Integrative Falafeln aus dicken Bohnen

Das Gartenjahr verläuft weiterhin unbefriedigend. Salat, Kohl und Gurkenpflanzen wurden von den Schnecken ratzeputz vernichtet, Zwiebeln und Möhren haben sich die Wühlmäuse geholt, selbst meine geliebte Melde lässt mich im Stich. Die Feuerbohnen erholen sich nur langsam von den Schneckenattacken, die Reiserbohnen sind noch nicht in Fahrt.

Ein kleiner Trost kommt von den Saubohnen, die nun essreif sind. Wenn ich eine vernünftige Gärtnerin wäre, würde ich wohl für die Zukunft nur noch auf Saubohnen, Grünkohl und Kartoffeln setzen, wie das die Altvorderen in der Region früher auch getan haben. Aber ich bin nicht vernünftig, ich will Salat und Käferbohnen, verdammt!

Trotzdem freue ich mich natürlich über die dicken Bohnen, die – Ende Februar gesteckt – die Angriffe der Blattläuse gut verkraftet haben und in diesem Jahr sehr schöne dicke Hülsen bilden. Saubohnen zu enthülsen ist immer etwas Feines. Wie die Bohnenkerne so kuschelig in ihrer filzgepolsterten Schote liegen! Richtig gemütlich sieht das aus – fast schämt man sich, die Ruhe zu stören.

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Schlafsack zu, es wird kalt!

Natürlich könnte ich die Bohnen noch am Strauch ausreifen lassen. Bei einem Teil tue ich das auch, schon um (hoffentlich) Saatgut fürs nächste Jahr zu haben. Da ich die Schnecken aber mittlerweile schon aus den Saubohnen-Sträuchern gesammelt habe, befürchte ich langsam, dass ich gar nichts mehr abkriege, wenn ich noch länger warte.

Trotz des gerade mal wieder sehr launischen Wetters war es mir dann aber doch zu sommerlich für die Klassiker Dicke-Bohnen-Eintopf oder Saubohnen mit Kasseler oder Rauchwurst – schlimm genug, dass es sich wie Herbst anfühlt, da muss es nicht auch noch nach Herbst schmecken! Ich habe mich also für ein südlich-sommerliches Gericht entschieden, und zwar Falafel.

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Wenigstens auf dem Teller gibt es Sommer und Urlaub.

Nun würde ich gerne behaupten, Falafel aus Saubohnen wäre mein Beitrag zur kulinarischen Integration oder sonst irgendetwas Hochtrabendes, aber ehrlich wäre das nicht. Auf die Idee bin ich nämlich überhaupt nur gekommen, weil ich im BBC-Dokutainment gelernt habe, dass man in Ägypten Falafel sowieso traditionell aus dicken Bohnen macht. Sonst hätte ich weiterhin brav Dosenkichererbsen oder gleich fertiges Kichererbsenmehl genommen.

Es geht aber eben auch mit anderen Hülsenfrüchten. Mit roten Linsen hatte ich schon Erfolg, nun sind die „decke Buune“ reif und dran. Der große Vorteil daran, dass sie gerade erst essreif vom Strauch kommen, ist die einfache Verarbeitung. Da man die Hülsenfrüchte zum Falafelmachen nicht vorher weichkochen darf (sonst fallen die Bällchen später auseinander), ist das Mahlen getrockneter Linsen oder Bohnen ein ziemlicher Aufwand, der zumindest meine kleine Handmühle an den Rand ihrer Belastbarkeit bringt (von meinem Handgelenk ganz zu schweigen).

Frische Saubohnen dagegen kann man einfach häuten und dann in den Mixer stecken. Eine Handvoll Bohnen pro mitessender Person, dazu 1 EL Olivenöl und 1 EL Zitronensaft, Kreuzkümmel und Fenchelsaat (gegen die bohnentypischen Bläungen),  dazu nach Geschmack Chili, Salz, Knoblauch und Kräuter. Ich habe mich vor allem an mediterranen Kräutern orientiert: Oregano, Rosmarin, Basilikum, Olivenkraut und Zatar (arabischer Majoran), dann noch Zitronenmelisse und Bohnenkraut (letzteres wieder gegen den Pupseffekt). Aber wie üblich kann man da fröhlich variieren. Alles in den Mixer und dann gib ihm!

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Alles einsteigen, die Fahrt geht gleich los!

Heraus kommt eine sahnige grüne Masse, die aussieht wie ein leckerer Smoothie – aber Vorsicht, rohe Bohnen sind ungesund! Stattdessen wird die grüne Crème mit Semmelbrösen angedickt, bis ein gut knetbarer Teig entstanden ist. Daraus formt man dann mit leicht geölten Händen die Bohnenbällchen, die im vorgeheizten Backofen bei 180°C so lange gebacken werden, bis sie außen trocken und bräunlich aussehen. Zwischendurch Wenden ist eine gute Idee, aber bei Umluft nicht zwingend nötig.

Man kann die Dinger auch fritieren, wie das bei „richtigen“ Falafeln gemacht wird, aber ich finde diese fettärmere Variante sehr angenehm. Pflegeleicht ist sie auch – ab in den Ofen, Klappe zu, dann hat man Zeit, in Ruhe den Kräuter- oder Gemüsequark zu schnippeln und zu rühren. Wer sein Fladenbrot selbst bäckt, sollte das natürlich zeitgleich tun. Ich war faul und habe meins aus dem türkischen Supermarkt.

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Kleine grüne Frikadellen vom Mars.

In den Quark habe ich Schnittlauch, Paprika, Tomate und Gurke gerührt. Guacamole würde stattdessen sicher auch passen, dann wäre das Ganze vegan und im Interesse der Völkerverständigung sogar auf einen weiteren Kontinent ausgedehnt ;). Den Salat dazu verdanke ich der örtlichen SoLawi. Meinen haben ja die Schnecken gefressen.

Da fällt mir ein, für fritierte Wegschnecken habe ich auch mal irgendwo ein Rezept gesehen. Aber dafür bin ich definitiv (noch?) nicht hart genug. Heute tue ich mich schon mit Weinbergschnecken schwer, dabei habe ich die als Kind total gern gegessen.

Aber die Dicke-Bohnen-Falafeln waren jedenfalls echt lecker! Sehr zur Nachahmung empfohlen.

 

 

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