Die Kartoffelpyramide – erste Erfahrungen

Einen schönen Frühlingsanfang allerseits!

Eigentlich wollte ich im vergangenen Herbst ein wenig über die Kartoffelpyramide erzählen, aber irgendwie habe ich dann den richtigen Zeitpunkt verpasst. Nun interessierte sich aber Mirembeveronika neulich für die Kartoffelpyramide… ein guter Anlass, um das Versäumte nachzuholen! Außerdem strecken die Saatkartoffeln ja schon neugierig ihre Periskope nach oben, für die Vorbereitungen zum Kartoffelanbau ist also jetzt genau der richtige Zeitpunkt.

Ich selber habe Anfang des letzten Jahres durch Zufall von dieser Anbaumethode gehört. Dementsprechend basieren meine Erfahrungen bisher nur auf der Saison 2016 und sind keinesfalls repräsentativ. Aber einen Überblick über die Anfänge kann ich schon einmal bieten – zusammen mit all den krausen Gedanken, die ich mir seither zu dem Thema gemacht habe.

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Pyramide auf halbem Weg, Mitte Juni 2016

Dass Kartoffeln mehr Knollen bilden, wenn man die Pflanzen nach einer Weile anhäufelt, dürfte allgemein bekannt sein. Die Kartoffelpyramide führt dieses Anhäufeln ein paar Schritte weiter und ermöglichst es, eine kleine Grundfläche unter Einbeziehung des unmittelbaren Luftraums zu multiplizieren. Das hörte sich für mich perfekt an, da ich ja keine größeren Anbauflächen habe, dafür aber diverse kleine Rahmenbeete.

Und Rahmen braucht man auch für die Kartoffelpyramide. Die Anleitungen, die ich so gefunden habe, haben einfache Holzbretter verwendet, ca. 20 cm breit. Die Größe der Rahmen ergibt sich logischerweise aus dem Platz, der einem überhaupt zur Verfügung steht, wobei sie unabhängig vom Platz auch nicht zu umfangreich werden sollten, weil man die Dinger ja auch noch transportieren, lagern und bearbeiten muss. Wie lang die eigenen Arme sind, muss jeder selbst wissen; im Allgemeinen empfiehlt sich, den untersten (und damit größten) Rahmen nicht größer als 1,20 x 1,20 m² zu machen, sonst kommt man später nicht mehr an die Mitte. Leute mit kleinen Beeten und kurzen Armen (wie ich) können auch bei 1 x 1 m anfangen. Die folgenden Rahmen sind dann jeweils 20 cm kürzer, also z.B. 1,20 x 1,20, 1 x 1, 0,80 x 0,80 und 0,60 x 0,60. Kleiner als 0,40 x 0,40 sollte man die Rahmen nicht machen (es wird dann langsam lächerlich ;)) und mehr als vier Rahmen übereinander empfehlen sich aus geometrischen Gründen (man kommt nicht mehr komfortabel dran) auch nicht.

Bei uns bestehen die Rahmen aus den Brettstücken, die beim Restaurieren der nördlichen Scheunenwand übrig geblieben sind, und sind einfach nur ganz blöd an den Ecken zusammengeschraubt. Herr Eifgental wollte zwar wieder sein ingenieurisches Geschick unter Beweis stellen und dachte über stabile Konstruktionen nach, die die Jahrhunderte überdauern würden, aber wir reden hier von schnöden Fichtenholzbrettern, die mehrere Monate feuchte Erde enthalten sollen. Man darf also davon ausgehen, dass das Holz morsch wird, bevor die Schrauben durchgerostet sind, und sollte nicht zu viel Aufwand betreiben. Man kann die Lebensdauer der Bretter natürlich durch Holzschutz erhöhen, sollte dabei aber im Hinterkopf behalten, dass man in diesen Rahmen Lebensmittel anbauen will, so dass die üblichen quecksilberhaltigen Fungizide und ähnliche Zubereitungen möglicherweise nicht die allerbeste Wahl sind. Da Herr Eifgental den Gedanken nicht ertragen konnte, dass seiner Hände Arbeit völlig ungeschützt in der Erde vermodert, habe ich die Innen- und Unterseite meiner Rahmen mit Bienenwachsabfällen beschichtet. Eine Lasur auf Wachsbasis (für Leute, die keine eigenen Bienen und deshalb auch keinen Wachsmüll haben) ist vermutlich auch OK. Oder man tackert Folie drauf. Ob das nun wirklich länger hält als unbehandeltes Holz, kann ich nicht beurteilen, nach einem Jahr Einsatz sowieso nicht. Vermutlich kann man sich den Aufwand sparen, zumal Leute, die keine große Scheune haben, die Rahmen im Herbst vermutlich auch auseinander schrauben müssen und dann eh gucken können, ob sie Bretter ersetzen oder kürzen müssen oder den ganzen Schrums sowieso in den Kachelofen stecken. (Noch ein Grund, mehrfach darüber nachzudenken, ob man ein Holzschutzmittel verwenden sollte.) Wobei es ja auch Klappscharniere gibt, die möglicherweise gar keine blöde Idee für Leute mit überschaubarem Stauraum sind. Flach zusammengeklappt kann man die Rahmen natürlich leichter stapeln, als wenn sie starr verschraubt sind. Dann lohnt sich auch der Aufwand mit der Folie.

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Professionelle Holzbeschichtung mit Wachsresten und Heißluftföhn. Je nach Wetter bekommt man dabei Besuch von neugierigen Bienen und Hummeln, später im Jahr auch Wespen.

Das klingt jetzt vermutlich alles reichlich kompliziert, aber eigentlich ist die Sache recht einfach. Ende März bis Anfang Mai, wann auch immer man in seiner Region mit dem Kartoffelsetzen beginnt, kommt der unterste Rahmen an den ausgewählten Ort. Das schöne an der Pyramide ist, dass man sie prinzipiell überall aufbauen kann, also z.B. auch mitten auf einer Wiese (evtl. mit Wurzelsperre?) oder auch auf einer Terrasse oder einem gekiesten Hinterhof oder oder oder. Vom Balkon würde ich persönlich allerdings eher absehen, weil die fertige Pyramide mal so grob hochgerechnet fast 700 l Erde enthält. Ich weiß nicht, was genau das wiegt, könnte mir aber vorstellen, dass es die Statik vor gewisse Herausforderungen stellt. Das sollte man zumindest vorab klären…

Je nach Untergrund sollte man außerdem bedenken, dass man die Erde vermutlich nicht restlos wieder aufgeklaubt bekommt. Ggf. sollte man also noch über einen Boden für den untersten Rahmen nachdenken. In Gegenden mit verstärktem Wühlmausaufkommen empfiehlt sich das schon, um die Pyramide gegen unerwünschte Mitesser von unten zu schützen. Ich habe das im letzten Jahr nicht getan und festgestellt, dass das ein Fehler war. Ich habe mittlerweile (leider noch nicht alle) meine Rahmenbeete mit Wühlmausgittern nachgerüstet. Wer seine Pyramide auf Pflastersteinen aufbaut, kann sich das vermutlich schenken.

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Die Stöcke liegen da nicht etwa zur Dekoration, sondern um die Katzen davon abzuhalten, die schöne lockere Erde als Toilette zu missbrauchen.

Na, jedenfalls liegt nun der unterste Rahmen auf dem Boden und kann großzügig mit Erde und Kartoffeln bestückt werden. Den zweiten Rahmen kann man prinzipiell auch direkt darauflegen, und zwar um 90° versetzt, so dass die Ecken auf der langen Seite des unteren Rahmens aufliegen. Mit Erde befüllt wird dieser Rahmen aber erst, wenn die Kartoffeln anfangen zu wachsen und das Laub aus der Erde schaut. Dann wird der zweite Rahmen angefüllt – letztlich wie gesagt eine extreme Form des Anhäufelns, die die Kartoffeln dazu zwingt, weiter nach oben zu treiben. Schauen die Blätter wiederum aus der Erde des zweiten Rahmens, folgt der dritte. Und wenn die Kartoffeln es geschafft haben, auch den zu durchdringen, kann man noch einen vierten aufsetzen. Spätestens jetzt sollte man den armen Pflanzen dann auch mal Gelegenheit zur Photosynthese geben.

Überhaupt: Den Anleitungen zufolge, die ich im letzten Jahr studiert habe, reicht es, den untersten Rahmen mit Kartoffeln zu bestücken, weil die Pflanzen dann einfach die gesamte Erdmenge durchwurzeln und aus einer Saatkartoffel unglaublich viele neue Knollen entstehen. Ich will nun nicht sagen, dass das überhaupt nicht geht, aber bei mir (!) im letzten Jahr (!) funktionierte es jedenfalls nicht. Durch den obersten Rahmen sind die Kartoffeln kaum noch durchgekommen und nur im untersten Rahmen fanden sich nennenswerte Mengen an Knollen bzw. deren Überreste. Das liegt sicher nicht nur an den Wühlmäusen, sondern auch daran, dass die Kartoffeln eben irgendwann ausgelaugt waren. Ich würde also persönlich empfehlen, die untersten Kartoffeln eher randnah auszulegen und dann in jedem neuen Rahmen auch noch einmal einige Knollen zu setzen. Schaffen es die untersten bis ganz nach oben, ist das fein; schaffen sie es nicht, können sie vielleicht ihren Weg in die Ecken zum Licht machen und die oberen Schichten werden dann entsprechend von den später gelegten Kartoffeln genutzt.

Die Ecken sowie das oberste Karree sind dann auch am ehesten für Mischkulturpartner geeignet. Borretsch fördert das Wachstum der Kartoffeln, Pfefferminze und Meerrettich schrecken Schädlinge wie den Kartoffelkäfer ab, Spinatgewächse werden häufig empfohlen, auch mit Buchweizen und Amaranth habe ich schon gute Erfahrungen gemacht, wobei man beim Anbau in Pyramiden vielleicht lieber auf niedrigere Fuchsschwanzformen wie den Roten Meier setzen sollte. Da Kartoffeln Starkzehrer sind, sollte man den Pyramiden gelegentlich mal Mist, Brennnessel- oder Beinwelljauche gönnen (nicht direkt aufs Laub natürlich) bzw. Rasen- und Brennnesselschnitt (ohne Samen ;)) als Mulch verwenden.

Ernten kann man die Kartoffeln dann wie gehabt, entweder schon „früh“ an den Ecken von unten nach oben oder schichtweise, wenn auch im obersten Rahmen das Laub vertrocknet ist. Was man dann mit der Erde und den Rahmen anstellt, hängt davon ab, wie viel Platz man zur Verfügung hat. Die Erde könnte man z.B. locker auf anderen Beeten verteilen, in ein neu angelegtes Hochbeet oder zur Not zum Kompost geben. Wegen potenzieller Schädlinge empfiehlt es sich nicht, sie im nächsten Jahr für die nächste Kartoffelpyramide zu verwenden. Meiner Ansicht nach ist diese Anbauform deshalb eher dann sinnvoll, wenn man zumindest einen gewissen Kompost- und Anbaukreislauf betreiben kann. Als Teil eines mehrjährigen Zyklus dürfte die Pyramide sich dann gut bewähren. Bei mir kommt sie in diesem Jahr mit den oben erwähnten Änderungen wieder zum Einsatz. Eine uneingeschränkte Empfehlung spreche ich nicht aus, aber ich sehe da durchaus Potenzial.

Für den Balkon dürfte das aber wie gesagt leider nicht günstig sein, tut mir Leid, Mirembeveronika. Allerdings gibt es eine kleine Schwester der Kartoffelpyramide, und das ist der Anbau in Säcken (stabile Müllsäcke würden schon reichen). Dabei kommen Kartoffeln und Erde zunächst nur in das untere Drittel, und wann immer das Laub die oberste Schicht erreicht hat, wird der Sack sukzessive weiter zugekrempelt und mit Erde aufgefüllt. Durch das geringere Volumen ist das vermutlich besser für die Balkonhaltung geeignet. Die Säcke kann man dann ja auch in verschiedene Ecken verteilen. Damit nutzt man zumindest das Wachstumspotenzial der Kartoffeln besser aus als mit den aktuellen Pflanzregalen. Die haben durchaus ihren Charme und auch ihre Berechtigung, aber eben nicht unbedingt für Kartoffeln.

Ich hoffe, das war trotzdem hilfreich – und auch für andere Leser interessant. Noch wäre genügend Zeit, um zumindest den untersten Rahmen zu zimmern. Aber die Kartoffeln lauern bereits auf ihren Einsatz und wollen bald in die Erde…

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„Ich hab den Frühling gesehen!“ – „Wo? Wo? Wo?“

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4 Antworten zu “Die Kartoffelpyramide – erste Erfahrungen

  1. =D
    Vielen lieben Dank für deinen tollen Bericht. Ich habe in sehr gern gelesen. Einige Stellen musste ich lachend gleich meinem Freund zum besten geben 😉

    Wir haben immerhin eine Terasse – da sollte das Gewicht der Erde nicht das große Problem sein. Nur so viel Platz wie letztes Jahr im Garten hat es einfach nicht. Vielleicht teste ich doch deine Kartoffelpyramide und überdenke die bisherigen Pläne … klingt auch nach einer guten Idee … du wirst wieder von mir hören. Auch meine Kartoffeln wollen bald in die Erde, lange habe ich also nicht mehr um mich zu entscheiden.

  2. Einen schönen Sonntag wünsche ich!
    Eine sehr detaillierte Darstellung! Vielen Dank! Wir haben auch schon häufiger daran gedacht, um so unsere Anbaufläche unserer späten Kartoffeln zu vergrößern.
    Jetzt jedoch, die in meinen Augen, wichtigste Frage: Welche Kartoffelsorte hast du denn verwendet? Ich habe vor ein oder zwei Jahren mir mal lange Zeit genommen und recherchiert, welche Kartoffelsorte wohl die mit den größten Anhäufel-Potential sei. Ich habe mir anhand vieler Erfahrungsberichte (kein Anspruch auf wissenschaftliches Niveau) ein Ranking erstellt. Die gewonnenen Ergebnisse wurden meist anhand vom Anbau in Säcken gewonnen. Hier gerne ein Link zu einem solchen sehr ausführlichen Erfahrungsbericht auf YouTube:

    Ich habe hier einfach mal eine kurze Auflistung der guten Sorten:

    Sackkartoffeln (GUT)
    Eerstling
    La Ratte D’Ardèche
    Violettte d’Auvergne
    Granola
    Ackersegen
    Dänische Spargelkartoffeln

    Sackkartoffeln (SEHR GUT):
    Vitelotte Noire
    Rote Emmalie

    Ich bin überzeugt, dass es einen riesigen Unterschied macht, welche Kartoffeln man für eine solche Pyramide nimmt. Vielleicht gleiches Experiment in diesem Jahr mit (auch farblich) zwei verschiedenen Sorten?? Dann ließe sich das Ergebnis im kommenden Herbst recht gut „ablesen“.

    Liebe Grüße 🙂

    Michael

    • Danke für den ausführlichen Bericht und vor allem auch die Auflistung der Sorten! Stimmt, das kann sicherlich auch noch einen riesigen Unterschied machen. Ich habe im letzten Jahr drei Pyramiden gehabt mit Cilena (Ergebnis OK), Vitelotte (Ergebnis lausig) und Roter Emma (Ergebnis lausig). Laut deiner Liste müsste die Vitelotte ja eigentlich sehr gut gehen, hoffen wir das Beste für die neue Saison! Ich hätte sie aber auch sonst dieses Jahr wieder angebaut, einfach, weil ich sie mag. 🙂
      Lieben Gruß,
      Christiane

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