Bestes Reste-Essen

„Wenn ihr schön aufesst, gibt’s morgen wieder was Gutes“ – angeblich ist aus diesem Versprechen auf dem Umweg über das Westfälische („was Gudes wedder“) der Spruch vom „guten Wetter“, das auf den leer gegessenen Teller folgen soll, entstanden.

Tja, bei uns gab es aber Reste. Der Große wollte nämlich unbedingt Käsefüße (eine Art herzhafte Kekse) backen. Nach einem Blech hatte er aber dann doch keine Lust mehr. Ich hatte aber noch Teig für ein zweites Blech. Natürlich hätte ich das dann einfach abbacken können, aber man weiß ja nie, ob das Kind (TM) es sich nicht später oder morgen anders überlegt. Der Teigrest wanderte also in den Kühlschrank, wo auch der geriebene Käse, das halbe Ei und der angebrochene Quark auf ihre weitere Verwertung warteten.

kaesefuesse

Je nach Anlass wurden diese Kekse auch schon als „Pilger-“ oder „Hobbitfüße“ serviert.

Die anderen Reste sind eigentlich gar keine Reste, sondern Abfall. Abends gab es – mal wieder – Bunte Bete-Salat. Den mache ich zur Zeit gern, weil die Bete in diesem Jahr gut gewachsen ist, insbesondere die rote, in kleinerem Umfang auch die weiße und gelbe. (Deswegen ist es ja auch Bunte Bete-Salat.) Weil die Beten aus dem eigenen Garten kamen, war natürlich Laub dran. „Hm, schade drum,“ dachte ich mir, als ich es nach dem Abschneiden in die Kompostschüssel tun wollte. „Sieht doch eigentlich aus wie Mangold. Ist ja auch eng verwandt. Vielleicht doch nicht wegwerfen?“

betequiche01

So kam eins zum Anderen. Am nächsten Tag schaute das Bete-Laub schon etwas welk drein und ans erneute Keksebacken hatte ich auch nicht gedacht. Aber das Abendessen wollte vorbereitet werden. Butteriger Teig hier… potenzielles Mangoldgemüse dort. Quark und Ei müssen auch noch weg, außerdem geriebener Käse…

Na klar: Das schrie nach einer Abfallinterpretation meiner Mangold-Quiche.

Ich rollte also den Teigrest dünn und leidlich rund aus. Ab in die Springform. Normalerweise hätte ich Mürbeteig für die Quiche verwendet, aber nun hatte ich nun mal einen Quark-Butter-Teig. Den habe ich wie gewohnt vorgebacken. Ohne Blindbacken, für unsere Bedürfnisse geht das auch ohne. In der Zwischenzeit die Bete-Blätter leidlich klein geschnitten und in Wasser aufgekocht. Ein paar Möhren, die bereits eine gummiartige Konsistenz angenommen hatten, geschält und längs in Scheiben geschnitten und gleich mit blanchiert. Während das „Gemüse“ abtropfte, habe ich den Quarkrest, das Eigelb und zwei weitere Eier gut miteinander verrührt, aus dem Handgelenk gewürzt, den „Abfall-Mangold“ ausgedrückt und dazu gegeben. Auf den Quiche-Boden kamen zunächst die Möhrenscheiben – wer seine Bete nicht schon am Vortag im Salat verdrückt hat, könnte stattdessen auch kurz gegarte Bete-Scheiben nehmen – und dann die Füllmasse. Zuletzt wurde der geriebene Gouda drauf verteilt und die Form wanderte wieder in den Ofen, bis der Käse geschmolzen und golden war…

Jepp, genau wie Mangold-Quiche. Vielleicht etwas milder.

betequiche02

Nicht schön, aber sooooo lecker.

„Solltest du dir patentieren lassen,“ meinte Herr Eifgental. Ihm scheint es also auch geschmeckt zu haben. Bete-Laub als Mangold-Ersatz wird damit in den Familienusus übergehen (bzw. ich propagiere jetzt die Zwei-Nutzungs-Bete?). Demnächst teste ich dann noch, ob Bete sich auch regulär als Mangold-Gemüse eignet. Ob ich dann überhaupt noch Mangold anbaue oder nur noch Bunte Bete, entscheide ich… wann anders.

Der Sicherheit halber sei erwähnt, dass zumindest das Laub der Roten Bete Oxalsäure enthält, ein gar gräßlich Gift, das man in der Imkerei verwendet, um ggf. im Winter noch verbliebene Varroa-Milben zu töten und das durch seine Eigenschaft, Kalzium auszufällen, beim Menschen in größeren Mengen die Zähne schädigen oder gar zu Nierensteinen führen kann. Der wichtige Punkt ist dabei natürlich „in größeren Mengen“. Rhabarber (unter anderem) enthält ebenfalls Oxalsäure und den essen wir ja auch. Herr Eifgental, der Chemiker, meint, man solle die Oxalsäure eben puffern, indem man ihr bereits vor dem Essen etwas Kalzium opfert. Dann kann sie sich nicht mehr an den Zähnen oder Knochen des Konsumenten vergreifen. In diesem Rezept durch Quark und Käse geschehen. Also alles gut.

Die Rezepte für die Käsefüße und den Bunten Bete-Salat reiche ich hoffentlich bei Gelegenheit noch nach. Für heute ist die Botschaft nur: Schmeißt das Laub nicht weg! 😉

 

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3 Antworten zu “Bestes Reste-Essen

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