Spontanes Erntedank-Menü

Im Gegensatz zum großen Scheunenfest vor zwei Jahren war unsere diesjährige Erntedank-Feier eher spontaner Natur. Meine Eltern waren eh zu Besuch, daraus ergab sich dann eine Einladung zum Abendessen. Ich hatte den Ehrgeiz, zur Feier der glücksverheißenden Kombination aus kürzlich absolviertem Herbstanfang, unmittelbar bevorstehendem Erntedankfest und darauf folgendem Nationalfeiertag (das klingt irgendwie spektakulärer als Tag der Einheit, oder?) ein kleines Festmenü zu kochen, das allerdings wiederum nicht zu spektakulär werden konnte, weil die Vorbereitungszeit begrenzt war (es sollte ja trotz Wochenende nicht zu spät werden) und ich auch nicht groß eingekauft hatte. Solche Ideen hat man ja immer samstags abends und unter Zeitdruck…

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Der Feldsalat macht sich auch als Beilage gut, aber ich habe ihn der Einfachheit halber zur Vorspeise erklärt.

Zum Glück hatte Herr Eifgental sich ohnehin „für die Tage mal“ gefüllten Kürbis gewünscht, für den ich die Zutaten also da hatte. Leider konnte ich nicht auf die eigene Milpa zurückgreifen, denn dort war der Kürbis ja nie gewachsen – Mais und Bohnen hingegen werden (hoffentlich!) erst noch reif. Also fremd eingekauft. Aber jedenfalls bereits im Haus. Um der gewachsenen Personenzahl gerecht zu werden, musste lediglich eine Sättigungsbeilage her, und schon stand das Hauptgericht: gefüllter Kürbis mit brasilianischem Reis. (Der Reis stammt nicht etwa aus Brasilien, aber die Kombination habe ich meiner brasilianischen Tante abgeschaut, daher der Name. Der gefüllte Kürbis ist nicht mit den gefüllten Kürbisschiffchen zu verwechseln!) Für die Vorspeise bot sich Feldsalat an, denn der wächst schon ganz prächtig und muss teilweise sowieso weichen, weil ich die Beete ja noch mit Wühlmausgittern nachrüsten muss. Daraus wurde ruckzuck ein leckerer Salat mit angebratener, fein gewürfelter roter Zwiebel (eine von den fünf, die ich den Wühlmäusen in diesem Jahr abtrotzen konnte) und Sonnenblumenkernen, etwas Salz, einem TL Ahornsirup und einem guten Schluck Holunder-Balsamico.

Das Hauptgericht gelang ebenso gut und verdient eine ausführlichere Rezeptbeschreibung:

Gefüllter Kürbis zu brasilianischem Reis

Zutaten für den Kürbis:

  • 1 Kürbis, groß genug für die Füllung aber nicht zu groß für den Backofen
  • 2 rote Zwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 Dosen Mais (oder entsprechend viel Maiskörner aus eigenem Anbau)
  • 2 Dosen Kidneybohnen (oder andere süßliche Reiserbohnen, bereits weich gekocht)
  • 300g eingelegte Artischokenherzen, abgetropft
  • 500g Hackfleisch (egal ob Rind, Schwein oder gemischt)
  • Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer, Paprika edelsüß, Zimt, Muskatnuss
  • etwas Ysop, Oregano, Rosmarin und Bohnenkraut
  • 1 Lorbeerblatt
  • Sonnenblumen- oder Rapsöl zum Braten

Zutaten für den Reis:

  • 100g ganze Haselnusskerne
  • 2 Tassen Basmati-Reis
  • 4 Tassen Wasser
  • 1 Bund Petersilie
  • Salz zum Abschmecken

Den Backofen auf 180°C vorheizen. Damit er das nicht sinnlos tut, kann man bereits die Haselnusskerne auf einem mit Backpapier oder Backmatte abgedeckten Blech in den Ofen schieben. Während sie dort vor sich hin rösten (ab und an nachschauen, dass sie nicht verbrennen!), geht es an den Kürbis.

Es beginnt wie beim Halloween-Kürbis: Den „Deckel“ vom Kürbis abschneiden und den Kürbis aushöhlen. Die Kerne kann man als Saatgut trocknen oder bei masochistischer Neigung rösten, schälen und für Öl oder zum Naschen verwenden. Das Fruchtfleisch wird für die Füllung gebraucht und deshalb gewürfelt. Etwa 2 cm dick sollte die Wand des ausgehöhlten Kürbisses am Ende noch sein.

Die Zwiebel hacken, den Knoblauch in feine Scheiben schneiden. Das Hackfleisch in etwas Öl anbraten, dann Zwiebeln und Knoblauch dazugeben und schön durchgaren. Mit einem Hauch Zimt und einem noch kleineren Hauch Muskatnuss würzen und beiseite stellen. Die Artischokenherzen zerkleinern (falls nötig) und zur Hackfleisch-Zwiebel-Mischung geben.

In einem hinreichend großen Topf (ähnlich dem Kürbis) wird das gewürfelte Kürbisfruchtfleisch kurz angebraten, dann gesalzen und bei geschlossenem Deckel weichgeschmort. Dann kommen Bohnen, Mais und Lorbeerblatt. Kurz aufkochen, dann kann man den Herd ausschalten. Lorbeerblatt entfernen, Hackfleischmischung mit dem Gemüse verrühren, die gehackten Kräuter dazugeben und das Ganze mit Salz, Cayenne-Pfeffer, schwarzem Pfeffer und Rosenpaprika abschmecken.

Die Nüsse rechtzeitig aus dem Ofen retten. Den Kürbis kann man nun befüllen und zum Warmhalten in den Ofen stellen. Das Originalrezept sieht eigentlich vor, dass man die ganze Füllung (abgesehen vom vorher durchgebratenen Hackfleisch) im Kürbis selber gart, aber davon bin ich weg. Selbst wenn der Kürbis nicht nach vollendeter Garzeit vollends die Form verliert und unschön um die Füllung herum auf den Schüsselboden rutscht, ist er jedenfalls danach zu nichts mehr zu gebrauchen. Nutzt man ihn hingegen nur als angewärmte Servierschüssel, kann man ihn später noch für Suppe und zum Dekorieren benutzen. Dazu später mehr. Jedenfalls: Die Nüsse kommen vor dem Verbrennen aus dem Ofen und dürfen auf einem sauberen (aber nicht wertvollen) Tuch ein wenig abkühlen.

Zwischenzeitlich hat man hoffentlich daran gedacht, einen Topf für den Reis mit Wasser befüllt und selbiges zum Kochen zu bringen. Dann kommt der Reis hinein und wird zunächst gekocht und dann im geschlossenen Topf quellen gelassen. Wer einen Reiskocher hat, kann den natürlich auch verwenden, ich habe aber bislang nie Probleme mit „normal“ gekochtem Reis gehabt und sehe die Investition daher nicht ein. Man muss natürlich ggf. Wasser nachfüllen, damit der Reis nicht anbrennt bzw. ordentlich quellen kann. Aber man wuselt ja ohnehin in der Küche herum und kann also auch hin und wieder mal nach dem Reis schauen, nicht wahr?

Wenn man die Nüsse anfassen kann, ohne sich die Pfoten zu verbrennen, klappt man das Tuch zu und reibt die Nüsse darin aneinander, damit sie den größten Teil ihrer holzigen Häutchen abwerfen. Dann kommen sie in eine Schüssel, in der man sie mit dem fertig gekochten Reis und der grob gehackten Petersilie vermählt. Mit Salz abschmecken, fertig. Zusammen mit dem Kürbis servieren.

Guten Appetit!

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Wenn es Reste gibt, kann man sie in der geschlossenen „Kürbisschüssel“ getrost über Nacht aufheben und am nächsten Tag noch als Mittagessen genießen.

Da der Backofen ja ohnehin warmlaufen musste, habe ich mich zum Nachtisch für eine herbstliche Brüllcrème entschieden. Herbstlich ist daran, dass ich statt Vanillezucker Ahornsirup verwendet habe. Das Rezept war improvisiert, hat aber funktioniert, jedenfalls, wenn man seine Crème brûlée relativ fest (und noch warm) mag und keine puddingweiche Konsistenz erwartet. Nötig war der Nachtisch nach dem dicken Kürbis nicht, aber es sollte ja nun mal ein Menü sein!

Créme brûlée à l’érable oder so

  • 200g Sahne
  • 200ml Milch
  • 100ml Ahornsirup
  • 3 Eier
  • Zucker für die Karamellkruste (wer hat, möge Ahornzucker nehmen – ich hatte nicht)

Sahne, Milch und Ahornsirup verquirlen und kurz aufkochen. So weit abkühlen lassen, dass man gefahrlos (d.h. ohne vorzeitiges Stocken) die Eier hineinrühren kann. Die Masse in ausreichend Créme brûlee-Förmchen oder vergleichbare ofentaugliche Gefäße geben.

Die Gefäße kommen in die Fettpfanne bzw. je nach Höhe in eine große Kuchen- oder Auflaufformform. Wichtig ist, dass man diese „Umverpackung“ ebenso hoch mit kochendem Wasser füllen kann, wie man die Förmchen mit der Sahne-Ei-Masse gefüllt hat. Deshalb habe ich statt der Fettpfanne ja auch eine Kuchenform genommen…

Jedenfalls wird diese Wanne um die Förmchen herum mit kochendem Wasser gefüllt, dabei aufpassen, dass man das Wasser nicht in die Förmchen hineinspritzen lässt, sonst stockt die Brüllcreme gegebenenfalls nicht mehr. Ab in den vorgeheizten Backofen damit. Ich hatte das Glück, dass ich problemlos die gefüllte Kuchenform unter dem Backblech mit dem Kürbis stehen lassen konnte (unter das Blech mit den Nüssen hat’s eh gepasst). Der Wasserdampf hat dabei nicht geschadet. Nach ca. 50 Minuten ist die Crème gestockt – man erkennt es daran, dass die Oberfläche blasig wird und nichts mehr schwappt, wenn man die Förmchen aus dem Wasserbad nimmt. Eine „echte“ Crème brûlée soll man eigentlich vollständig erkalten lassen bzw. danach sogar in den Kühlschrank stellen. Meine habe ich lediglich beiseite gestellt und nach der Kürbis-Völlerei mit einer dünnen Zuckerschicht versehen, die Herr Eifgental dann mit dem Handgasbrenner karamellisiert hat.

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Der Ahorngeschmack könnte noch besser rauskommen, aber lecker war’s auch so.

Alle waren zufrieden bzw. höflich genug, eine zweite Portion zu nehmen, das spontane Menü war also ein Erfolg. Vorbereitungszeit: 1 Stunde und 7 Minuten (+ später noch die Zeit, die man für die Karamellkruste braucht), yeah! Professionelle Kürbisaushöhler schaffen es wahrscheinlich noch schneller.

A propos Kürbisaushöhlen: Wie gesagt möchte ich die Kürbisschüssel, wenn sie denn dann leer gegessen ist, gern weiter verwenden. Da die Innenseite durch die Füllung kontaminiert ist, wird diese auf ca. 1cm abgeschabt (deshalb lasse ich ja auch so viel davon stehen, statt den Kürbis direkt auf Schnitzdicke abzutragen). Dann wasche ich den Kürbis innen mit Essigwasser aus und lasse ihn trocknen.

Das nunmehr entfernte Kürbisfleisch wurde mit Porree, Butter, Sahne, Salz, Ingwer und Cayenne-Pfeffer zur Suppe verarbeitet. So hat der Kürbis auch noch das Abendessen am nächsten Tag gesichert. 😉

Die einstige Kürbisschüssel kann dann noch als Schnitzkürbis oder kurzlebige Blumenvase verwendet werden. Da Halloween noch vier Wochen entfernt war und der Kürbis bis dahin sicher nicht mehr halten wird, habe ich mich für Letzteres entschieden und im Garten diverse Blüten und Fruchtstände geschnitten: Fetthenne und Chrysantheme, Goldrute, Rainfarn, Weinraute, Dost, ährigen Erdbeerspinat, Sonnenhut, Blutjohanniskraut, Efeu, spanisches Gänseblümchen, Heidelbeerkraut, wilde Möhre, Bergflockenblume und was mir sonst noch so in die Finger kam. Das Verteilen des Steckguts im Kürbis hat der Nachwuchs übernommen. Dafür ist das Ergebnis erstaunlich harmonisch geworden – vielleicht sollten wir es statt Musikschule mal mit Ikebana versuchen. Händewaschen hinterher nicht vergessen…

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Schöner wär’s bei mir auch nicht geworden und sie hatten sogar Spaß dabei.

Ach so, nachmittags hatte ich noch ein wenig in der Erde gewühlt, um ein Kistchen mit Gaben für den Erntedank-Gottesdienst zu füllen. Kartoffeln, rote Bete, Zwiebeln, Äpfel, Porree und Stangenbohnen konnten rein, außerdem ein Glas Johannisbeermarmelade (damit die Sommerfrüchte wenigstens überhaupt repräsentiert sind) und zwei Handvoll Walnüsse. Der Baum schmeißt seit einer Woche wieder um sich. Ob das „Opfer“ mir ein erfolgreiches nächstes Erntejahr bringt, wird sich zeigen, aber schaden kann so’n bisschen Segen von oben jedenfalls nicht…

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Ein Wochenende aufm Altar, danach geht’s an die Tafel. Ich hoffe, da ist selbstgemachte Marmelade überhaupt erlaubt. Sonst muss der gute Wille reichen.

 

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2 Antworten zu “Spontanes Erntedank-Menü

  1. Die beiden Ikebana-Meister würde ich dann doch gerne mal ausleihen, auch auf die Gefahr hin, dass die 3, wenn sie sich zusammenrotten tatsächlich eine kosmische Verknüllung darstellen.
    Der Artikel hat mir sehr gut gefallen, ich mag es ja, wenn eins ins andere greift. 🙂
    Du hast mich daran erinnert, mich irgendwann einmal durch meinen Kürbisdschungel zu schlagen (lange kann es ja nicht mehr dauern, bis der Frost die dahin rafft) und nach meinen – nach deinem Tipp – selbst ausgesäten Feldsalat zu suchen. ‚Normalerweise‘ müsste das ganze Beet voll sein, aber der Kürbis hat wahrscheinlich kein Quentchen Licht dran gelassen.

    Ich frage mich jetzt, ob ich die Brüllcreme auch mit wahlweise einem Unkrautbrenner oder einem Flammenwerfer wie die Dachdecker sie benutzen abflammen kann, wird wahrscheinlich eher thermische Vernichtung … hach naja, man kann nicht alles Equipment haben.

    Liebe Grüße, Oli

    • Wir können ja mal für ein Wochenende tauschen – Ikebana-Meister gegen Bohnenpulerin 😉 Zusammen lassen darf man sie wahrscheinlich wirklich nicht, sonst bauen sie eine Mondrakete und/oder lassen einen Haufen panischer Enten, Katzen oder Bienen hinter sich…

      Ich freu mich auch immer, wenn sich mal alles gut verknüpfen lässt – daher auch der ausführliche Bericht. 🙂

      In vergangenen Jahren ist der Feldsalat bei mir auch unter einen Gestrüpp aus blühenden Radieschen (und die werden ja richtig groß, wenn man sie lässt!) gekeimt, aber natürlich dann im Oktober noch nicht so groß gewesen, dass es sich zu ernten lohnt. Aber wenn dann die Deckpflanzen weg waren, ist er gut weitergediehen und war dann eben im Dezember so weit. Da kann man ihn erst Recht gut brauchen!

      Wenn man die Brüllcreme warm mag, kann man ggf. sogar die Grillfunktion des Backofens nutzen. Mit anderen Methoden habe ich keine Erfahrung, man hat mir ja irgendwann mal gnädigerweise diesen Handgasbrenner geschenkt. Aber wenn die Förmchen groß genug sind, geht’s vielleicht auch mit dem Flammenwerfer? XD

      Lieben Gruß zurück!

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