Kutsche auf Abwegen

Nachdem ich nun vom Bagger im Wald berichtet habe, kann ich an dieser Stelle auch noch einen Fund nachreichen, den wir vor einigen Wochen durch Zufall gemacht haben. (In diesem Fall gab es allerdings keine polizeilichen Ermittlungen – jedenfalls nicht zu unseren Lebzeiten.)  Man meint ja, nach zehn Jahren kenne man das Haus und seine Umgebung in- und auswendig, und doch gibt es immer wieder Überraschungen.

So begab es sich, dass wir auf der Lamaweide einen umgestürzten Baum in handliche Stücke zersägten, um die nicht mehr ganz frischen Buchenscheite beizeiten zur Wärmegewinnung zu nutzen. Dabei stellten wir fest, dass auch morsche Buche immer noch ziemlich massiv ist. Und während Herr Eifgental unter vielfarbigen Flüchen zum fünften Mal die Kettensägenkette wieder aufspannte, blieb mein Blick an einer seltsam unorganischen Form im Ilex-Dickicht jenseits des Zaunes hängen.

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„Lustig,“ dachte ich bei mir, „sieht fast aus wie die Federung an so einer alten Kutsche.“ Die Neugierde war geweckt – das musste ich mir doch mal näher anschauen.

Und tatsächlich: Da liegt eine nicht mehr ganz fahrtüchtige Kutsche (oder sonst irgendein Fuhrwerk) rostenderweise direkt neben unserer Weide, ohne dass wir sie bisher bemerkt hätten. Und das sicher nicht erst seit dem letzten Winter.

Nun ist Ilex natürlich auch nicht das einladendste aller Gewächse und der Rost ist farblich auch nahe am Waldboden. Aber trotzdem! Wie kann man so etwas jahrelang übersehen!

Wie das Fuhrwerk dort gelandet ist, ist fast noch rätselhafter als die Baggergeschichte. Denn am oberen Ende des Hügels gibt es gar keine Straße. Sonst würde ich ja annehmen, dass die Kutsche irgendwann mal von der Straße abgekommen ist und dann halt den Hang hinuntergekracht ist, bis sie neben unserer Weide zum Liegen kam. Aber da ist kein Weg und da war auch früher keiner. Heute ist dort die Reithalle, vorher war’s ein Bauernhof, und deswegen vermute ich fast, dass man dort das Gefährt irgendwann ausgemustert und auf dem Hang entsorgt hat. Also Absicht und kein schrecklicher Kutschunfall um die Jahrhundertwende… wahrscheinlich.

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Die Versuchung ist natürlich da, das Ganze als Skulptur irgendwo auf die Wiese zu stellen. Auch der kleine Hobbyarchäologie würde natürlich am liebsten gleich drum herum den Boden aufwühlen, um zu schauen, ob nicht doch noch irgendwelche interessanten Dinge herumliegen. Die Räder müssten ja eigentlich auch noch irgendwo sein…

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2 Antworten zu “Kutsche auf Abwegen

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