Pflanze nie vor der kalten Sophie

In diesem Jahr kollidierte Pfingsten mit den Eisheiligen, sehr zum Kummer derjenigen, die ihre freien Tage durch nass-kaltes Wetter abgewertet sahen. Nach der zweiwöchigen Hitze- und noch längeren Trockenperiode habe ich mich eigentlich eher über die Wettervorhersage gefreut, die dann aber ausgerechnet in unserer Region nur zur Hälfte wahr wurde. Anstelle des versprochenen Dauerregens bekamen wir ein paar klitzekleine Schauer, die nicht einmal ausreichten, um die Erdoberfläche zu befeuchten. Selbst der etwas stärkere Regen heute hat kaum die oberste Schicht erreicht. Die Eisheiligen waren in diesem Jahr aber tatsächlich beinahe eisig, wir hatten hier nachts teils nur noch 3°C. Herr Eifgental, der sich am Alpenrand herumgetrieben hat, kam sogar in den „Genuss“ eines Schneesturms. Hier zuhause blieb aber auch diese Form von Niederschlag aus.

Immerhin ist der Himmel aber bedeckt. Die Temperaturen gehen nun wieder aufwärts. Da die „kalte Sophie“ nun vorbei ist, wäre nun laut Bauernregeln auch nicht mehr mit Frost zu rechnen. Allerdings lernte ich neulich, dass mit der gregorianischen Kalenderreform der Termin (nicht aber das Wetterphänomen…) nach vorne gerutscht ist, so dass man eigentlich bis zum 23. Mai warten müsste. Trotzdem habe ich nun die Pflanzen, die seit dem letzten Herbst im Haus ausharren mussten, auf die Terrasse umgesiedelt. Schließlich ist das aktuelle Wetter ideal, um sie wieder an echtes Tageslicht zu gewöhnen, bevor die Sommersonne lacht. Im letzten Jahr habe ich das nicht berücksichtigt. Habt ihr mal eine Bananenstaude mit Sonnenbrand gesehen? Kein glücklicher Anblick.

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Die Fenster in diesen alten Bauernhäusern sind eindeutig nicht auf die Überwinterung von Tropenpflanzen ausgelegt.

Nun stehen meine Exoten endlich wieder im Freien und erholen sich hoffentlich von den weniger als optimalen Überwinterungsverhältnissen. Vom Chaos auf der Terrasse, das dadurch entstanden ist, habe ich mal kein Foto gemacht. Wenn ich in den nächsten Tagen dazu komme, ein Regal aufzubauen, die Tomaten umzutopfen und das Ganze irgendwie ästhetischer zu gestalten, liefere ich das möglicherweise noch nach. Sollte es in der kommenden Woche noch einmal Frostwarnung geben, muss ich sie halt nochmal reinschleppen. Immerhin können sie sich schon einmal an UV-Strahlen gewöhnen.

Außerdem habe ich es gewagt, die vorgezogenen Kürbispflanzen „auszusetzen“. Die Beete dafür sind mittlerweile fertig, sogar rudimentäre Rankgerüste konnte ich bauen. Mit tatkräftiger Hilfe des Großen, der viele Stöcke dazu beigetragen hat. Das Vorziehen ist allerdings nur teilweise gelungen. Die russischen Gurken sind (bisher?) gar nicht gekeimt, auch Flaschenkürbis und „Futsu Black Rinded“ haben mich im Stich gelassen. Dafür keimt in einem der Kartoffelbeete ungeplant etwas sehr cucurbitös Aussehendes.

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Überraschung! So viel zu der Behauptung, die Hitze im Komposthaufen reiche aus, um Samen zu sterilisieren.

Den Samenresten zufolge handelt es sich um Hokkaidô-Kürbis, was mir gut in den Kram passt. Denn Hokkaidô gehört zur gleichen Art wie Futsu und zu einer anderen als meine übrigen Kürbisgewächse, so dass ich ihn wachsen lassen kann, ohne Verkreuzungen zu befürchten. Futsu ist schließlich ausgefallen. So bleibt mein genialer Plan intakt.Wenn die kleinen Hokkaidôs etwas größer sind, siedle ich sie dann in ein Kürbisbeet um, sonst wird die Nährstoffkonkurrenz zu groß. Außerdem brauche ich den Platz ja für die Kartoffelpyramide.

Der auf natürliche Weise gekeimte Hokkaidô ist in etwa genauso weit wie die Salatgurke „Weiße Lange“, deren Saatgut ich zum Geburtstag geschenkt bekommen und als Ersatz für die „Russische“ gezogen habe. Ein Hoch auf das zuverlässige Dreschflegel-Saatgut, denn die „Weiße Langen“ sind brav und schnell gekeimt. Man fragt sich allerdings im Vergleich schon, ob es bei solchen Ergebnissen überhaupt Sinn macht, die Fensterbänke im Haus vollzustopfen.

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Ich will mal eine große starke Freilandgurke werden.

Andererseits sind die Gewächse, die tatsächlich zum geplanten Termin gekeimt sind, nun wirklich schon weit voraus und zeigen sogar schon Blütenansätze. Wenn sie also das Auspflanzen nun gut verkraften und schön weiterwachsen, lohnt sich die Vorzieherei wahrscheinlich schon. Vorausgesetzt, das Saatgut stimmt.

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Die Ölzucchini gibt Anlass zur Hoffnung.

Aber natürlich ist Kürbisanbau hier sowieso immer ein Glücksspiel. Geographisch gesehen sind wir zwar direkt neben der milden rheinischen Tiefebene, auch die paar Höhenmeter wirken auf den ersten Blick nicht dramatisch. Trotzdem fühlt es sich manchmal an, als wären wir in einer komplett anderen Klimazone. Das kann auch angenehm sein – bei uns ist die Chance auf „echten“ Winter höher und der Smog sammelt sich natürlich eher da unten – aber den Gartenbau macht es schon schwerer.

Ein Trost immerhin: Die Eisheiligen kennt man sogar im vermeintlich viel wärmeren Frankreich. Dort stieß ich in den (übrigens sehr sehenswerten) Gärten des Chateau de la Roche-Jagu auf die passende Bauernregel.

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„Vor St. Servatius, nahezu Sommer. Nach St. Servatius, kein Frost mehr.“

Servatius ist nur zwei Tage vor der kalten Sophie. Na also, so unterschiedlich ist unser Klima doch nicht!

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6 Antworten zu “Pflanze nie vor der kalten Sophie

  1. Bis zum 23. Mai kann ich nicht warten, auf keinen Fall, dann schleppe ich lieber Schutzdecken, Netze, Gläser und andere Überzieher nach draussen. 🙂
    Aber ich glaube schon, dass die andere Berechnung hinkommt (sah sowas auch mal in einem Film über alte Bauernregeln und warum die heute nicht mehr so hinhauen), kann mich an Jahre erinnern, wo es nach den ‚offiziellen‘ Eisheiligen noch Nachtfrost gab.
    Ich habe dieses Jahr auch überlegt, ob ich immer soviele Pflanzen vorziehen muss. Im ersten Jahr hier hab eich fast alles direkt gesät und wir sind auch satt geworden. Vermutlich wird es nächstes Jahr auf einen Test hinauslaufen. Vorgezogen und direkt gesät im direkten Vergleich ist sicher spannend – vor allem auch, was die Widerstandsfähigkeit später angeht.
    LG Oli

    • Geht mir genauso. Außerdem kann einen dann ja immer noch die Schafskälte erwischen. 😛 Irgendwann muss es ja mal richtig losgehen!
      Vom „satt werden“ kann ich ja wirklich noch nicht sprechen, aber ich finde es sehr interessant, dass du auch den Eindruck hast, dass das Vorziehen nicht immer Sinn macht. Dazu sollte man wirklich mal eine Versuchsreihe starten. Wahrscheinlich hängt es aber auch schwer davon ab, ob man verschiedene Sachen anbaut oder auf eine Kultur setzt. Wenn ich nur Brokkoli habe, dann muss der natürlich so früh wie irgend möglich erntereif sein. Wenn ich dagegen viele unterschiedliche Gemüse anbaue, muss der Brokkoli nicht gerade dann reif sein, wenn mir die Erbsen um die Ohren wachsen… 😉 So ganz platt gesprochen.
      Liebe Grüße zurück!

  2. Stimmt. Einen Test plane ich für nächstes Jahr definitiv sofern ich dann nicht unvorhergesehen noch weniger Zeit habe. Ansonsten schreibe ich jetzt erstmal in Kladde, also nagel mich nicht drauf fest. 😉
    Irgendwas zur verfrühung muss/sollte man sich hier schon einfallen lassen weil es ein Jammerklima ist. Auch wenn wir recht viele Kulturen anbauen (welche kannst du ja bei mir in der Übersicht nachschlagen). Bei mir tauchen verschiedene Probleme auf: es kostet wahnsinnig viel zeit alles (also wirklich fast alles) vorzuziehen, auf dauer nervt es, wenn komplett sämtliche Fensterbänke voll sind, die vorgezogenen Pflanzen abzuhärten also hin- und herzuschleppen schaffe ich nicht immer, manchmal stehen die Zöglinge noch ewig herum wenn sie eigentlich schon längst raus müssten weil mir schlicht die Zeit fehlt. Das ist lächerlich weil es am Ende ja gar nicht so lange dauert, ist in der Praxis aber so.
    Fazit: Direktsaat ins Beet mit Schutz dort!?
    Leider sind die Cloches, die man früher in den Küchengärten hatte ja abartig teuer und die Schneckenkrägen mit Treibhausdeckel die ich habe zu niedrig, aber sowas in der Art wäre wohl die Lösung.
    Ich orientiere mich ja gerne an den Küchengärten der alten Herrenhäuser und Schlösser weil unsere Ansprüche was Kulturen und Verfrühung angeht ähnlich sind. Meine Nachbarin, eine alte Bäuerin z.B. macht ganz traditionell nur Direktsaat, fängt dann halt später an und zieht nur Pflanzen, bei denen sich das lohnt weil sie das früher schon so in ihren arbeitsreichen Alltag integrieren musste, dass es passt.
    Lange Rede – und ich denke, da werde ich noch einiges zu schreiben irgendwann mal und hin- und her drüber nachdenken. 🙂
    Nu aber ab an den zweiten Ort meiner Bestimmung, den Herd.
    Liebe Grüße!

    • Ja, die Zeit, ein leidiges Thema. Kenne ich sehr gut. In den Herrenhäusern hatte man es da natürlich einfacher, die hatten dafür Personal.
      Mein Traum ist ja, auf Dauer alle Beete auf flexiblen Frühbeeteinsatz umzurüsten (also, jedes Beet kann, wenn nötig, als warmes Frühbeet verwendet werden), aber allein wegen der Abdeckungen wird das wohl noch sehr, sehr lange dauern. Falls es je passiert.
      Ich nagle dich nicht darauf fest, freue mich aber trotzdem auf weitere Erfahrungen und Gedanken!
      Koch was Feines,
      Christiane

      • Kennst Du diese Reihe? https://en.wikipedia.org/wiki/The_Victorian_Kitchen_Garden
        Absolut sehenswert! Die gegen durch jeden Monat und erzählen und zeigen, was da früher in den Küchengärten der Herrenhäuser anlag. Stimmt schon, die hatten massig Personal, abgefahren viel. Zumindest ich konnte mir aber viel Inspiration mitnehmen.

        Meine Gartenbekannte hat etliche Halbhochbeete im Garten und dann aus Latten gezimmerte Frühbeethauben dafür. Jeweils nur halbe Länge damit sie es als ältere Frau noch heben kann – einfach, unheimlich nützlich und ich ärgere mich jetzt beim Schreiben schon wieder, dass wir sowas noch nicht haben und unsere Hochbeete nicht alle die gleichen Maße haben. Ist man ambitioniert oder ein Zimmererkünstler kann man diese Hauben ja auch wirklich chic bauen, in dem oben genannten Film gibt es auch dafür Inspiration. Ach ja, erstmal Zeit finden das überhaupt mal wieder zu gucken und dann peu a peu umsetzen kostet mich wohl schon Jahre. 🙂

        Liebe Grüße und einen erfüllenden Tag!
        Oli

      • Kannte ich noch nicht, danke für die Empfehlung! Hört sich wirklich gut an und BBC-Dokus sind ja meistens sowieso klasse. Ich schau jetzt ganz bewusst nicht weiter rein, sonst ist der Tat dahin 😉
        Ja, meine Rahmenbeete sind leider auch nicht völlig einheitlich, ging wegen der schrägen Form des Küchengartens auch gar nicht. Aber ich hab immer gehofft, das irgendwie in den Griff zu kriegen. Wenn man handwerklich talentiert ist, kann man da sicher tolle Hauben bauen, womöglich sogar noch mit Solarheizung… aber das ist dann schon höhere Kunst! Ich wollte für den Anfang einfach mit durchsichtigen Plastikboxen arbeiten, aber nachdem mir die alten jetzt nach einem Winter (*hüstel*) im Freien einfach zerbröselt sind, bin ich von der Idee erst mal geheilt. Wenn wir irgendwann (TM) mal das Geld haben, um die Wände neu zu dämmen, sollen auch die Fenster ausgetauscht werden – dann gibt’s genug Baumaterial für die Frühbeetabdeckungen. Oder für ein Windfang-Gewächshaus, ich habe mich da noch nicht ganz entschieden. Aber momentan ist das ja ohnehin alles Zukunftsmusik.
        Dir auch liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende!

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