Porree x Etagenzwiebel?

Schon länger reckten sich die ersten Porreeblütenspitzen in den Himmel, nun hat sich die erste geöffnet und sieht… gar seltsam aus.

Denn wo sonst üppige weiße Blütenbälle aufpuffen, zeigt sich bei dieser zwischen nur eng sitzenden, klitzekleinen Einzelblüten ein Gewirr von Mini-Porrees. Ja: Die Blüte trägt bereits vollständige Nachwuchspflanzen in sich!

Ein solches Phänomen kennt man von der Luftetagenzwiebel und in schwächerer Form vom Knoblauch/Weinberglauch, aber vom Porree war es mir bislang unbekannt. Auch im Nachschlagewerk meines Vertrauens (Handbuch Samengärtnerei) findet sich kein Vermerk in diese Richtung.

allium_porrum

Der Lauch von Welt trägt in diesem Jahr eine freche Stachelfrisur.

Nun halte ich es grundsätzlich natürlich für denkbar, dass ein Vorfahre dieses Porrees ein pollinatorisches Techtelmechtel mit einem Brutzwiebeln bildenden Verwandten der Gattung Allium eingegangen ist, was erklären würde, wie diese porreefremde Eigenschaft in die Nachkommenschaft eingegangen ist. Nur: Knoblauch blüht zwar gelegentlich (unter Stress), aber „meistens“ (sagt das Handbuch Samengärtnerei) steril. Und mit einer sterilen Blüte lässt es sich ja nicht vermehren. Etagenzwiebeln wiederum sind ohnehin nur vegetativ vermehrbar, und da es sich dabei bekanntlich um eine natürliche Form des Klonens handelt, kann sich da nichts kreuzen. Bekannt sind gelegentliche Kreuzungen zwischen Porree und Perlzwiebel – selten, weil auch die Perlzwiebel (wenn überhaupt) meistens steril blüht, aber immerhin – doch habe ich nichts finden können, was darauf hinweist, dass Perlzwiebeln „überirdische“ Brutzwiebeln ausbilden. Knoblauch wiederum ist weniger eng mit Porree verwandt, können die sich überhaupt vermehren und wenn ja, sind die Nachkommen dann furchtbar?

Was habe ich hier also? Bin ich mal einem Hybridlauch aufgesessen? Hat doch mal ein Knoblauch fertil geblüht und sich still und heimlich mit dem letztjährigen Lauch vermählt? Gibt es eine evolutionäre Zwischenstufe zwischen Porree und Etagenzwiebel? Oder handelt es sich um eine spontane Mutation?

Wie auch immer: Die Neugierde hat mich gepackt! Also werden die Brutzwiebeln bei Gelegenheit (wenn sie etwas kräftiger geworden sind ;)) eingepflanzt, und dann schaue ich mal, wie sie gedeihen. Vielleicht sind sie ja auf Dauer gar nicht lebensfähig. Oder sie wachsen, schmecken aber doof. Oder sie sind ihrerseits steril. Aber vielleicht sind sie ja auch eine tolle neue Porree-Art für Gärtner, die mit Saatgut immer so ihre Kämpfe haben? 😉

Platz habe ich jedenfalls jede Menge dafür. Denn die anderen Zwiebelbeete sehen verheerend aus. Die Wühlmäuse mögen meine geliebten süßlichen Zwiebeln offenbar auch sehr und haben sowohl die roten als auch die bretonischen Küchenzwiebeln vollständig vernichtet.

allium_cepa

Die Stängel steckten lose in der Erde, darunter waren keine Knollen mehr. Oben links sieht man ein Luftloch der Übeltäter. Der Fraß am Zwiebellaub stammt hingegen von Schnecken.

Bei den Schalotten waren immerhin noch drei „Zwiebelnester“ (von 15!) zu retten – eigentlich hätte ich sie noch ein paar Wochen in der Erde gelassen, aber nun habe ich sie vorsichtshalber ausgegraben. Zum Essen sind sie eigentlich noch zu klein, aber als Steckzwiebeln sind sie schon gut geeignet. Es ist zum Heulen. Die bretonischen rosa Zwiebeln hatten wenigstens schon Blüten angesetzt, die zwar noch nicht aufgegangen sind, aber ich hoffe, dass ich sie vielleicht in der Vase noch zum Blühen animieren kann, um vielleicht Saatgut gewinnen zu können. Die zwischen den Zwiebeln gesäten Möhren sind sowieso schon vor langer Zeit draufgegangen, aber da könnten’s ebenso gut die Schnecken gewesen sein.

Es rächt sich jedenfalls, dass ich beim Anlegen der Rahmenbeete zu bequem/geizig (sowohl als auch) war, um auch gleich Wühlmausgitter einzulegen. Das werde ich nun nachholen müssen. Angefangen zwangsläufig bei den Zwiebelbeeten, die nun ja eh weitestgehend leer sind. Nur das Porree-Beet hat (bisher) überlebt. Die nächste große Anschaffung wird jedenfalls Volierendraht sein, um daraus Käfige in die Rahmenbeete zu setzen. Und dann… und DANN… werden wir sehen, ob’s was bringt. 😛 Zumindest ist dann wie gesagt viel Platz für diese rätselhafte neue Spielart des Lauchs, die bei der Gelegenheit auch gleich ihre Winterhärte beweisen kann. Es bleibt spannend.

Spannend ist natürlich auch die Frage, ob sich dieses seltsame Schauspiel bei den anderen Porreeblüten wiederholt oder ob sie ganz normal blühen! Das wird sich ja in den nächsten Wochen zeigen. Bleiben Sie dran. 😉

allium_porrum_schnecke

So kennen und lieben wir die Lauchblüte aus dem vergangenen Jahr.

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5 Antworten zu “Porree x Etagenzwiebel?

    • Sollten die Lauchmutanten sich in der Praxis bewähren, darfst du auf jeden Fall welche haben. Möglicherweise spekuliere ich im Austausch allerdings auf Herbsthimbeeren… 😉

      • Sehr gerne, die Himbeeren wachsen mir über den Kopf und wurzeln überall, wo sie etwas Substrat erahnen. Da könnte ich einige Meter abgeben. 😀

      • Ja, so sind sie… aber ich habe halt bisher nur Sommerhimbeeren (und da auch nur wilde mit winzigen, wenngleich aromatischen Früchten), deshalb bin ich trotzdem bereit, mir noch mehr von den Biestern zuzulegen, Hauptsache, die Erntesaison wird verlängert. 😀

  1. Pingback: Der Gemüsegarten 2017 (und ’16) | BergBlog·

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