Garten-Rundgang Mitte Oktober

Auch wenn es mittlerweile – besonders nachts – schon knackig kalt wird, kann man nach wie vor mit Recht behaupten, dass der Herbst der bessere Sommer ist. Ja, man könnte fast sagen, dass mich die letzten Monate mit dem vermurksten ersten halben Jahr 2016 versöhnt haben. Zwar hechle ich den vielen Aufgaben, die sowieso zu erledigen sind – gepaart mit denen, die sich gehässig dazwischendrängeln, wie etwa Knoblauch stecken oder Saatguternte – nach wie vor hinterher. Aber dafür sieht der Garten inzwischen wieder so aus, als könnte man dort tatsächlich etwas ernten (und gelegentlich stimmt das sogar). Entsprechend höre ich von den Spaziergängern, die am Gartenzaun vorbeiwandern, inzwischen immer öfter „Ach, so ein richtig schöner alter Bauerngarten!“ statt „Schau mal, da bauen sie Steine an“…

Der „richtig schöne alte Bauerngarten“ ist allerdings noch lange nicht so richtig schön, wie ich ihn gern hätte!

16okt11

Wie üblich beginnt der Gartenrundgang genau dort. Zuunterst: Ein Stauden- und Blühstreifen, dann ein mehr oder weniger befestigter Pfad, dann die schmalen Beete für die Dauerkulturen. Mittlerweile sind sie alle mit Wühlmausgittern ausgestattet und größtenteils wieder bepflanzt, nur der ungeplante Meerrettich steht noch im ebenso ungeplanten Kartoffelbeet (a.k.a. was passiert, wenn man Wurzelreste im Boden lässt. Macht nix, denn die eigentlich dort geplanten Kulturen sind ja eh nicht gekommen…). Vor den Dauerbeeten sieht man noch die Reste der geplanten Kartoffelbeete, die auch noch nicht richtig beerntet sind. Hoffentlich gibt es noch keinen Bodenfrost. Rechts von den Beetreihen wuchern die Johannisbeersträucher, links erkennt man die Reste zweier Gartentore (eins war schon weg, als wir eingezogen sind – das andere haben wir aus Baumarktholz gebastelt, es hat immerhin drei Jahre gehalten). Der Rest ist sowieso schlecht zu erkennen, vielleicht finde ich an einem langen, kalten Winterabend (TM) ja mal Zeit für eine Skizze. Nun erst mal zu den Details.

Das Karree links von den Torpfosten ist für meine Heil- und Küchenkräuter reserviert. Das Teebeet wurde dieses Jahr sträflich vernachlässigt. Mein einziger echter gärtnerischer Eingriff war das Entfernen einer Zitronenmelisse, die zu viel Platz und Licht beansprucht hat. Zum Glück sind die meisten Kräuter hart im Nehmen. Nur die Agastachen sind schon im Frühjahr von den Schnecken gefressen worden und die Echte Verbene führt ein trauriges Schattendasein. Irgendwie reicht der Platz im Garten nie für alles, was man sich vornimmt – kennt ihr das? — Die Kräuterserpentine sieht dafür im Augenblick relativ sparsam aus, weil ich den Schildampfer brutalst zurückgeschnitten habe (und sauer eingelegt habe, vielleicht folgt ja demnächst mal ein Bericht), der Schnittlauch dieses Jahr auch kümmert und das Basilikum zugunsten der Stecklingsüberwinterung auch gekappt wurde. In der linken Ecke: Die einzige Winterheckenzwiebel, die die Wühlmäuse übrig gelassen haben. War es Mitleid?

Die Stangenbohnen reifen tatsächlich noch ab. Fazit: Ein nasser Mai ist noch nicht aller Tage Ende. – Blattsenf ist auch als Nachkultur dankbar, in diesem Fall hatte ich einfach die verholzenden Stengel mitsamt Fruchtständen als Mulch verwendet. Zwei Monate später: Jede Menge Salatgemüse. — Der Feldsalat ist in diesem Jahr schon sehr weit, er hatte ja auch wenig Sommerkonkurrenz. Dazwischen wachsen diverse Japanquitten, Wildpflaumen und Pfirsich-(oder Nektarinen?)-Jungpflanzen. Das kommt davon, wenn man seinen Kompost nicht siebt. Aber Sträucher kann man ja immer brauchen. Und wenn die Pfirsiche (oder Nektarinen) den Winter überleben, könnten sie sogar den Grundstock für ein kleines Spalier bilden… — Ich glaube, die Buschbohnen werden nix mehr. Irgendwie haben sie zu viel Kraft ins Höhenwachstum investiert (dabei sollen Buschbohnen das doch gar nicht!), mittlerweile blühen sie zwar, aber weiter werden sie es sicher nicht mehr schaffen. Naja, Hülsenfrüchte sind ja auch ein guter Gründünger – nur schade um’s schöne (Dreschflegel-)Saatgut. Es war halt einfach zu spät dafür. Die gelbe Bete dagegen scheint ganz gut aufzuholen, und die Radieschen in diesem Beet sind GIGANTISCH geworden.

16okt07

Leere Beete sind attraktiver als jeder Sandkasten…

Die Artischoke genießt es offensichtlich sehr, dass sie nicht mehr im Kübel wohnt. Ich wünsche ihr sehr, dass sie den Winter überlebt. Sonst muss ihre Nachfolgerin doch wieder in einen Topf ziehen. – Sogar die Sommerblumen finden, dass der Oktober eine gute Zeit für sie ist! — Das kleine Rondell am Wegkreuz ist ein klein wenig verwildet, trallala. Die Hortensienblüte ist übrigens dieselbe, die ich im August geknipst habe. Also, die selbe Blüte, nicht nur die selbe Pflanze!

16okt12

Nun geht es über die Straße unter den großen Walnussbaum. Die Hecke rechts gehört zu den Nachbarn Bergauf, hat also mit dem Gartenrundgang nichts mehr zu tun. Das Grundstück unter dem Walnussbaum leidet nicht nur unter dem Baum (= Schatten, Gerbsäure und andere wachstumshemmende Substanzen), sondern auch unter Vernachlässigung und neuerdings Trockenheit. Als ich dort angefangen habe, die neuen Zwiebelbeete vorzubereiten (immerhin!), war der Boden wirklich vollständig ausgetrocknet, und das, nachdem es schon wieder ein paar Mal geregnet hatte. Da muss ich mir dringend Gedanken darüber machen, wie ich das künftig bewässere, denn Kannenschleppen ist mir in dem Umfang zu blöde und die Gartenschläuche reichen nicht bis dort hin. Ich habe zwar schon im Mai eine Regentonne aufgestellt, aber die ist inzwischen gerade mal knietief gefüllt. Mehr Regentonnen? Brunnen bohren ist im Naturschutzgebiet keine Option, außerdem liegt der Garten oben auf dem Berg, da muss man vermutlich allzu tief bohren (wenn man nicht gerade beim Zaunpfahlsetzen die Wasserleitung der Mühle im Tal erwischt – nicht, dass uns sowas schon mal passiert wäre oder so… *pfeif*).

16okt13

Dauernass ist hingegen dieser Bereich, der auch noch ungünstig zwischen Rhododendron und Fichte liegt (vom Walnussbaum in Westrichtung ganz zu schweigen). „Irgendwann mal“ soll dort ein Moorbeet entstehen – was Anderes eignet sich sowieso nicht. Momentan siedelt sich erst einmal an, was will und kann. Ein paar Johannisbeersträucher versuchen ihr Glück, Binsen und Sumpffünfblatt sind schon an der richtigen Stelle, Farn und Efeu wuchern sowieso überall. Ist auf der Prioritätenliste ziemlich weit unten.

Das einzige überlebende Kürbisgewächs des Gartenjahres 2016… die russische Einlegegurke. Hurra! Unten augenscheinlich im befruchteten, darüber im unbefruchteten Zustand. Letztere ist kaum größer als eine Walnuss. Ich bin ENTTÄUSCHT. Trotzdem werde ich das Saatgut wohl aufheben, falls es mal wieder ein Schneckenjahr gibt, in dem der Sommer erst im September anfängt. Außerdem war der Standort ja ohnehin schwierig. — An den übrigen Rankgerüsten für die Kürbisse rankt stattdessen Kapuzinerkresse. Der ungünstige Standort macht ihr offenbar gar nichts aus und die Kohlweißlingsraupen, die sich in großer Zahl über die Blätter hermachen, beeindrucken sie auch nicht. Also ein echter Gewinner, die Sorte „Ebony and Ivory“. — Nachbars Schafe müssen natürlich gucken, ob die Frau mit der Kamera ihnen was zu Essen bringt. Wenn nicht, wird eben der Holunder kahlgekaut. Da kann man auch erkennen, wie winzig die oben genannte Gurkenpflanze ist (rechts im Beet am Fuß des Rankgerüsts).

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Ohne Helm sollte man momentan übrigens nicht unter dem Walnussbaum herlaufen.

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Noch herrscht auch auf der Terrasse Sommerbetrieb. In den nächsten Tagen werden die empfindlichen Pflanzen allerdings umgesiedelt. Die Wasserbahn müsste auch mal wieder gespült werden. Und den zerschlissenen Strandkorb möchte ich schon seit Jahren neu polstern, aber es fehlen ja immer Zeit, Geld oder gar beides. Hinter dem Strandkorb war auch mal ein Gartentor, das aber auch weggerottet ist. Macht aber inzwischen nichts mehr, weil die Kinder sowieso dauernd rüber zu Oma rennen wollen – da wäre ein Gartentor ja nur im Weg.

In dem Niemandsland zwischen unserer Terrasse und Schwiegermutterns Bereich entsteht eigentlich der Elfengarten, im Augenblick eher Kindergarten. — Der Akelei-Kranz hängt eigentlich nur am Flechtzaun, weil ich keine Lust hatte, ihn zu demontieren und im Elfengarten ruhig ganz viel Akelei aussamen darf. Aber auf den zweiten Blick sieht das ganz hübsch aus, vielleicht ernenne ich es zur künstlerischen Absicht? — Von hinten führt der Elfengarten an die Nutzbeete in Schwiegermutterns Garten heran. Noch ein Kartoffelbeet, das dringend abgebaut werden muss. Rechts davon die kürbislose Milpa. Darüber die Wiese und der total überbelichtete sonnendurchflutete Staudenhang. — Der sonnigste Bereich des künftigen Elfengartens.

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Staudenhang von unten. Schwiegermuttern hat neulich alle verwelkten Reste rausgeschnitten, seitdem sieht es wieder manierlich aus. Aber keine Sorge, es kommen noch ein paar Schandflecken… A propos Schandfleck, über die Anbaustückelei der Scheune könnte man bestimmt eine Masterarbeit in Architektur schreiben. Hat jemand Interesse? 😉

Wenn ich übrigens wieder mal nicht weiß, welche Pflanze ich wo gesät oder gepflanzt habe, liegt es nicht immer nur daran, dass ich eine schlampige Gärtnerin bin. Manchmal liegt es auch daran, dass der Große die Stecketiketten immer klaut, um Wegweiser zu bauen. — An Tagen wie diesen sind die Bienen richtig aktiv. Irgendeine tolle Nektarquelle scheinen sie noch zu finden, denn an den Zuckersirup gehen sie kaum ran.

16okt26

Honest gardening… am Komposthaufen habe ich seit der Entdeckung der Schuttberge nichts mehr unternommen. Eigentlich ist die Ecke eh zu Schade für den Kompost, denn es ist so ziemlich der einzige Teil des Geländes, der sich für ein Gewächshaus eignen würde. Vorausgesetzt natürlich, der Schutt wird mal beseitigt. Aber das Gewächshaus wird wahrscheinlich eh erst Realität, wenn wir endlich den Giebel sanieren und die Fenster ersetzen können (dann würde ich gern aus den alten Fenstern das Gewächshaus bauen), und bis dahin wird es voraussichtlich noch laaange dauern. Trotzdem macht einen so etwas immer so unschlüssig, ob es sich überhaupt noch lohnt… usw. usw.

Das Brombeerdickicht links von der Einfahrt hat mittlerweile Schwiegermutterns Zorn erregt und dürfte demnächst fallen. Dann gibt es also neue Beschwerden, dass sie auf ihrer Terrasse auf dem Präsentierteller sitzt und jeder sie von der Straße aus sehen kann. (Nein, ich mag meine Schwiegermutter, ehrlich!) Aber bis zum Sommer sind die Brombeerranken sicher wieder da. — Das Waldhimbeerdickicht zur Rechten ist auch dermaßen verwildert, dass wir es auch mal komplett zurückschneiden sollten, denn an die winzigen Früchte, die die Ruten weiterhin produzieren, kommt man gar nicht mehr ran. Vielleicht dann, wenn wir eh die Pflanzenkläranlage freischneiden müssen, die ist nämlich direkt daneben.

Nun steht aber erst einmal der Ernte- und Verarbeitungsendspurt an, außerdem die weitere Wühlmausvergitterung. Also Schluss mit dem Geschwätz und zurück an die Arbeit!

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2 Antworten zu “Garten-Rundgang Mitte Oktober

  1. Vielleicht bohrt ihr diesmal die Wasserleitung der Mühle im Tal etwas planvoller an und installiert gleich einen Kugelhahn? 😀
    Wir haben im September einen großen Teil des Bauschutts in die neuen Hochbeete hinter den Trockenmauern integriert. Das halte ich nach wie vor für einen ziemlich guten Plan. Ich habe unten im Garten noch ein halbes Dach liegen und vor meinem geistigen Auge ziehen sich schon Friesenwälle entlang von mäandernden Wegen durch den Garten. Stimmungsvoll bepflanzt mit Wildrosen und Bauernhortensien – soll ja auch authentisch norddeutsch sein … also langer Rede, kurzer Sinn: Ich würde echt gucken, ob du das nicht einfach als Basis für etwas Schönes nehmen kannst. (Nicht, dass Schutthaufen mit Kröten und Schlangen nicht auch schön wären, wir verstehen uns!)
    Und das bei dir als Spontanvegetation niedliche kleine und vor allem unterschiedliche Pflanzen auftauchen finde ich beneidenswert, hier taucht immer nur Quecke auf.

    Liebe Grüße!

    • Höhö, gute Idee XD

      Vor meinem geistigen Auge stapeln sich im Elfengarten auch schon Dekoelemente aus den alten Tonziegeltrümmern, und die Betonbrocken kann man ja immer noch für Wälle nutzen (in denen sich die Kröten und Schlangen dann wohlfühlen dürfen). Und ja, als Drainage taugen ja auch die kleineren Brösel was. Insofern ist das tatsächlich der Plan! Aber dafür müsste man den Rotz halt erst mal auseinander sortieren. Eine Aufgabe für milde, trockene Wintertage…

      Ja, wir haben viele unterschiedliche Überraschungsgäste. Hahnenfuß, Brennnessel und Löwenzahn sind eh klar, Franzosenkraut, Vogelmiere, persischer Ehrenpreis, Giersch und Waldmeister in den schattigen Ecken, Braunelle, Gundelrebe, Borretsch, Johanniskraut… und alles, was mir gerade gar nicht einfällt. Ganz so schlimm sind unsere Böden vielleicht doch nicht. 😉 Ackerwinde und Quecke gibt’s aber natürlich auch, nur nicht in dem Übermaß, in dem andere Gärtner offenbar damit geschlagen sind.

      Ganz liebe Grüße zurück!

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