Honigernte 2016

Der Frühling fing verspätet an, die Völker kamen nicht richtig in Schwung, und als sie’s endlich taten, habe ich ihnen ja versehentlich die Königinnen geklaut. Folglich waren die Honigräume im Mai leer und die Ernte fiel aus. Ein ähnliches Ergebnis befürchtete ich nach dem nassen Juli auch für die Sommertracht – immerhin musste ich nicht auffüttern, was wohl manch anderen Imkern passiert ist – aber ein bisschen was haben die Bienen dann doch geschafft.

Ganz ehrlich: Am liebsten hätte ich sie noch zwei, drei Wochen weitersammeln lassen. Teils sind hier ja immer noch die Hochsommergewächse wie Borretsch und Oregano in Blüte, auch der Wald „honigt“ nach dem nassen Sommer noch, es hätte sich also sicher gelohnt. Aber da im Frühherbst auch noch die Varroose-Behandlung und die Winterfütterung anstehen, muss man irgendwann den Schnitt machen oder die Ernste eben ganz auslassen. Außerdem blüht mittlerweile auch das Drüsige Springkraut, dessen Nektar zwar für die Bienen ein willkommenes Winterfutter ist, dem Menschen aber in größeren Mengen nicht gut tut. Und zu viel frischen Nektar dürfen die Bienen eh vor der Ernte nicht einbringen, sonst enthält der Honig zu viel Wasser und wird schnell schlecht. Egal wäre das, wenn man ihn ohnehin direkt als Backhonig verwenden will – oder natürlich, wenn man Met macht. Das war jetzt aber nicht mein Plan.

So kam in der letzten Augustwoche auch bei mir der Tag der Honigernte. Gewohnheitsmäßig zieht sich dieser Tag eigentlich über drei Tage hin – nicht, weil ich so viel Honig zu ernten hätte, sondern wegen der Vorbereitungen. Schon am Tag vor der geplanten Ernte ersetze ich das Königinnengitter zwischen dem oberen Brutraum und dem Honigraum (es gab in diesem Jahr nur einen) durch eine Bienenflucht. Das ist eine Art Brett mit einer Trichtervorrichtung, die dafür sorgt, dass die Bienen zwar noch aus dem Honigraum in die unteren Abteilungen kommen, aber nicht mehr andersherum. Etwa alle vier Stunden ist wohl Schichtwechsel im Bienenvolk, so dass nach und nach alle Arbeiterinnen ihren Arbeitsplatz wechseln. (Entgegen der landläufigen Meinung arbeiten Bienen weder 24/7, noch arbeiten sie den ganzen Tag an der gleichen Aufgabe.) Spätestens nach einem Tag ist der Honigraum dann leer – oder fast leer, denn ein paar „Expertinnen“ übernachten dann doch da oben oder finden vielleicht doch den Weg rückwärts durch die Einbahnstraße. Man muss aber dann nur noch diese drei, vier Expertinnen abfegen und nicht die gesamte Honigraum-Schichtmannschaft, was den „Honigklau“ für alle Beteiligten entspannter macht. Räuchern sollte man bei der Honigernte möglichst vermeiden, weil selbst der verdeckelte Honig – also der, den die Bienen für reif erachten und bereits mit einem Wachsdeckel versehen haben – noch leicht Fremdaromen annimmt. Honig aromatisieren ist aber verboten.

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Warum sollte man auch diesem perfekten Naturprodukt irgendetwas hinzufügen?

Naja, dank Bienenflucht ging es total ruhig. Beim Einlegen der Bienenflucht dagegen wurde ich zwei Mal gestochen, durch den Anzug hindurch. Beide Male von Bienen des rechten Stocks, übrigens. In diesem Fall würde ich das normalerweise tolerieren, weil ich ja direkt an ihrem Zuhause herumgefummelt habe, aber da ich auch beim Rasenmähen in diesem Sommer schon zwei Stiche eingesteckt habe – und zwar unproviziert, in respektvoller Entfernung von den Bienenstöcken – muss ich annehmen, dass die fiesen Stecher ebenfalls vom rechten Volk stammen (… eigentlich typisch, wenn man mir diesen bösen politischen Kommentar nachsehen möchte!). Die imkerliche Praxis gebietet, dort bei nächster Gelegenheit – der Einfachheit halber wohl im Frühjahr – die Königin zu ersetzen. Mal sehen, ob ich das durchziehe. Eigentlich mag ich solche Eingriffe ja nicht, aber ich muss schon zugeben, dass es wesentlich schöner ist, mit dem gelassenen linken Stock zu imkern, wo einen nicht schon beim Öffnen eine zornig summende Alarmgruppe umschwirrt, die pausenlos nach Lücken im Schleier sucht…

Aber erst einmal zurück zur Honigernte! Ich musste vor Ort mehrere Rahmen mit allzu frischem Honig aussortieren. Die durften die Bienen schon mal als Grundstock für den Wintervorrat behalten. So bin ich letztendlich mit nur einer vollen Zarge in den trockenen Vorratsraum gewandert. Der trockene Vorratsraum dient mangels Alternativen – unsere Küche ist ein Durchgangsraum und damit laut deutscher Honigverordnung nicht zum Schleudern geeignet – als Schleuderraum, der für diese Gelegenheit mit einem Klapptisch und natürlich der Honigschleuder versehen wird. Die Schleuder war ein Geschenk von einem Bekannten der Schwiegermutter, der die Imkerei aufgegeben hat, als er ins Betreute Wohnen umgezogen ist. Deshalb habe ich eine Schleuder mit Elektromotor, die ich mir selber nie gekauft hätte (nicht nur, weil elektrische Schleudern teurer sind, sondern auch, weil Elektromotoren störungsanfälliger sind als die gute alte Handkurbel, die zwar weniger Umdrehungen zustande bringt, aber dafür auch nach der Zombieapokalypse, dem flächendeckenden Netzausfall und anderen Horrorszenarien noch funktionieren würde! Naja, geschenkter Gaul und so. Ich will ja nicht undankbar sein.).

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Honigkarussel mit Elektromotor. Die Rahmen werden so lange im Kreis gedreht, bis die Fliehkräfte den meisten Honig aus den Waben herausgeholt haben.

Eine andere elektrische Segnung nutze ich bei der Honigernte aber sehr gern, und das ist der Heißluftfön. Als wir im Honiglehrgang davon erzählt bekommen haben, war die Skepsis groß, und ich hätte es wohl auch nie ausprobiert, wenn nicht eines Spätsommers das Entdeckelungsgeschirr des Imkervereins nicht zu bekommen war, weil wir Idioten natürlich alle am gleichen Wochenende schleudern wollten. Das Entdeckeln mit Besteckgabel erwies sich als ziemlich elend, und da erinnerte ich mich an den Trick mit dem Heißluftfön. Was soll ich sagen, es funktioniert großartig. Das Wichtige ist, die Tülle nur ganz kurz auf die Waben zu richten, so dass das Luftpolster zwischen Honig und Deckel sich in der Hitze schlagartig ausdehnt und den Deckel wegsprengt, ohne dass der Honig darunter „gekocht“ wird. Im Gegensatz zum Entdeckeln mit der Entdeckelungsgabel gibt es kein Gesibbsche und Geschlabber. Auch die vielen losen Wachsteilchen, die einem später das Sieb verstopfen, kommen viel seltener vor.

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Entdeckelt mit dem Heißluftfön: Das sonst übliche Geklebe und Gematsche bleibt völlig aus. Nicht ein Tropfen Honig auf dem Blech!

Aber für den Fall der Zombieapokalypse werde ich mir sicher trotzdem irgendwann ein Entdeckelungsgeschirr zulegen. 😉 Die entdeckelten Rahmen wandern dann in die Schleuder und werden in beide Richtungen geschleudert, gewendet, nochmal in beide Richtungen geschleudert… naja, man muss schon zugeben, dass das mit dem Elektromotor einfacher ist. Der kommt halt auf höhere Touren, als man mit der Handkurbel hinlegen würde.

Für meine Verhältnisse war es sogar eine gute Ernte – es sind ziemlich genau 10 kg Honig dabei herumgekommen. Das ist für erfahrene Imker zwar lächerlich, aber da mein alter „Rekord“ bei 6,4 kg lag, immer noch ein Erfolg.

Nun dürfen leider weder Honig noch Imkerin ruhen, denn das edle Zeugs muss nun bis zur endgültigen Reife täglich gerührt werden, um die Kristallbildung zu unterbinden. Denn wenn man Honig lange genug ruhen lässt, kristallisiert der Zucker durch, was zwar hübsch aussieht, aber doof zum Verstreichen auf dem Frühstücksbrot ist und so schäbig zwischen den Zähnen knirscht. Soll auch Imker geben, denen das egal ist. Ich erinnere mich mit „Freuden“ an einen alten Bauern im Honiglehrgang, der stolz seinen eigenen Honig im Glas hoch hielt, in dem riesige Kandiskristalle blühten: „Da, goldfarben und feinkristallin!“ Äh, nein. Daher die Rührerei. Weil Honig in größeren Mengen erschreckend schwer zu rühren ist, greift der moderne Imker auch dafür auf ein technisches Hilfsmittel zurück, nämlich einen Bohrhammer, in den das Rührwerk eingespannt wird. Es soll allerdings auch Honigstampfer geben, die nicht nur weniger Luft in den Honig hineinrühren, sondern es auch ermöglichen, den Honig nur ein einziges Mal nach dem Ende der Reifezeit durchzuquirlen. Liebes Christkind, den wünsch ich mir! 😉

Am dritten Tag der Honigernte wird dann noch die Schleuder gereinigt. Es gibt natürlich auch fleißige Imker, die das sofort machen, wenn der letzte Rest Honig in den Eimer gebracht ist. Aber wenn der letzte Rest Honig endlich durch das letzte Sieb gegangen ist (was bei der zähflüssigen Masse eh seine Zeit braucht), hab ich keine Einstellung mehr zum Putzen. Also bleibt die Schleuder über Nacht klebrig und am nächsten Tag kann ich mich mit neuer Motivation ans Werk machen. Das ist halt der Vorteil, den man hat, wenn’s die eigene Schleuder ist und nicht der nächste Imker sehnlichst darauf wartet. Luxus!

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Alles alle! Naja, nicht ganz. Die letzten Reste dürfen die Bienen saubermachen. Dann kann man die gereinigten und reparierten Waben auch gleich für die Völkererweiterungen im nächsten Jahr verwenden.

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4 Antworten zu “Honigernte 2016

    • Ja, Bienenhaltung ist auch wirklich spannend und belohnend… kann aber auch frustrierend sein, wenn die Bienen sich einfach nicht an das halten, was man beigebracht bekommt und wovon die „alten Imker“ schwören, dass das immer funktioniert hat. Ist aber auch toll, sich nach und nach in so ein Volk einzuarbeiten… und natürlich ist viel Einbildung dabei, aber eigener Honig ist einfach großartig! 🙂

    • Aber gern! Wenn man einmal anfängt, sich mit Bienen zu beschäftigen, kann man von dem Thema ja gar nicht mehr genug kriegen. 🙂 Lieben Gruß, Christiane

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