Gartenrundgang Mitte September

Was, schon wieder ein Monat rum? Und was für ein unglaublicher Gegensatz zum Letzten. Habe ich im August noch geklagt, dass es eigentlich dauernd geregnet hat, klage ich jetzt eher darüber, dass ich dauernd gießen muss. Dadurch ist nun im Spätspätsommer nun noch einiges in Fahrt gekommen, das ich schon aufgegeben hatte. Ob es nun noch reifen kann, wird sich zeigen. Wenn ja, lehrt mich das hoffentlich, ein wenig ruhiger mit nassen Sommern umzugehen… und die Bohnen einfach erst im Juli zu setzen 😉

Diesmal soll es auch mehr ein Rundgang sein als ein wildes Hin-und-her… fangen wir also im Küchengarten an.

rundgang0901

Dort sind nun schon einige Beete in einem – hoffentlich – für die nächsten Jahre nutzbaren Zustand – mit Wühlmausgitter und gesiebtem Boden, angereichert mit Laub, Mist, gammeliger Schafwolle und unreifem Kompost. Der schöne Frühbeeteffekt ist vielleicht ein bisschen verschwendet – andererseits bekommen dadurch die späten Kulturen vielleicht noch einen kleinen Anschub, denn nicht alle sind für die Herbstkultur gedacht.

Die Buschbohnen zum Beispiel sollten ja jetzt eigentlich schon beerntet sein, stattdessen entwickeln diese gerade erst Blütenansätze. Ich habe sie auch erst vor einem Monat gesät. Die Frühjahresaussaat ist ja nahezu vollständig den Schnecken oder Wühlmäusen zum Opfer gefallen. Deshalb teste ich jetzt einfach mal gezielt die Grenzen der Wachstumsperiode. – Warum der Kater unbedingt mit dem Porree kuscheln muss, habe ich noch nicht herausgefunden. Er liegt dort leider sehr gern und knickt die Schäfte um. – Die letzten Erbsen reifen vor sich hin. Auch dies war eine spät gesäte Fuhre vom Juni, was offensichtlich überhaupt kein Problem ist. – Für Tee ist der Gewürzfenchel schon reif genug, für die Aussaat braucht es noch ein paar Wochen. Die Feigen sind immer noch am Baum, vielleicht kann ich ernsthaft eigene Feigen ernten?! – Die ersten beiden Dauerbeete sind auch schon wühlmausbegittert, im einen wachsen Spargel, guter Heinrich und die einsame Artischoke, im nächsten „exotische“ Wurzelgemüse: Erdkastanie, Knollenziest und Erdmandel. Später kommt noch Sumpfziest dazu, um den direkten Vergleich zwischen den beiden zu ziehen. Momentan ist an die Stelle der Rhabarber umgezogen, weil das dritte Dauerbeet (ganz hinten rechts) gerade aufgearbeitet wird. Später kommen da dann Rhabarber und Meerrettich hin. – Rote Bete (oder vielmehr blassrosa Bete) und Möhre blühen auch gerade erst, ob das in diesem Jahr noch was gibt mit der Saatguternte?

Ach ja, ich habe jetzt einen Pflanztisch im Küchengarten! Die Schwiegermutter hat (endlich) ihren Kaminofen geliefert bekommen und die dabei verwendete „Umverpackung“ schrie einfach danach, umgedreht und als Stehtisch verwendet zu werden. Es gibt ja noch genug, was ich umtopfen und -pflanzen muss, wenn bloß irgendwann mal Platz dafür frei ist. – In der Kräuterschnecke hat sich der Schildampfer ziemlich breit gemacht. Demnächst plane ich, mich an milchsauer eingelegtem Ampfer zu probieren. Wenn das in Frankreich mit Sauerampfer klappt, wird es ja wohl auch mit Schildampfer gehen. Danach können dann auch ein paar Kräuter aus den Töpfen umziehen.

Weiter geht es durch den Hof zum Gartenteil der Schwiegermutter. rundgang0911

Die Chrysantheme müsste ich auch mal wieder gießen. Da steht sie schon direkt vor der Haustür und wird doch immer vergessen.

Original und Fälschung… nein Quatsch. Der alte Steintrog stand schon beim Einzug vor der Haustür. Nach und nach entstand darin ein Steingarten – erst mit Mergeltrümmern und einer Hauswurz, dann kam die Ytong-Eins dazu, die zufällig beim Ausmauern des Mietwohnungs-Kinderzimmers entstand, dann diverse Ableger, irgendwann suchte ich einen Platz für den Wacholder im Topf, die Steampunk-Eule war ein Geschenk meines Bruders und zuletzt kam noch die Silberwurz dazu, die in diesem Jahr zweimal sehr schön geblüht hat. Also ein gewachsenes Gefüge. Im Gegensatz dazu entstanden die Steingärtchen in Kübeln auf Schwiegermutterns Terrasse innerhalb einer Stunde. Ihre Floristen-Freundin hatte ihr ein paar Hauswurzen in Töpfchen geschenkt, die wir dann mit ein paar Ablegern aus der Trockenmauer ergänzt haben. Schwiegermuttern hat eigentlich nicht die Geduld, um zu warten, bis aus Ablegern prächtige Gewächse werden, aber in Kombination mit den „fertigen“ Hauswurzen kann sie es aushalten, sagt sie.

Schwiegermuttern ist eben eher der Typ für geordnete, fertige Verhältnisse, regelmäßiges Rasenmähen und pflegeleichte, immergrüne Hecken. Trotzdem freut sie sich mittlerweile sehr über den Staudenhang und fragt regelmäßig, ob ich je damit gerechnet hätte, dass der so schön wird. Sicher hab ich, sonst hätte ich mir die Mühe ja nicht gemacht! Momentan dominiert dort am oberen Rand die Goldrute, mittig die Fetthenne und ganz unten bereitet sich das Heidekraut auf die Blüte vor. Auch hier liegen einige Gemüsebeete. Rechts die Kartoffelpyramide, in der ich nun schon ein bisschen geerntet habe. Die Knollen im obersten Rahmen reichten gerade für ein Abendessen, ich hoffe, da kommt noch mehr. Links die verunglückte Milpa – da die Kürbisse ja Raub der Schnecken wurden, habe ich dort verspätet rote Bete gesetzt, die dort nun ganz prächtig gedeiht. Dem Mais ist es offenbar egal. Und die Reiserbohne „Vermont Yellow Eye“ verträgt sich als Hülsenfrucht ja ohnehin gut mit roter Bete. Diese Bohnen habe ich übrigens auch erst Anfang Juli gesteckt, als Ersatz für die ursprüngliche Aussaat, die – wer hätte es gedacht – den Schnecken zu gut geschmeckt hat.

Im Schatten hinter den beiden Beeten beginnt der zivilisierte Teil der Halde a.k.a. Elfengarten. rundgang0915

Es tut sich was! Die ersten schattenverträglichen Gewächse sind eingezogen, außerdem – zwangsläufig unsichtbar – die Narzissen und Waldhyazinthenzwiebeln. Schlauerweise habe ich unterschiedliche Narzissensorten gewählt, mir die Beutel aber nicht markieren lassen, so dass ich wohl im Frühjahr noch mal die passenden zusammensetzen muss. Oder auch nicht, wenn die Zufallsmischung gut aussieht. Nächstes Jahr kommen dann auch Dekoelemente

Von der Halde zur Terasse.Wer kleine Kinder hat, sollte sich um Ordnung eh keinen Kopf machen… Hier wachsen die wärmebedürftigen Gewächse, die im Winter drinnen überdauern, mehr oder weniger gut. Unglaublich, aber wahr: reife Tomaten! Anders als im August behauptet zeigt sich nun, dass es nicht die „Oranzhevaja Slivka“ ist, die hier dem Regen und dem Falschen Mehltau getrotzt hat, sondern die „Rote Zora“. Eine Dreschflegel-Sorte, man hätte es sich ja fast denken können.

Der vorläufig letzte Gartenteil liegt benachteiligt halb unter dem Walnussbaum und wird auch noch von diversen Sträuchern beschattet. Der Kapuzinerkresse gefällt das wider Erwarten gut. Das einzig überlebende Kürbisgewächs – ich weiß nicht mal mehr, welche Sorte – bemüht sich noch zu blühen. Ich überlege noch, ob ich die Blüten direkt fülle und frittiere oder ob ich doch noch abwarte, ob unter so ungünstigen Bedingungen noch Früchte essreif werden können. Im Übrigen wird hier in den nächsten Wochen noch ein Kraftakt nötig, um die vier Rahmenbeete wühlmaussicher aufzurüsten bzw. noch zwei weitere Beete anzulegen, für die im Frühjahr die Zeit nicht mehr gereicht hat. Denn in diesen Teil des Gartens wandern im nächsten Jahr die Zwiebelgewächse – und Knoblauch und Schalotten müssen ja schon bald gesteckt werden.

Also genug geknipst und gesabbelt – zurück an die Arbeit. Auch bei euch anderen gibt es vermutlich mehr als genug zu tun in dieser ernteträchtigen Zeit. Viel Erfolg und Freude dabei!

Advertisements

3 Antworten zu “Gartenrundgang Mitte September

  1. Das war ein richtig schöner Gartenrundgang und mir gefällt es richtig gut bei euch. Zwar habe ich eine Weile gebraucht (der scharfsinnige Betrachter bemerkt es gleich), bis ich ausreichend Zeit hatte, mir die Bilder in Ruhe anzusehen, aber es hat sich gelohnt. Wirklich toll. Etwas neidisch bin ich auf den Knollensellerie, dieses Jahr habe ich die vorgezogenen Pflanzen viel zu spät ausgepflanzt weil mal wieder kein Platz war, vielleicht sollte ich auch mal eine Katze als Wachstums-Booster dazulegen.

    Eine Frage bleibt, du schreibst „Erdkastanie, Knollenziest und Erdkastanie“ – ist das die Reihenfolge oder sollte da noch ein dritter im Bunde erwähnt werden? Wenn ja, würde der mich nämlich interessieren!

    Liebe Grüße von Oli, die etwas Respekt hat ihren Garten zu betreten geschweige denn zu fotografieren – vor lauter Ernte und Verarbeitung ist da unbändiger Wildwuchs …

    • Aw, vielen Dank für die freundlichen Worte! Da ich immer total gern durch euren Garten „gehe“, freut mich das Lob von dir natürlich besonders.
      Der Sellerie ist geschummelt, muss ich gestehen – das grausame Experiment ist leider an irgendwelchen Viechern gescheitert, die die Restknollen in eine stinkige, matschige Masse verwandelt haben. Darum habe ich mir im Juni bei der Gartenarche Jungpflanzen gekauft, die offenkundig ein fähigerer Gärtner vorgezogen hatte. Jetzt traue ich mich vor lauter Ehrfurcht gar nicht, sie zu ernten, obwohl sie eigentlich reif sein dürften. An der Katze liegt es jedenfalls sicher nicht!
      Dafür beneide ich dich ein bisschen um deinen Erntesegen. Ich bin in den letzten Wochen zwar auch ab und zu ans Schwimmen gekommen, aber insgesamt ist die Ausbeute doch eher überschaubar…

      Gut aufgepasst, da habe ich beim Schreiben gepennt! Der dritte im Bunde ist die Erdmandel, mit der ich noch überhaupt keine Erfahrung habe, aber hoffentlich beizeiten welche sammeln kann.

      Ganz liebe Grüße zurück! Und du kriegst deinen Garten schon wieder in den Griff, wenn die Erntezeit vorbei ist… zumindest da, wo es wichtig ist. 🙂

  2. Pingback: Gartenrundgang quer durch den September – mit Schandflecken | Landidylle·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s