Der Schatz im Komposthaufen…

… bleibt mir verwehrt.

Denn ja, natürlich hoffe ich immer, wenn ich eine größere Buddelaktion starte, dass ich irgendetwas Schönes und Spannendes finde. Im Haus selber haben wir bei verschiedenen Renovieraktionen schließlich schon interessante Funde gemacht. So haben wir direkt zu Anfang in der Zwischendecke vom Dachboden eine Kiste mit alten (Negativ-)Fotos gefunden, die ältesten noch auf Glasplatten, die meisten dann auf Kunststofffolien. Irgendwann muss ich die noch mal scannen. Der Vorbesitzer, dessen Vorfahren auf den alten Bildern zu sehen waren, hatte kein Interesse daran, und so haben wir die Schachtel behalten. Etwas neuer war die Wehrmachtspistole, die wir in einem zugemauerten Kamin entdeckten. (Offensichtlich war der auch 1945 schon stillgelegt.) Die durften wir aber nicht behalten…

fund2017

Ich mag keine Schusswaffen, aber dass die Polizei das Museumsstück zerstören musste, tut mir trotzdem Leid.

Viel älter waren dann teils echt makabre Funde: mumifizierte Ratten und Katzen und seltsame Braunglasfläschchen, die mit einer unidentifizierbaren Flüssigkeit und einem rostigen Nagel gefüllt und einem Papierröllchen verschlossen waren. Damals dachten wir, das sei so eine Art antiker Brandsatz. Diese Dinge haben wir jedenfalls entsorgt – ich war zwar dagegen, konnte mich aber nicht durchsetzen (man sieht, ich habe generell ein Problem mit dem Zerstören bzw. Entsorgen von historischem Krams). Später erfuhr ich dann in einem Museumsethnologie-Seminar, dass man im England des 16. und 17. Jahrhunderts Häuser vor Hexen, Dämonen und Feuer geschützt hat, indem man an allen Öffnungen nach außen (Fenster, Türstürze, Kamine) Ablenkungen für besagte böse Einflüsse eingemauert hat: Tote Hunde oder Katzen, getragene Kleidungsstücke – oder kleine Fläschchen, die man mit Weihwasser, Urin und Nägeln füllte und mit einem Psalm versiegelte. Den Aberglauben hat es hier offensichtlich auch gegeben. Wann unser Haus gebaut wurde, wissen wir letztlich nicht, aber die Mühle im Tal wurde 1654 wieder aufgebaut (die ursprüngliche Mühle hatte den schwedischen Besuch nicht überlebt…) und vermutlich hat das Hauptgebäude hier oben eine ähnliche Historie. So haben wir also die schönen frühneuzeitlichen „Versicherungen“ unseres Hauses entfernt.

Na, jedenfalls könnte man meinen, bei so viel Historie wäre doch auch endlich mal ein Goldschatz drin! Stattdessen grabe ich im Komposthaufen nur Dinge aus, die ich gar nicht haben will.

kompost01

Überraschung: gebrannte Erde verrottet nicht.

Eigentlich wusste ich ja seit Jahren, dass im Kompost jede Menge Scherben steckten. Schließlich tauchten immer wieder welche auf, wenn ich den Haufen umgesetzt habe. „Irgendwann“ würde ich den mal bis auf den Grund ausbuddeln und alle Steine, Scherben und rostigen Nägel und Plastikfetzen rausholen, und dann! dann! dann könnte man endlich mal sauber neu beginnen. In meiner Naivität dachte ich, bei den Scherben handelte es sich um eine Art primitive Drainage, die die Vorgänger unserer Vorgänger dereinst angelegt hatten, um den vielen bergischen Regen abzuleiten, der sonst den Kompost vielleicht zum Modern gebracht hätte. Die Nägel und Plastikfetzen waren in diesem Modell dann eher auf unfähige Komposthaufennutzer zurückzuführen, die z.B. die Scheune oder den Kachelofen auskehrten und dann das gesamte Ergebnis auf den Kompost warfen.

Egal – nun war „irgendwann“ tatsächlich gekommen: Durch die vielen Rahmenbeete und das Experiment Kartoffelpyramide brauchte ich mehr Erde, als das oberflächliche Schürfen im Kompost hergab. Ich machte mich also wohlgemut ans Buddeln. Und kurz darauf ans Fluchen. Denn die Scherben hörten einfach nicht auf. Ganz klar, das war keine Drainageschicht mehr, das war illegale Bauschuttentsorgung.

Man muss dazu zwei Sachen wissen: 1. der Vorbesitzer des Hauses war Bauunternehmer. 2. als wir damals die Pflanzenkläranlage angelegt haben, mussten wir eine saftige Kompensationsgebühr in die Umweltkasse zahlen, weil wir ja in das natürliche Bodengefüge und die Topographie des Geländes eingriffen. Fanden wir da schon unangemessen, aber tu was dagegen…

Nun zeigte sich (wieder einmal), dass Topographie und Bodengefüge im Wesentlichen aus 80er-Jahre-Bauschutt bestand. Ich hatte gehofft, jenseits der Komposthaufenmauer wäre das besser, aber nein, da isses sogar noch schlimmer. Die Scherben – alte Fliesen, Dach- und Mauerziegel und ausgehärtete Betonreste – bilden eine Schicht von über einem Meter. So tief kann ich gar nicht graben, ohne unter der Mauer zu landen (und ohne die Topographie wesentlich zu verändern, haha)!

Und es handelt sich nicht nur um Tonziegelscherben, die man ja ggf. noch für Wege oder eben als Drainage verwenden könnte. Das ginge ja noch. Nein, es kamen noch mehr Scheußlichkeiten zu Tage.

kompost02

Ich hatte eigentlich eher auf Münzen aus dem Mittelalter gehofft…

Spraydosen, Plastikfolien, Plastikleerrohre und – besonders fein – Wellasbest! Ja, das will ich im Kompost haben! Herr Eifgental mutmaßt gar, bei den Folien könnte es sich um Ölabscheidefolien handeln, an denen man folglich besser gar nicht erst wackelt, um nicht den ganzen Hang zu verseuchen. Ich überlege derweil, ob ich mal recherchieren sollte, ob in den 80ern mal ein Gutachter der Baubehörde oder des Umweltamts spurlos verschwunden ist…

So oder so habe ich inzwischen einen intensiven Hass auf unseren Vorbesitzer. Natürlich bringt das nix, aber man wünscht sich ja doch, den Herrn packen zu können und ihn zu zwingen, den ganzen Mist auf seine Kosten zu entsorgen. Vielleicht noch mit einer netten Anzeige, schließlich wohnen wir offiziell schon im Landschaftsschutzgebiet. Stattdessen dürften die Kosten an uns hängen bleiben. Ich werde zwar zumindest für die Scherben mal Bauschutttauschbörsen anschauen, aber ich mache mir da nicht viel Hoffnung.

Und Erde muss ich wohl auch hinzukaufen. Denn auf mein Gemüse werfen möchte ich die Krümel da oben sicher nicht.

Da möchte man nur mit dem Faultier Sid sprechen: Menschen. Sind. Widerlich!

Advertisements

6 Antworten zu “Der Schatz im Komposthaufen…

  1. Das hört sich ja wirklich gruselig an. Eine alte Waffe im Kamin, tote Katzen in Ritzen…und im Garten ein Schutthaufen mit Asbest.
    Du tust mir wirklich leid. Wenn du eine gute Rechtschutz-Versicherung hast würde ich klären, ob sich ein Kampf gegen den Vormieter lohnen würde und dann da gegen angehen. Denn auf diesen Kosten möchte man doch nicht alleine Sitzen bleiben.

    Alles Gute und Gesundheit wünscht
    Mion

    • Seit wir wissen, dass die Katze da nicht irgendwann mal reingekrochen und elend verendet ist, ist das ja zum Glück etwas weniger gruselig. Aber ja, der Schutthaufen ärgert mich sehr. Wir werden uns da mal unverbindlich beraten lassen, aber ich mach mir erst mal keine zu großen Hoffnungen. Dann kann ich mich immer noch positiv überraschen lassen!
      Danke für die lieben Wünsche!

  2. Uff, ich fühle mit euch. Ähnliche Funde gab es hier auch. Da wo der alte Stall begraben liegt, buddele ich aber natürlich so selten wie möglich. Auf der anderen Seite liegt auch noch ein altes Gebäude, aber da ist Hofpflaster drüber und bleibt auch. So eine fette, seltsame Folie habe ich auch mal ausgegraben, daneben lagen Schweineknochen. Also … ich habe beschlossen, dass es Schweineknochen sind weil sie auch zersägt waren. Jetzt wo ich von dem möglicherweise, spekulativ verschollenen Typen lese komme ich mir etwas naiv vor.
    Ich würde, wie Mion schon anregte, aber auch mal prüfen, ob ihr noch innerhalb der Fristen seid, sowas anzuzeigen. Asbest und Sprühflaschen sind einfach widerlich.
    Mitfühlende Grüße von Oli
    Ach, P.S.: die Inhaberin von Waffen-Schrum erzählte mir mal, dass man antike Waffen neu eintragen und anmelden könne. Wenn sie endgültig stillgelegt sind, kann man sie doch sogar als Andenken behalten??

    • Ach, wahrscheinlich hast du ja mit den Schweineknochen recht und ich hab bloß zu viele schlechte Filme geschaut. 😉 Es tröstet mich aber doch, dass es euch ähnlich geht – auch wenn mir das für euch persönlich natürlich Leid tut!
      Wir werden uns mal beraten lassen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da Erfolgsaussichten haben. Aber mal schauen, vielleicht bin ich ja auch mal zu pessimistisch.
      Zum PS: Grundsätzlich ja. Das Anmelden ist allerdings nicht so einfach, weil man erst ein Bedürfnis nachweisen muss, und zwar wohl als Sammler, weil die sportlich nicht relevant ist. Für eine einzelne kriegt man aber keinen Sammelschein.Die offizielle Stilllegung wiederum, die ja durch einen Büchsenmacher vorgenommen werden muss und dann noch amtlich abgenommen werden soll, war uns damals zu teuer. Davon abgesehen war die Pistole ja mit diesem hässlichen Symbol gestempelt, da landet man dann auch schnell in der falschen Ecke, wenn man so etwas „sammelt“.

      • Ach ja stimmt, das hatte ich ausser Acht gelassen. Für mich war das eher ein Stück gelebte Geschichte des Hauses. Naiv halt.:)

  3. Pingback: Garten-Rundgang Mitte Oktober | BergBlog·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s