.
        Schon in der Wabe farblich auffällig sind aber die Pollen, die ja als Eiweißfutter für die Brut eingetragen werden – da reicht die Palette dann von blassgelb über dunkelgrün, blaugrau und lila bis zu rostbraun. So ein buntes Gartenblütenpollennnest sieht toll aus.
        Bei dir blüht schon der Borretsch? Wow, hier fängt der gerade erst an, größere Blätter auszubilden.

      • Danke für die Exkursion. Ich denke, ich werde nun mit noch mehr Genuss Honig essen. Und keinen Sortenreinen mehr…denn ich mag Monokultur nicht!! Lieber bunt und wild!! 🌸😊

      • Borretsch blüht schon seit einem Monat…😊 bei uns ist es immer wärmer…Region Rheinebene.🌸😉

      • Ah, da unten in der Dunstglocke 😉 Da seid ihr uns natürlich wirklich um Wochen voraus. Wobei hier in den letzten beiden Wochen auch ein großer Schub passiert ist, aber damit es so richtig losgeht, müsste es wohl erst mal wieder regnen. Im Moment hält alles ein bisschen den Atem an. Deswegen gehöre ich auch zu den Raritäten, die sich auf das angekündigte graue Regenwetter zu Pfingsten richtig freuen. 🙂

      • Ich habe auch nichts gegen Regen. Mit einmal Regen wächst alles schneller, wie mit 10 mal gießen. Und bei Regen ist meist niemand in der Gartenanlage. Frieden pur.😊

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