Geliebte Akelei

Eigentlich liebe ich wahnsinnig viele Blumen und kann mich gar nicht für eine Lieblingsblume entscheiden. Wenn ich mich aber doch auf einen Liebling festlegen müsste, so fiele meine Wahl auf die Akelei. Schon als Kind hat mich der filigrane Blütenaufbau und die Farbenvielfalt fasziniert. Im eher schattigen und sauren Garten meiner Eltern gehörten die Akeleien zu den wenigen Blumen, die alljährlich zuverlässig blüten. Die zarten, wie aus Papier gefalteten Blütenköpfe tanzten an ihren langen Stängeln und überraschten mit immer neuen Schattierungen von rosa, blau oder violett, gerne auch mit weiß gemischt. Rein weiße oder gar gelbe Akeleien lernte ich hingegen erst als Erwachsene kennen.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Akelei in meinem eigenen Garten angesiedelt hatte. Vielfache Saatversuche gingen (wie so oft) nicht auf. Meine Mutter steuerte dann einige Pflänzchen bei, die ich in meinem Garten auspflanzte. Sie blühten und – oh Glück! – sie kamen wieder und vermehrten sich. Inzwischen nicken auch bei mir im Mai und Juni die anmutigen Blüten mit den lustigen Spornen in den verschiedensten Farbkombinationen. Weil es so schwer war, sie vom Bleiben zu überzeugen, aber vor allem eben auch, weil ich Akeleien so liebe, konnte ich mich auch nicht entscheiden, sie aus dem Bereich zu entfernen, in dem ich sie ursprünglich angesiedelt habe. Dort ist zwar mittlerweile eigentlich das Beet für Tee- und Heilkräuter, doch ich kann meine geliebte Akelei trotzdem nicht von dort vertreiben. Offiziell rechtfertige ich das damit, dass Akelei in der Vergangenheit, u.a. bei Hildegard von Bingen, noch als Heilpflanze verwendet wurde. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich dieser zauberhaften Blume einfach total verfallen.

akelei04

Zum Glück mögen die Bienen sie auch. Noch ein Grund, ihr weiterhin viel Platz im Garten zuzugestehen.

Nun kam ich in diesem Jahr aus dem einen und anderen Grund nicht dazu, die Akeleienzeit vollauf zu genießen. Sie fingen an zu blühen, der Mai verging und nun sind sie zum größten Teil schon verblüht, bevor ich auch nur Zeit hatte, sie so richtig zu würdigen. Eine Schande! Doch die Zeit lässt sich eben nicht zurückdrehen.

Zum Glück haben Akeleien aber nicht nur zauberhafte Blüten, sondern auch attraktive Fruchtstände, die sich mit ihren stabilen Stängeln ganz wunderbar für Gestecke und Kränze eignen. Und so nutzte ich gestern eine Regenpause, um die verblühten Akeleien teilweise zurückzuschneiden. Aus ein paar jungen Zweigen des Mandelbäumchens, das ohnehin viel zu weit ausschlägt, formte ich einen Kranzrohling und mit Paketband wurden dann die Akeleisträußlein daran festgebunden. Schnell, einfach, effektiv.

akelei01

Geht natürlich auch mit Draht und einem „richtigen“ Kranzrohling.

Zunächst ziehen die starren Stiele den Kranz ziemlich aus der Form, aber das gleicht sich (mehr oder weniger) aus, wenn man einmal ganz herum ist. Das fertige Oval ließ sich recht gut zum Kreis zusammendrücken, auch wenn die Schwerkraft es nach dem Aufhängen natürlich wieder aus der Form zieht. Da die Akelei giftverdächtig ist und bei empfindlichen Personen die Haut stark reizen kann, sollte man bei der Verarbeitung Handschuhe tragen.

Erfahrungsgemäß reifen die Samen, die aus den unreifen Fruchtständen fallen, bei entsprechender Witterung problemlos nach. Auch am Kranz selber können die Fruchtstände noch reifen. Mit einem solchen Kranz verbreitet man Akeleien also leicht direkt vor der Haustür oder auch dort, wo man ihn gebastelt hat, in unserem Fall also auf der Terrasse. Das macht mir nichts aus, da ich – wie gesagt – der Akelei rettungslos verfallen bin. Wer sie jedoch weniger liebt, der ist hiermit vorgewarnt: Die Nachahmung dieser Bastelarbeit kann zu einer ungeplanten Akeleienschwemme führen…

akelei02

Die Form ist nicht perfekt und passt damit gut zum Haus. Das ist Absicht! 😉

 

Advertisements

6 Antworten zu “Geliebte Akelei

  1. Also erstmal bin ich ja davon überzeugt, dass Akeleien Elfenblumen sind. Wichtig also. 😉
    Und dein Kranz ist so toll! was für eine schöne Idee, die ausgeblühten Akeleien dafür zu benutzen. Ansonsten ist Deine Geschichte meiner sehr ähnlich: gescheiterte Aussaatversuche, dann an meinem alten Wohnort adulte Pflanzen ausgebuddelt (natürlich wuchsen die bevorzugt in Fugen, also Natursteinplatten gelockert, aufgenommen, ungefähr einen geschätzten halben Meter tief gegraben bis ich die Pfahlwurzel mehr oder minder unbeschädigt gerettet hatte) dann nach Deutschland importiert, nochmal eine Pflanze dazugekauft … und jetzt läuft es so einigermassen. Und ich freue mich über jede einzelne Pflanze, die irgendwo erscheint, aber es könnten durchaus noch mehr sein.

    • Das sowieso! Und deine Akeleiengeschichte klingt wirklich sehr vertraut. Wobei ich mich inzwischen nicht mehr beklagen muss, dass es zu wenige sind. Dieses Jahr war zwar weniger üppig als letztes, aber das liegt auch daran, dass ich im letzten Jahr viele kleine Akeleien umgesiedelt habe in den Staudenhang. Dadurch hat sich die Pracht natürlich verteilt, statt an einem Ort so richtig aufzufallen. Aber auf Dauer verbreiten sie sich bestimmt wieder weiter und irgendwann ist dann das ganze Haus inmitten einer Akeleienwolke. Haaaach!

      • Na, das wär‘ was. Dazu noch Fingerhut und Glockenblumen, Holunder sowieso und fertig ist der Elfengarten. 🙂

        Wenn Du soviele Fruchtstände für Kränze benutzen kannst muss Deine Plantage ja mittlerweile sehr reichhaltig sein, ich bin also guter Hoffnung, dass ich es den Akeleien auch noch schmackhafter machen kann hier. Ich verteidige sie derzeit sogar dort, wo sie eigentlich im Weg sind und pöble notfalls auch den Gatten an, wenn er rupfen will. 😀

      • Hmm, da bringst du mich auf eine Idee für den „Schattengarten“… (Holunder und Fingerhut wachsen da eh, Glockenblumen und Akelei siedle ich da gerade an… ach, Elfengarten klingt sowieso viel schöner als Schattengarten!)
        Deine Akeleien etablieren sich sicher auch noch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s