Überraschungen im Bienenstock

Die Tage werden (zum Glück bislang unmerklich) kürzer. Damit beginnt auch der Schwarmtrieb der Bienen langsam abzunehmen. Theoretisch. Praktisch sollte man sich darauf natürlich nicht verlassen und weiterhin im wöchentlichen Rhythmus Schwarmkontrollen durchführen. Normalerweise ist es mir dabei zu blöd, mit der Kamera rumzufummeln, aber diesmal hatte ich sie doch mal dabei. Prompt entdeckte ich einige Missstände und fühlte mich irgendwie verpflichtet, diese zu dokumentieren, man soll ja ehrlich sein…

Fangen wir von vorne an, nämlich mit dem Anheben der Blechdeckel. Darunter befindet sich ein Innendeckel aus Holz. In zwei von vier Völkern haben sich darin Ameisen eingenistet. Ist mir noch nie passiert, aber in diesem Jahr sind die Ameisen ohnehin besonders aktiv – wir hatten auch schon eine Ameisenstraße im Wohnzimmer. (Und ja, da liegen Krümel unterm Tisch, aber die Schwiegermutter ist peinlich sauber und trotzdem sind die Ameisen bei ihr durch die Küche gewandert, also liegt es sicher nicht nur daran!)

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Packt eure Kinderstube woanders hin, ihr Schmarotzer!

Unter dem Holzdeckel befindet dann noch eine durchsichtige Plastikfolie und darunter geht es richtig los. Dies ist eins der Jungvölker, die ich im Mai angelegt habe. Wie man sieht, hat es schon eine prächtige Größe erreicht und musste dringend erweitert werden, d.h. einen zweiten Brutraum aufgesetzt bekommen. Honig erwarte ich von den Jungvölkern in diesem Jahr noch nicht, das Ziel ist nur, sie stark einzuwintern, so dass sie im neuen Jahr Wirtschaftsvölker werden.

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Mächtig was los, höchste Zeit für eine zweite Etage. Die haben sich aber auch explosiv entwickelt!

Etwas weniger kräftig ist das zweite Jungvolk, aber das, äh, hätte ich wohl schon früher erweitern sollen. Denn darin fand ich zwar einiges an verdeckelter und recht reifer Brut, aber nur noch vereinzelt Stifte (Eier). Und keine Königin. Das allein will natürlich nichts heißen, weil man die „Dicke“ trotz ihrer größeren Ausmaße manchmal einfach nicht zu Gesicht bekommt, aber der Mangel an frischen Eiern deutet schon sehr darauf hin, dass Madam nicht (mehr) da ist. Noch viel eindeutiger war in der Hinsicht dieser Fund:

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Diese hübschen Zapfen möchte man eigentlich NICHT finden.

Jawoll, verdeckelte Schwarmzellen. Hätte ich letzte Woche schon bemerken müssen, habe ich aber nicht, weiß der Himmel, wieso. Imker-Fail. Das bedeutet eigentlich immer, dass der Schwarm schon weg ist, denn außer bei Dauerregen macht ein Schwarm sich auf den Weg, sobald die erste neue Königinnenzelle verdeckelt ist. Ich hatte sowas schon befürchtet, da Herr Eifgental Anfang der Woche von „einer Traube Bienen“ sprach, die in der Scheune verschwunden sind. Ich habe sie dann zwar noch gesucht und nicht gefunden, aber wahrscheinlich waren sie schon weiter gezogen. Entweder, sie leben nun im Wald, oder einer der örtlichen Bereitschaftsimker hat sie eingesammelt. Es sei ihm gegönnt. — Da der Schwarm also nun mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits weg war, habe ich die neuen Weiselzellen nicht ausgebrochen. Eine neue Königin braucht das Volk schließlich eh. Welche der beiden Kandidatinnen es wird, sollen die Ladies unter sich ausmachen.

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Eierlegen ist eine private Sache, glotz nicht so!

Bei diesem Blick ins erste Wirtschaftsvolk sieht man gut, warum die Königinnen oft so schwer zu entdecken sind – weil ständig irgendwer um sie herum oder auch über sie drüber krabbelt. Der schuppige, orange Hinterleib knapp rechts von der Bildmitte gehört zu Ihrer Majestät, drum herum wuselt die Dienerinnenschar. Am linken Rand in der Mitte sieht man zum Vergleich eine dicke Drohne mit ihren riesigen Glubschaugen. So, jetzt kennt ihr die drei Bienengeschlechter.

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Bienenlarven kurz vor dem Verdeckeln sehen irgendwie aus wie winzige, grimmige Albino-Meerschweinchen.

Generell fiel bei der Durchsicht auf, dass sehr wenig Honig in den Brutwaben eingelagert war. Eigentlich legen die Bienen in jedem Rahmen rund um das Brutnest Kränze aus Honig und Pollen an und auch in der Mitte befinden sich einige gut erreichbare Futter-Inseln. Hier ist schon recht viel Leerstand. Noch krasser sieht man es im nächsten Bild.

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Sauber und ordentlich verdeckelte Brut. Nur da, wo die Bienenpopos herausragen, werden wohl gerade die letzten Honigreste ausgegraben.

Ein Rahmen ausschließlich voller Brut, nur ganz oben wäre überhaupt noch Platz für neue Vorräte. Offenbar waren die letzten Wochen so verbrauchsintensiv und durch den häufigen Regen so ertragsarm, dass im Brutraum kaum noch Futter ist. Die Königin hat diese Leerräume gnadenlos zugeeiert. Hab ich noch nie erlebt, dass ich mitten im Sommer auffüttern muss, aber irgendwann ist halt immer das erste Mal.

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Männerfabrik… aber die Herren werden nie zur Schlupf kommen. Eine Runde Mitleid.

In diesem Drohnenrahmen dagegen könnte ruhig mehr verdeckelte Brut sein. SO lohnt sich das Ausschneiden gar nicht richtig. (Man gibt den Bienen im Frühjahr leere Rahmen, in denen sie dann größere Waben anlegen, in die die Königin unbefruchtete, also männliche Klon-Eier legt. Warum die Klone der einwandfrei weiblichen Königin zwangsläufig männlich sind, werde ich wohl nie begreifen, aber ich bin ja auch keine Biologin. Die Drohnenbrut schneidet man dann aus, weil man auf diese Weise einen Großteil der Varroa-Milben, die sich leider inzwischen in jedem Volk befinden, erwischt. Den Rest hält man dann mit organischen Säuren halbwegs in Schach.) Nach der Sonnwende produzieren die Bienen dann immer weniger Drohnen, und irgendwann im Hochsommer werden die übrig gebliebenen Herren der Schöpfung (die nicht schon nach dem Geschlechtsakt ihr Leben gelassen haben) gemeuchelt bzw. einfach vor die Tür geworfen. Ohne Hilfe der Arbeiterinnen verhungern sie dann, denn Drohnen sind tatsächlich sogar zu blöd, um sich selbst zu ernähren. Bienen sind untereinander ziemlich grausam, der Imker muss sich da also nichts vorwerfen lassen.

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Na Gott sei Dank, es honigt doch. Der Honig unter der hellen Wachsschicht ist schon weitestgehend reif, der glänzende Honig ist relativ frisch und sehr flüssig. Beruhigend jedenfalls, dass die Bienen sich doch noch ein Stück weit selbst versorgen. 😉 Beim Rasenmähen habe ich ihnen alle Klee-Inseln stehen gelassen, damit sie diese aktuelle Tracht gut mitnehmen können.

Vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit. Sonst gibt’s leider nur Zuckersirup.

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3 Antworten zu “Überraschungen im Bienenstock

  1. wir leben in abu dhabi. seit ein paar monaten haben sich wildbienen ein nest gebaut. ist jetzt so gross wie ein basketball, allerdings nicht mehr so dicht bevoelkert. ich kann die honigwaben sehen. ist das normal?

    • Mit Wildbienen kenne ich mich nicht so gut aus und mit den Bienen in Abu Dhabi schon gar nicht, deswegen kann ich nur mutmaßen. Es kann ja verschiedene Gründe geben, warum die Volksstärke abnimmt. Wenn ein hohes Trachtangebot herrscht, sind tagsüber viele Arbeiterinnen zum Sammeln unterwegs. In kalten Nächten rücken die Bienen enger zusammen, um sich zu wärmen. Dadurch würde das Volk einfach nur kleiner wirken.
      Mit abnehmender Tageslänge wird außerdem der Bruttrieb schwächer. Dadurch nimmt das Volk nach und nach ab, weil sterbende Arbeiterinnen eben nicht mehr 1:1 ersetzt werden. Auch werden die Drohnen vertrieben, da sie nicht mehr gebraucht werden (es sind kaum noch unbefruchtete Königinnen unterwegs). Dadurch werden es langsam, aber sicher weniger Bienen.
      Je nachdem, wie viel Platz den Bienen dort überhaupt zur Verfügung stand, könnte natürlich auch ein Schwarm abgegangen sein, wenn sich das Volk eingeengt gefühlt hat. Dann wäre sehr plötzlich ein großer Teil des Volks verschwunden.
      Neben diesen normalen Vorgängen kann der Verlust der Bienen aber natürlich auch die Folge einer Krankheit oder von Parasiten sein. Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen. Es kann jedenfalls normal sein – aber es kann auch „unnormale“ Ursachen haben.

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