Unsere Apfelbäumchen

Der 25. April ist Tag des Baumes. Im Lutherjahr 2017 ist das folgerichtig ein Anlass für Apfelbäumchen. Denn die, so der große Reformator, solle man sogar dann noch pflanzen, wenn man wüsste, dass am nächsten Tage die Welt untergehen würde. (Warum ausgerechnet Apfelbäume und nicht etwa Pflaumen, Linden, Ahorn oder Eichen? Keine Ahnung, das wurde bei uns im Konfirmationsunterricht nicht weiter erläutert.)

Nun kann man angesichts der aktuellen Lage ja (wie eigentlich immer) durchaus den Eindruck bekommen, dass die Menschheit unseren Planeten in absehbarer Zeit tatsächlich kaputtkriegt. Der kalte Krieg wärmt sich wieder auf, überall sind Bekloppte an der Macht oder streben danach, und den Klimawandel kriegen wir auch nicht unter Kontrolle… eine gute Zeit also, um sich gegen den eigenen Fatalismus zu wehren und mal wieder einen Apfelbaum zu pflanzen?

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Die Eifgentaler pflanzen einen Apfelbaum – allerdings schon im Oktober 2008 zur Hochzeit.

Andererseits ist Ende April nicht der beste Zeitpunkt, um Bäumchen zu setzen. Schon gar nicht, wenn es ein ziemlich trockener April war, und das war es, auch wenn sich die vergangenen Wochen schon wieder anders angefühlt haben – aber man sollte kaltes graues Wetter und gelegentliche Schauer nicht mit „ausreichend Regen“ gleichsetzen. Außerdem habe ich meine getopften Wurzelausläufer (siehe unten) schon im Herbst gepflanzt.

Heute habe ich also KEIN Apfelbäumchen gepflanzt. (Ich gehe aber auch davon aus, dass der Weltuntergang trotz allem noch eine Weile auf sich warten lässt.) Das soll mich aber nicht daran hindern, über Apfelbäume zu schwafeln. Zum Glück wachsen die auch hier ganz gut. Angeblich wächst im Bergischen Land ja eine ganze Menge NICHT, was eine Handvoll Mutiger aber nicht davon abhält, trotzdem erfolgreich Dinkel, Spargel oder auch Strauße anzubauen, aber das ist wieder ein anderes Thema. Jedenfalls gehören Äpfel zu den raren Gewächsen, von denen einem sogar hier kein Experte abrät. Und weil sich die intensive Bewirtschaftung der Gegend nicht lohnt, gibt es auch noch Fallobstwiesen und alte Hausbäume.

Nehmen wir mal diese beiden Exemplare aus meiner unmittelbaren Umgebung. Den linken gibt es leider nicht mehr. Er ist vor einigen Jahren im Sturm zerborsten. Als wir einzogen, sah er aber – wie man sieht – noch ausgesprochen malerisch aus, blühte üppig und trug große Mengen an Boskoop-Äpfeln. Er stand zwar auf der nachbarlichen Schafweide, ragte aber mit einem Ast großzügig über unseren Zaun, so dass auch wir in den Genuss der leckeren und gut haltbaren Äpfel kamen. RIP, alter Boskoop, ich vermisse dich noch immer.

Die Geschichte des zweiten Apfelbaums ist quasi genau entgegengesetzt. Er steht auf unserer Weide abseits hinter der Scheune. Als wir einzogen, sah er völlig abgestorben aus und blieb nur stehen, weil wir den Verdacht hatten, dass in seinem hohlen Stamm sommers die Fledermaus hauste. (Irgendetwas Flatterhaftes wohnt jedenfalls darin. Ob es nun die Fledermaus ist oder wechselnde Vogelfamilien, ist ja letztlich egal.) Doch siehe da: mit jedem Jahr kehrte mehr Leben in den Baum zurück. Erst begrünte sich nur die äußerste Spitze eines überhängenden Asts, dann trug der ganze Ast Blätter, dann steckte er seine Nachbarn an, und seit drei Jahren trägt der Totgeglaubte sogar wieder Äpfel. Wie es zu dieser Entwicklung kam? Vielleicht liegt es am Fledermausdung. Oder an der Nachbarschaft zu unserem Hochzeitsbaum, der natürlich wächst und gedeiht, wie das bei einer derart harmonischen Ehe (haha) ja wohl auch zu erwarten ist. Mir persönlich gefällt natürlich auch die Vorstellung, dass der Baum unser Werkeln und Streben auf dem Gelände spürt und daraus neue Kraft zieht…

apfelbaum05

Rote Sternrenette, Boskoop und der mysteriöse Lazarus-Apfel.

Wie dem auch sei, er steht nun jedenfalls wieder gut im Saft, obwohl er nach wie vor morsch ausschaut. Welche Sorte Apfel er trägt, habe ich allerdings bisher noch nicht herausgefunden. Schön sehen die Früchte nicht unbedingt aus, aber sie schmecken gut, also sind mir die warzenähnlichen Flecken letztlich wurscht. Allerdings steht zu fürchten, dass auch dieser Apfelbaum irgendwann das Schicksal des Boskoops teilen wird, und so sollte ich eigentlich dringend mal Ableger nehmen. Und endlich mal bestimmen lassen, was für eine Sorte es ist. Mentale Notiz für nächsten Herbst…

Einen Trost hat übrigens auch der tote Boskoop hinterlassen: Im Jahr nach seinem Sturz sprossen rund um seinen Standort kleine Apfelbäumchen, von denen ich annehme, dass sie Wurzelausläufer des alten knorrigen Baums sind. Da sie leider teilweise auch in den mittlerweile angelegten Rahmenbeeten wuchsen, musste ich sie entfernen, aber ich konnte es wirklich nicht übers Herz bringen, sie wegzuwerfen. Ein paar Jahre sind sie in Töpfen vor sich hingekümmert und im letzten Herbst habe ich sie dann in (hoffentlich) geeigneten Ecken gepflanzt.

Am gesündesten sieht allerdings das Bäumchen aus, das ich einfach an seinem ursprünglichen Standort auf der Wiese unterm Walnussbaum habe stehen lassen. Und das, obwohl Walnussbäume sich doch so negativ auf die Konkurrenz auswirken sollen. Andererseits stand der Original-Boskoop ja auch nur ein paar Meter weiter und hatte sich möglicherweise im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mit dem „schädlichen“ Walnussbaum arrangiert. Bis wir davon Äpfel bekommen, wird es natürlich noch viele Jahre dauern. Und wer weiß, was dabei letztlich herumkommt, womöglich ja nur die Unterlage, auf die der Boskoop dereinst veredelt wurde? Apfelbäume sind eben immer für Überraschungen gut. Schön jedenfalls, dass von dem umgestürzten Baum irgendetwas geblieben ist.

Nachdem ich nun von diesen Apfelbäumen berichtet habe, die nach dem Tod weiterleben oder von den Toten aufzuerstehen scheinen, komme ich natürlich ins Grübeln, ob Luther vielleicht genau solche Geschichten im Kopf hatte, als er ausgerechnet den Apfelbaum zum Sinnbild gegen die Weltuntergangsstimmung wählte? Wie dem auch sei, ich hoffe, dass noch viele, viele Apfelbäume gepflanzt werden. Heute oder im Oktober (zum Reformationstag womöglich? ;)) oder wann auch immer der Zeitpunkt passend erscheint.

apfelbaum03

Hübsch blühen tun sie auch. Eigentlich sollte man die Apfelblüten genauso feiern wie die Kirschblüten.

Einen frohen Tag des (Apfel-)Baumes allerseits!

Advertisements

3 Antworten zu “Unsere Apfelbäumchen

  1. Das ist eine schöne Geschichte 🙂 die wir hier mit einem alten Birnbaum erlebten….wir haben es auch nicht übers Herz gebracht ihn zu entfernen. Jetzt, nach 6 Jahren trägt er wieder die schönsten und leckersten Birnen!! Sag mir keiner, das sei Humbug 😉
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Stimmt, einer unserer uralten Birnbäume trägt auch seit zwei Jahren wieder Birnen. Am anderen gehen die Früchte leider schon vor der Reife kaputt, ich denke, hinter der Scheune ist es einfach zu feucht. Aber wer weiß, vielleicht bekriegt sich auch dieser Baum noch. Unmöglich ist es offensichtlich ja nicht!

      Was lernen wir daraus? Wenigstens die Bäume wissen unsere Bemühungen auf jeden Fall zu schätzen – selbst wenn es uns selber wieder mal nicht schnell genug geht 😉

      Ein wunderschönes Wochenende!
      Christiane

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s