5 Unkräuter, die den Garten besser machen

Na klar: Als Bio-Gärtner hat man ohnehin ein anderes Verhältnis zum Unkraut. Sei es, weil man als Selbstversorger Prioritäten setzen muss und makellos „unkrautfreie“ Zonen einfach nicht ganz oben auf der Liste stehen, wenn man mit dem Schneckensammeln, dem Mulchen und (hoffentlich) der Ernte genug zu tun hat, sei es, weil man Nutz- und Unkraut generell nicht so streng trennt oder sich mit den Unkräutern sogar ein Stück weit angefreundet hat. Auf mich trifft beides zu.

Da ich manche Unkräuter sogar zuerst als Nutzkräuter kennen gelernt und gezielt in meinen Garten geholt habe, bin ich sogar oft überrascht (und meistens auch verärgert), wenn Leute an meinem Gartenzaun sich dann abfällig äußern: „Guck mal, da ist ja alles voller Beinwell, den müsste man doch ausrotten!“ oder dergleichen.

Also zunächst mal: Ausgerottet wird hier gar nichts. Selbst die Pflanzen, die ich tatsächlich sogar an den Rändern und in den Ecken konsequent und kompromisslos ausreiße – das sind gegenwärtig eigentlich nur Klettlabkraut, Hahnenfuß, Franzosenkraut, Quecke und Goldfelberich (den sich wiederum viele freiwillig als Zierpflanze in den Garten holen!) – dürfen sich außerhalb der Nutzflächen nach Belieben behaupten. In der Einfahrt ist mir doch sowas von egal, was in den Fugen wächst. Auf der Wiese setzen sich sowieso ein paar besonders starke Gewächse durch – im Schatten sind das neben den Gräsern vor allem die kleinen Duftveilchen, in der Sonne Löwenzahn, Klee, Gänseblümchen und im Frühjahr Wiesenschaumkraut und Ehrenpreis, was absolut zauberhaft aussieht und schon manche (eigentlich notwendige) Rasenmähertour verzögert hat…

Nun versuche ich versuche zwar, kein radikaler Öko-Hippie zu sein, aber  wenn Spaziergänger über meinen Löwenzahn (oder andere geliebte Unkräuter) mosern, ärgert mich das wirklich sehr. Und weil ich nun mal einen kleinen Missionar in mir habe, der nicht einfach nur zufrieden ist, wenn’s im eigenen Garten natürliche Ecken gibt, sondern der am liebsten auch die Kritiker am Gartenzaun zum Umdenken zwingen will, stelle ich hier einmal eine Reihe von Unkräutern vor, die ich tatsächlich ganz gezielt im Garten wachsen lasse. Nicht gerade mitten im Gemüsebeet, aber an den Rändern und in den Winkeln. Nicht nur, weil ich den Unkräutern gegenüber generell milder gestimmt bin, sondern weil diese Pflanzen tatsächlich einen Mehrwert für den Garten bringen und sich ganz konkret nutzen lassen. Das überzeugt dann vielleicht auch die Kritiker am Straßenrand…

  1. Beinwell (Symphytum officinale)

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Der Beinwell wurzelt tief und bildet üppige Blattrosetten, die auch immer wiederkommen, wenn man sie kappt oder beim Jäten die Wurzel nicht gänzlich herausholt. Statt sich darüber zu ärgern, sollte man das lieber ausnutzen. Denn mit seinen langen Wurzeln holt der Beinwell wertvolle Mineralien aus den tiefsten Bodenschichten, insbesondere Kalium. Außerdem sind seine Blätter reich an Stickstoff. Er eignet sich also hervorragend für Pflanzenjauchen oder als Mulchmaterial, insbesondere, weil man ihn mehrfach im Jahr gnadenlos zurückschneiden kann und er trotzdem immer wieder kräftig nachwächst. Man hat ihn quasi immer zur Hand.

Beinwell wächst auch problemlos im tiefen Schatten und kann sich auch gegen den Giersch behaupten bzw. ihn sogar verdrängen. Das sei denjenigen gesagt,  die mit Giersch ein Problem haben. Man kann ihn also ohne Weiteres dort wachsen lassen, wo sich ohnehin sonst nicht viel kultivieren lässt. Der Echte Beinwell nimmt mit seinen großen Blättern viel Platz ein (es gibt auch kleinere Sorten wie den Kaukasus-Beinwell oder den Herzblättrigen Beinwell), aber in dunklen Ecken ist das ja völlig egal. Dort kann man sich dann nach Herzenslust bedienen, wenn man düngen oder mulchen möchte. Auch dem Komposthaufen kann man mit Beinwellblättern oder -jauche etwas Gutes tun, insbesondere, wenn man dort Stroh, Herbstlaub oder gar Sägemehl verrotten muss.

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Diese Hummel macht es richtig. Wie man rechts oberhalb von ihr sieht, haben andere Bienenarten auch schon die Abkürzung durch die Blütenwand genommen.

Wie der botanische (und wenn man etwas Althochdeutsch kann, auch der deutsche 😉 ) Name andeutet, ist Beinwell sowieso eine Heilpflanze und kein Unkraut. Innerlich soll man sie zwar nicht mehr anwenden, weil man heute weiß, dass sie in größeren Mengen leberschädigende Stoffe enthält (was auch immer größere Mengen sein mögen). Aber äußerlich, z.B. als Salbe, ist Beinwell nach wie vor bewährt. Außerdem freuen sich Hummeln und Schmetterlinge über die hübschen kleinen Blüten, die voller Nektar sind, an den die Honigbienen mit ihren kurzen Rüsseln nicht drankommen (es sei denn, sie beißen Löcher in die Blüten, was sie tatsächlich auch häufig tun). Insgesamt also wirklich keine Pflanze, die man „ausrotten“ sollte. Unter seinem englischen Namen „Comfrey“ erfreut er sich teilweise größerer Beliebtheit.

2. Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)

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Zumindest muss ich mir keine Gedanken machen, wie ich diese schwer zugängliche Ecke gestalte. Die gestaltet sich von selber…

Der Wurmfarn ist giftig und neigt zum Wuchern, weswegen er auch nicht viele Freunde hat. Aber auch er besiedelt vor allem schattige und feuchte Plätze, an denen man ihn ruhig auch mal gewähren lassen kann, solange er nicht überhand nimmt (und dafür kann man als Gärtner ja sorgen, nicht wahr?). Dort sorgt er dann für Struktur und Farbe, die man ebensogut vom heimischen „Unkraut“ bekommen kann wie von teuren Einkäufen.

Medizinisch sollte man ihn als Laie wegen seiner Giftigkeit nicht nutzen (wirksam ist er gegen Bandwurmbefall, daher auch der Trivialname), aber im Garten kann man sich seine Giftigkeit durchaus zunutze machen, denn eine Brühe aus dem Farnkraut ist auch für diverse Läusearten giftig. Setzt man die Brühe im Frühjahr prophylaktisch ein, ist sie besonders wirksam – und man hat keine Rückstände am Gemüse oder an den Früchten. Neulich habe ich gelesen, dass die Brühe bzw. ihre ausgesuppten Reste sogar gegen Schnecken wirken sollen, was ich im nächsten Jahr definitiv testen werde. Bei Wundermitteln gegen Schnecken bin ich ja inzwischen pessimistisch, aber ausprobieren kann man’s ja trotzdem.

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Wer schon die Dinosaurier überlebt hat, verdient auch im Garten Respekt.

Im Frühjahr finde ich es immer faszinierend, wenn sich die jungen Farnwedel langsam entrollen. Sie sehen dann aus wie scheue Tiere, die sich erst nach und nach ans Licht trauen. Mit seinem archaischen Wuchs und ihrem filigranen Aufbau hat der Wurmfarn (wie auch andere Farne) durchaus einen Platz in einer schattigen Ecke verdient.

3. Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Wer Kaninchen oder Meerschweinchen hat, schätzt den Löwenzahn als Grünfutter, wer Bienen hat, schätzt ihn als Frühtrachtpflanze und wer auch leicht bitteres Gemüse mag, der frisst ihn sogar selbst. Ich stehe darauf nicht so sehr und esse ihn daher lieber nur in kleinen Mengen und gemischt mit vielen anderen Kräutern, etwa in der Gründonnerstagssuppe oder im Salat. Sonst kann man ihn aber wohl wie Chicoree behandeln. Da der Löwenzahn bei uns auf den Wiesen und in der Einfahrt nach Herzenslust wachsen darf, gibt es auch genug Blüten, um daraus Gelee (nicht etwa Honig, auch wenn viele das so nennen!) herzustellen, ohne den Bienen (die wiederum tatsächlich Honig daraus machen…) zu schaden.

Aber hier geht es ja nicht um kulinarisches Unkraut, sondern um Unkraut, das den Garten besser macht, und das tut der Löwenzahn ebenfalls. Viele Gärtner wissen das nicht zu schätzen und machen Jagd auf ihn, was der Löwenzahn wiederum durch seine Fallschirmtruppen auszugleichen weiß. Wo er sich wohlfühlt, ist der Boden nicht nur lehmig, sondern auch feucht und schwer, so dass Löwenzahnansiedlungen im Gartenbeet dazu einladen, den Boden dort aufzulockern – mindestens mit Humus, in Härtefällen sogar mit Sand – und gegebenenfalls zu drainieren.

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In der Einfahrt stört mich der Löwenzahn kein bisschen. Bislang hat er entgegen anderslautender Behauptungen keine Pflastersteine hochgedrückt oder dergleichen.

Aber nicht nur als Zeigepflanze ist der Löwenzahn nützlich, sondern auch als Mulchpflanze – Blattmasse liefert er zwar nicht so üppig wie der Beinwell, aber ebenso kontinuierlich. Getrocknet ist er eine Zutat der „Humofix“-Mischung der Benediktinerinnen der Abtei Fulda, aber auch einzeln ist er eine gute Zugabe für den Kompost. In Zukunft also nicht mehr ärgern, wenn sich der Löwenzahn irgendwo ausgebreitet hat: selbst wenn man keine hungrigen Kleintiere hat und ihn auch nicht selber essen will, kann man ihn einfach abschneiden, verwenden und wiederkommen lassen. Wenn man ihn spätestens im Verblühen (also bevor die Fallschirmtruppen losziehen…) kappt, breitet er sich auch nicht mehr ganz so arg aus. Und wenn man ihn doch irgendwo ausgraben muss, weil er dort tatsächlich nichts zu suchen hat… dann hat man wenigstens den Boden mal gründlich und tief gelockert.

4. Baldrian (Valeriana officinalis)

Mit dem Baldrian stehe ich tatsächlich ein wenig auf Kriegsfuß, weil er mich nervt. Ich mag den Geruch nicht (die Katzen dafür umso mehr) und wenn er mir irgendwo im Weg steht, was ja auch mal vorkommt, verkrallen sich seine Wurzelnetzwerke garantiert derart, dass man sich fast die Finger bricht. Okay, ich übertreibe ein bisschen. Nicht aufregen. Lieber ein paar Baldriantropfen nehmen…

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Buntes Gemisch mit Baldrian entlang der Buchsbaumhecke, die, solange sie trotzdem noch Licht kriegt, nicht darunter leidet.

Spaß beiseite, der Baldrian ist natürlich vor allem als pflanzliches Beruhigungsmittel für Menschen bzw. Aufputschmittel für Katzen bekannt. Schon bevor die Blätter auftauchen, sieht man genau, wo die mehrjährigen Baldriane demnächst wiederkommen, weil sich die Kater dort wie doll über die Erde wälzen. Dabei lassen sie natürlich Haare, die ja möglicherweise die Wühlmäuse abschrecken – das wäre doch schon mal was. Direkt abschreckend wirkt der Baldrian wie auch sein klitzekleiner Verwandter, der Feldsalat, auf Ameisen. Die sind natürlich als Putzkolonne durchaus auch nützlich, können aber auch Schaden anrichten – zum Einen durch ihre Angewohnheit, sich Blattläuse als Haustiere zu halten, zum Anderen, weil sie beim Anlegen ihrer Staaten wenig Rücksicht auf die umliegenden Wurzeln, auf ausgebrachtes Saatgut oder zarte Pflänzchen nehmen. Wenn man also empfindliche Bereiche vor Ameisen schützen möchte, kann man es erst einmal mit Baldrian versuchen. (Wenn das Laub einmal da ist, interessieren sich die Katzen auch nicht mehr so sehr dafür – außer, es welkt. Dann geht es wieder los. Man sollte also keine Baldrianblätter ausstreuen, sondern auf intakte Pflänzchen setzen…)

Getrocknet ist Baldrian ebenfalls eine Humofix-Zutat (die übrigen sind neben dem bereits erwähnten Löwenzahn Kamille, Schafgarbe, Brennnessel, Eichenrinde, Milchzucker und Honig, alles pulverisiert und vermischt), trägt also zur schnelleren Humusbildung im Komposthaufen bei und wird auch als Saatbad empfohlen, wenn man sich den Aufwand mit Saatbädern denn machen möchte. Deswegen dulde ich seine Ausbreitung – und seinen muffigen Geruch – innerhalb gewisser Grenzen. Außerdem ist es immer ein witziges Schauspiel, wenn die Katzen voll auf Drogen sind *hüstel*.

5. Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel (ob man sie nun mit zwei oder drei Ns schreibt) verdient eigentlich ihren eigenen Eintrag, den sie sicher irgendwann auch bekommen wird. Aber diese Liste wäre einfach nicht vollständig ohne diese wunderbare, völlig zu Unrecht verachtete Pflanze. Ich versuche, mich kurz zu fassen und wirklich nur auf ihren Nutzen für den Garten einzugehen; die Brennnessel als Faser-, Färbe-, Heil- und Gemüsepflanze stelle ich dann im eigenen Eintrag vor, wann auch immer.

Also: Ja, sie breiten sich über ihre Wurzelausläufer fürchterlich aus, und ja, man kann sich an ihnen böse wehtun, aber die Brennnessel ist so unglaublich vielseitig nützlich, dass man das gefälligst zu ertragen hat bzw. eben zusehen muss, wo man ihr den Platz einfach einräumen kann, ohne dass man ständig gegen sie stößt. Denn auch Brennnesselkraut ist wunderbar zum Mulchen geeignet und noch viel besser in der Brennnesseljauche, die zur Pflanzenstärkung, zur Düngung und gegen Blattläuse verwendet werden kann. Obstbäume profitieren besonders von der Nachbarschaft mit Brennnesseln, die man also am Fuß der Bäume einfach wachsen lassen sollte – zur Ernte kann man sie ja dann mähen.

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Hmm, bald gibt’s wieder Brennnesselsamenkekse! Und Birnen.

Besonders hübsch anzusehen mögen die Pflanzen nicht sein, aber dafür bieten sie den Raupen von zwei der schönsten einheimischen Schmetterlinge Nahrung: Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge ernähren sich als Raupe fast ausschließlich von Brennnesseln, und wie traurig wäre ein Garten ohne diese roten Farbtupfer? Wer Schmetterlinge möchte, muss Raupen füttern… und gerade bei den Brennnesseln vergreifen sie sich ja auch nicht an Gärtners kostbarstem Gemüse (nicht, dass Brennnesseln kein kostbares Gemüse wären, aber sie sind ja robust genug zum Teilen.) Und das Schöne ist ja, dass man die Brennnesseln kaum pflegen muss. Die sind einfach da.

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Frisch gemulcht sieht das Beet zwar – oh Graus! – unordentlich aus, aber dem Gemüse nutzt es – in diesem Sommer, damit der Boden vom Regen nicht zu sehr verdichtet wird, normalerweise eher gegen Austrocknung. Und ja, ich nutze meinen Knollensellerie auch als Schnittsellerie. Da muss er durch.

Kurz, der ganze Garten profitiert davon, wenn man verschiedenen Wild- und Unkräutern ein wenig Platz lässt. Außerdem spart es des Gärtners Kräfte, wenn er nicht überall gnadenlos roden und rupfen muss. Natürlich gibt es Bereiche im Garten, in denen man ganz allein bestimmen will, was wächst – ob das nun Gemüse oder Kräuter oder Zierpflanzen sind. Aber wer Brennnesseln und Co. ganz aus dem Garten verbannt, schadet sich sogar selber.

Natürlich ließe sich diese Liste noch beliebig fortsetzen, aber sie ist ja schon jetzt recht lang geworden. Und die Kritiker am Gartenzaun wollen irgendwann ja auch ihren Spaziergang fortsetzen. Heben wir uns also den Rest für ein anderes Mal auf!

 

 

 

 

 

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