Garten-Rundgang Mitte Mai

Was für ein Durcheinander! Auf den erstaunlich warmen Frühlingsanfang folgte wieder einmal ein kaltes Osterfest, und die Kälte – bis hin zum Nachtfrost! – blieb uns gefühlt für den Rest des Aprils erhalten. Dadurch kamen die angefangenen Arbeiten zum Erliegen. Trocken war es allerdings, so dass die Frühjahrsblüher bei uns in diesem Jahr sehr lang gehalten haben – das war immerhin schön.

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Lenzrosen, Tulpen, Kohlblüte und Johannisbeeren –  alles auf einmal

Der Regen kam dann mit steigenden Temperaturen – für die Gärtnerin eine Qual, denn während nun unglaublich viele Aufgaben anlagen und die erste Aussaat aufging, war alles verschlammt und ernsthafte Gartenarbeit unmöglich.

Und dann! Dann wurde es plötzlich Sommer! Ausgerechnet die Eisheiligen gerieten so sonnig und heiß, dass man eigentlich besser im Schatten sitzen und einfach mal genießen sollte, wie die weise alte Nachbarin völlig zu Recht bemerkte. Aber es war ja sooo viiiiel zu tun! *händefuchtel* Und das habe ich dann auch getan. Immerhin bin ich nun fast wieder im Plan und kann den heute gnädigerweise anstehenden Regentag nutzen, um den Gartenrundgang für den Wonnemonat Mai nachzureichen.

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Der Wandel zwischen „Vorfrühling“ und „Frühsommer“ kommt mir dieses Mal besonders krass vor, aber wenn ich ehrlich bin, sage ich das jedes Jahr. Möglicherweise sollte ich mich also einfach mal daran gewöhnen, dass es ideale Wetterbedingungen eben nicht gibt. Der Bauerngarten sieht inzwischen jedenfalls üppig und (wie ich finde) wunderschön aus, weder kahl wie im Winter noch zugewuchert wie im Vollsommer. Nachdem ich in der Sommerhitze der letzten Woche geschuftet habe wie eine Besessene, genieße ich kurzfristig den Luxus, dass es genug zu tun gibt (es kommt also keine Langeweile auf), aber gerade mal nichts unbedingt ganz dringend sofort am besten schon vorgestern erledigt werden muss. Ich hoffe, das hält ein paar Tage. Haha, was erzähle ich da, die Kartoffeln brechen ja schon durch die erste Pyramidenebene durch, ich muss dringend mal wieder Kompost sieben… aber nicht bei Regen! So vergnügungssüchtig bin ich nun auch wieder nicht.

Außerdem stehen inzwischen auch die Rankhilfen für Kürbis, Gurke und Bohnen, schließlich ist ja nun auch die Kalte Sophie vorbei. Das erinnert mich an einen launigen Kommentar, den ich vor einigen Jahren in der „Geschichte eines Gartens“ von George Ordish gelesen und mit viel Vergnügen zur Kenntnis genommen habe: Da berichtet Ordish nämlich von dem tudorzeitlichen Aberglauben, man müsse Stangenbohnen „nackt, mit dem Gesicht zur aufgehenden Sonne“ setzen, damit sie gut gedeihen. Dazu meint er lakonisch, man solle das nicht einfach als Aberglauben abtun. Denn wenn es schon bei Sonnenaufgang warm genug ist, um nackt in den Garten zu gehen, dann wird es wohl keinen strengen Frost mehr geben.

Na, jedenfalls stehen die Rankhilfen. Ich habe mir aber erlaubt, beim Stecken der Bohnen bekleidet zu bleiben. Schließlich gibt es heutzutage genauere Methoden der Wettervorhersage… Der Mais ist übrigens trotz des kalten Wetters unter den Sauerkirschgläsern gut angegangen. Inzwischen steht er aber frei, damit er mehr Licht kriegt. Die Reiserbohnen stecke ich dann in der nächsten Woche in der Hoffnung, dass der Vorsprung für den Mais dann reicht.

Auch die frühen Aussaaten bzw. die Überwinterer machen sich inzwischen schon gut. Palerbsen und Erdbeerspinat sind zur Zeit noch gleich groß, dahinter verblüht der Feldsalat, der sich erfahrungsgemäß am besten selbst aussät. — Die Gerste wächst auch schon üppig, der Blattsenf blüht und erfreut die Bienen, die anderen Beikulturen zieren sich noch ein bisschen, aber sie kommen. — Die Haferwurzel geht schon in Blüte, das kommt mir früh vor. Ihr geht es eben eher um Tageslänge als um Temperaturen. Der rote Rosenkohl vom letzten Jahr passt farblich sehr hübsch dazu, da hab ich doch mal eingutes Händchen bewiesen. 😉 — Nachdem ich mit den Salat-Vorkulturen in diesem Jahr überhaupt keinen Erfolg hatte, überrascht mich der sehr üppig angegangene „Attraktion“ im Freiland umso mehr. Nachdem ich gestern und heute Schnecken abgesammelt habe, muss ich ihn jetzt wohl doch mal vereinzeln. — Das Problem habe ich mit dem winzigen Spärgelchen nicht. Aber er ist ja auch erst ein Jahr alt. — In der Kräuterserpentine sind noch Lücken. Mal schauen, ob die Engelwurz doch noch keimt. Wahrscheinlich nicht, das hat sie bei mir noch nie getan. Rucola war zwischenzeitlich mal da, hat dann aber den Schnecken geschmeckt. Seufz.

Und an den Rändern blüht es prächtig. Vor allem die Bergflockenblume dominiert den Garten. — Das Interesse am Kinderbeet ist im Moment leider nicht da, aber noch greife ich da nicht ein.

Weiter geht es auf der anderen Straßenseite unter dem Walnussbaum.

Da passt das Geständnis, dass ich mit dem Aufrüsten der Rahmenbeete nicht fertig geworden bin. Ein Teil der Beete ist nun also noch steinig und ungesichert gegen Wühlmäuse. Aber da ich pro Beet durchaus mehrere Tage rechnen muss und die bewegte Erde danach ja auch noch ein bis zwei Wochen (mindestens!) ruhen sollte, bevor gepflanzt oder gesät wird, hätte die Zeit nun einfach nicht mehr gereicht. Dafür kann ich das letzte bereits ausgehobene (aber eben noch nicht mit Wühlmausgitter versehene) große Beet als Zwischenlager für den Kompost nutzen. Hoffentlich schaffe ich es dann diesen Sommer mal, den alten Komposthaufen komplett auszuräumen, inbesondere den Schutt. Danach sehen wir weiter. Bis dahin kann ich ja mal beobachten, ob mein Gemüse in den liebevoll aufgerüsteten Beeten besser (und vor allem wühlmaussicher) gedeiht als in den „alten“. Wehe, wenn nicht!

Pünktlich zu Ostern – naja, eigentlich schon am Karfreitag – wurde nebenan das erste Lämmchen geboren. Ob es noch ein zweites geben wird? Ich denke schon, aber bisher zeigt sich keins. Dafür zeigt sich, dass Schafe durchaus auch selbsttätig ihre Wolle loswerden. Immer wieder lese ich, dass die modernen Schafe ja so hochgezüchtet sind, dass sie ohne menschliche Hilfe elendig am Hitzschlag krepieren würden. (Das Argument findet sich übrigens sowohl bei Veganern, die dadurch wohl zeigen wollen, wir abgrundtief pervers wir Menschen sind – als auch in regulären Texten, die dadurch vielleicht unterstreichen wollen, dass die Tiere ohne uns ja gar nicht mehr überleben könnten.) Nun, jedenfalls sehe ich immer wieder Schafweiden, auf denen Wollfetzen an den Zäunen, an allen verfügbaren Baumstämmen und Steinen hängen, und die Schafe laufen im zerrupften Flokati-Look herum. Sie können sich ihr überschüssiges Winterfell also sehr wohl auch alleine abschubbern. Die Wahrheit dürfte also wie so häufig jenseits der Ideologie liegen…

Die lose Wolle eignet sich dann gut als Phosphordünger (anstelle von z.B. Hornspänen), aber sie wird auch gern von Vögeln für den Nestbau eingesammelt. So ergänzt sich alles.

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Schöne gerade dünne Haselruten, die beim Rückschnitt übergeblieben sind. Kann man bestimmt noch mal brauchen (TM). Schade, dass ich so gar kein Talent zum Korbflechten habe.

Tja, selbst die Steinwüste lebt. Das Schöllkraut soll da zwar eigentlich gar nicht wachsen, aber jetzt blüht es ja gerade und außerdem ist es ja ein altes Heilkraut gegen Warzen. — Die Akelei neben der Haustür ist das Ergebnis alter Türkränze. Im Garten, wo es weniger trocken ist, halten die Blüten allerdings länger. — Hoffentlich frisst die Blindschleiche viele Schneckeneier, denn mit den eigenen Enten wird es auch in diesem Jahr nicht klappen.

Die „Halde“ haldet nun wieder zu, dazwischen finden sich aber auch immer mal ein paar hübsche Sachen wie dieser Günsel. Der Rhododendron blüht nun auch. Schäbige Frostschäden haben viele Bäume davongetragen, die sich schon im warmen März zum Austreiben entschlossen haben, wie die Magnolie. (Auch mein niedlicher kleine Liriodendron und der Valentinstagsgincko sind betroffen, schluchz!) Inzwischen treiben sie aber auch alle neu aus. Glück gehabt!

In diesem Teil des Gartens komme ich zur Zeit noch zu nichts. Zum Glück sind die Beerensträucher ziemlich selbstständig, das Schilf ist nun auch zu hoch, um Löwenzahn und Quecke aus der Pflanzenkläranlage zu entfernen, und der Staudenhang ist – wie beim letzten Rundgang ja schon angekündigt – mittlerweile ganz von selbst zugewachsen. Das war ja auch der Plan, aber ich bin ja trotzdem immer wieder überrascht, wenn es funktioniert. 😉

Die fröhlich-gepunktete Wiese würde ich gegen keinen englischen Rasen der Welt eintauschen. Auch so eine nette Anekdote aus der „Geschichte eines Gartens“ (sollte ich vielleicht mal vernünftig rezensieren?): Selbst in England, der Heimat des Golfrasens, war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Rasen voller Gänseblümchen und anderer Kräuter nicht nur akzeptabel, sondern sogar das Schönheitsideal. Als dann – eigentlich für den Getreideanbau – Pestizide entwickelt wurden, die alles außer Gräser dahinrafften, wurden diese nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Gartenliteratur der Zeit massiv beworben. Erst dadurch entstand das Ideal des rein-grünen Rasenteppichs als Zeichen dafür, dass man auf der Höhe der Zeit war und sich diese Mittelchen leisten konnte. Wie jede Mode verbreitete es sich dann sehr schnell und hält sich seither hartnäckig. Irgendwie tröstlich, dass man schon damals (TM) den Leuten Sachen eingeredet hat, die sie gar nicht brauchen (man meint ja leicht, das wäre erst seit dem Privatfernsehen so) – aber natürlich auch traurig, dass man schon damals (TM) drauf reingefallen ist. Jedenfalls wäre das da oben ein Originalgolfrasen aus den Anfangszeiten des Sports. 😉

Noch mehr Kräuter. Und der Nachteil des plötzlichen Sommers: Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht zu spät ans Gießen denkt! Für diese Sonnenblumen kam die Rettung hoffentlich noch rechtzeitig. Die Dotzer weiter vorn im Beet erklären, warum im Bauerngarten in allen Beeten Stöcke rumliegen: Wenn man die schöne lockere Erde einfach offen lässt, dann wird sie ganz schnell zum Katzenklo. — Tja, da habe ich nun im letzten Jahr schon soooo gründlich nach den Kartoffeln gegraben und trotzdem sind offensichtlich wieder welche im Boden geblieben. Na gut, dann ist das jetzt so.

Der „Elfengarten“ nimmt tatsächlich schon elfineske Züge an. Klar geht da noch mehr, aber für den Anfang bin ich zufrieden.

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Auch auf der Terrasse füllt sich nun wieder alles. Zum Geburtstag gab es Tomaten- und Paprikapflanzen, die Leute kennen mich halt. Einen Maibaum habe ich in diesem Jahr auch bekommen! Allerdings nur durch Zufall und von mir selber. Mein Bruder fragte nämlich auf seine unnachahmlich subtile Art am 30. April, ob wir nicht zufällig gerade eine unserer Birken stutzen müssten…?! Das mussten wir zufällig nicht, aber da ich ihm doch gern helfe, habe ich trotzdem zwei Äste abgesägt (zur Auswahl – ich war mir nicht sicher, wie groß er sein durfte, damit’s noch in sein Autochen passt). Und da er natürlich nur einen brauchte, habe ich mir den zweiten kurzerhand selber aufgestellt. Sonst tut’s ja keiner. 😛

Kram, der auch noch irgendwo untergebracht werden will (TM). Unter anderem auch Bäumchen, die an ungewünschten Stellen wuchsen, aber man kann sie ja nicht wegschmeißen, denn es sind doch BÄUME! Und allerlei andere „aber eigentlich ist das ja nützlich“-Gewächse. — Die Physalis hat im Winterlager einfach mal Früchte angesetzt, das ist doch nett. — Die Wasserbahn der Kinder ist nun auch wieder in Betrieb. Wir hatten so eine früher im Kindergarten und ich habe sie SO geliebt, aber sie wurde nur ganz selten – bei heißestem Sommerwetter – aufgebaut. Diese blauen Halbröhren mit den gelben Toren und Schleusen waren ganz tief unter „glückliche Erinnerungen“ abgespeichert, und als ich gesehen habe, dass es dieses System auch heute noch gibt, mussten wir sie einfach haben. Zum Glück lieben unsere Kinder die Wasserbahn ebenfalls. Viele erwachsene Besucher übrigens auch. Tja, den Strandkorb haben wir auch noch nicht restauriert. Wenn das denn überhaupt noch möglich ist.

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Und immer noch steht Vorgezogenes auf den Fensterbänken und wartet darauf, bald in die Beete zu gehen. Aber das wird ja nun nicht mehr lange dauern. Die letzten Wochen haben ja gezeigt, dass im Moment alles in Riesenschritten vorangeht. In diesem Sinne noch einen schönen Mai!

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