(Früh-)Sommerliche Marmeladen*

*streng genommen handelt es sich nur bei einer dieser Marmeladen um Marmelade im gesetzlichen Sinn, aber laut EU-Verordnung darf man sie trotzdem Marmelade nennen, solang man sie nicht in den Großhandel verkauft. Danke, EU.

Was macht man, wenn es auf einmal ganz viele reife Früchte gibt? Richtig, man isst sie zu allererst einmal frisch. Dabei helfen die Kinder gern. Besonders der Große ist sowieso dafür berüchtigt, dass er die Beeren aus dem Kuchen oder Eis pickt, um sie (und nur sie) genüsslich zu verspeisen, während der Kuchen irgendwann in unansehnliche Krümel zerlegt ist und das Eis zur Sauce schmilzt. Leider hat die Schwiegermutter das noch nicht ganz durchschaut und lädt ihn immer noch auf „Eis mit Sahne und Erdbeeren“ ein. (Oder  hätte sie bloß ein schlechtes Gewissen, sich selbst ein Eis zu gönnen, aber die Reste vom Enkel muss sie natürlich nicht stehen lassen? Vielleicht habe ja auch ich das Ganze erst jetzt durchschaut.)

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Fruchtfische. „Gib sie uns rooooh und zappelnd!“

Wie dem auch sei, eigentlich werden Beeren und andere Früchte bei uns ziemlich direkt verspeist. Trotzdem koche ich gern Marmelade, Konfitüre, Gelee oder wie auch immer man das Zeug nennen mag. Dadurch habe ich immer einen Vorrat an handlichen Geschenken, wenn wir mal eingeladen sind oder gar Weihnachten oder ein Geburtstag ansteht. Noch besser kommt nur selbst geimkerter Honig an…

Jetzt geht es aber um Marmelade, und zwar wie gesagt um frühsommerliche Varianten derselben. Auf genaue Rezepte verzichte ich, weil ich nicht so richtig mitgemessen habe und nicht Schuld sein will, wenn die Pampe bei euch flüssig bleibt. 😉 Außerdem gibt es ja auch Menschen, die lieber ohne Gelierzucker kochen und denen möchte ich natürlich nichts vorschreiben. Ich stelle also nur meine Geschmackskombinationen vor. Wir beginnen mit einem Klassiker.

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„Ieh, dir ist da Unkraut in den Kochtopf gefallen!“ Nein, ist natürlich Absicht.

Klar, Erdbeer-Rhabarber macht jeder, es gibt auch unendlich viele Rezepte dafür. In diesem Jahr habe ich die fast reifen Samenkapseln des Myrrhenkerbels (auch bekannt als Süßdolde) als besondere Würze verwendet – daraus habe ich zuerst einen Tee gekocht und damit die fehlende Masse ergänzt, die nach dem Zerschnibbeln der vier Rhabarberstangen und der von den Kindern noch nicht entdeckten Erdbeeren noch fehlte. Dann habe ich die Kapseln weiter mitgekocht, bis der Rhabarber weich genug zum Passieren war. Wer seine Konfitüre gern stückig mag, kann auf das Passieren natürlich auch verzichten.

Die Idee mit dem Myrrhenkerbel zum Rhabarber habe ich bei Gartenstreifzug ausgeliehen, vielen Dank dafür, eine feine Sache! Aus Sorge vor dem Anis-Overkill habe ich sie jetzt am Stück verwendet, beim nächsten Mal werde ich sie anquetschen.

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Die Farbe ist noch nicht so beneidenswert, aber später ist es ein richtig schönes Orange.

Orange-Holunderblüte. Durch die ausdauernde Regenperiode in diesem Frühling haben wir die Holunderblüte fast vollständig verpasst. Eigentlich machen wir Sirup, Gelee, Essig und gelegentlich auch Pfannküchlein mit den Hollerdolden, außerdem trockne ich welche für den Tee. Nun haben wir gerade noch rund 50 Dolden von unseren zahlreichen Holundersträuchern bekommen, bevor sie endgültig verblüht waren (bzw. so hoch hängen, dass man nicht dran kommt). Die Hälfte hat die Schwiegermutter klassisch mit Zucker und Zitrone „versirupt“. Die andere Hälfte habe ich zu Marmelade gemacht.

Seit ich bei einer Freundin Holunderblüten-Orangen-Sorbet bekommen habe, ist mir die Kombination aus Orange und Holler viel sympathischer als die traditionelle Version mit Zitrone. Ich finde, mit Orange schmeckt es viel runder und weicher. Man muss keine Sorge haben, dass die Orange das Aroma der Hollerblüten überdeckt – im Gegenteil, meiner Ansicht nach fällt Orange viel weniger als Fremdgeschmack auf, sondern ergänzt den Holunder einfach nur perfekt.

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Brot mit „orangener Marmelade“ ist momentan Sohnemanns Lieblingsfrühstück.

Ich habe Saftorangen ausgepresst, das Fruchtfleisch zurückgehalten, die Holunderblüten im Saft aufgekocht, ziehen gelassen, herausgefiltert und dann das Fruchtfleisch zurück in die Flüssigkeit gegeben. Der Orangensaft hat nicht gereicht, darum habe ich ihn zur Hälfte mit naturtrübem Apfelsaft gestreckt. Hat den Vorteil, dass man dann nicht ganz so viel (Gelier-)Zucker braucht wegen des Pektins im Apfel. Das Gelee – bzw. diesmal darf man es ja wegen der Zitrusfrüchte tatsächlich als Marmelade bezeichnen – schmeckt haargenau wie im letzten Jahr, als ich Orangensaft pur verwendet habe. Also eine gute Möglichkeit zum Sparen. 😉

Wer seine Marmelade bitterer mag, wird sicher noch Bio-Orangenschale hinzufügen, aber ich nehme an, dass dadurch dann doch die Orangen in den Vorder- und die Holunderblüten in den Hintergrund treten würden und das wollen wir doch nicht. Außerdem würde es den Kindern dann nicht mehr schmecken.

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Eingeglaster Kurzurlaub in der Provence.

Pfirsich-Lavendel. Die Pfirsiche mussten tatsächlich dringend verbraucht werden. Ich liiiebe Plattpfirsiche, ich kann an ihnen einfach nicht vorbeigehen und hatte deshalb ausnahmsweise mal mehr gekauft, als wir „normal“ schaffen konnten. Die Haltbarmachung war also unvermeidlich. Die Kombination mit Lavendel ergab sich daraus, dass der Lavendel zufällig gerade mit der Blüte begonnen hat. Das Aroma konnte ich mir gut zu den süßen Pfirsichen vorstellen. Ich habe ein Handsträußchen geschnitten, einen halben Tag antrocknen lassen und dann mitgekocht. Ich hatte etwas Sorge, dass es am Ende zu sehr nach Parfüm schmeckt, aber die war unbegründet. Beim Abschmecken fand ich jedes Mal, da geht noch mehr. Der Pfirsich und der Zucker schlucken eine Menge.

Ich habe die Pfirsiche mitsamt Schale gekocht und dann durch die Flotte Lotte gedreht. Man kann sie natürlich auch schälen, wenn man’s besonders fein mag. Aber die Pfirsiche sind ohnehin sehr süß und ungeschält kann man auf etwas Zucker verzichten, weil die Schale von Natur aus Pektin enthält. Beim Lavendel muss sicher jeder seine persönliche Balance finden. Ich finde die Kombination perfekt, das ist eindeutig mein Marmeladenfavorit in diesem Jahr!

Als nächstes stehen nun die Johannisbeeren ins Haus. Aber da heute wieder ein Regentag ist, muss ich die Ernte wohl verschieben. Hoffentlich halten die Beeren durch, bis es mal ein paar Stunden sonnig ist.

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2 Antworten zu “(Früh-)Sommerliche Marmeladen*

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