Garten-Rundgang zu Mittsommer

Schon wieder eine lange Schreibpause… aber keine Sorge, hier ist nichts Schlimmes passiert. Im Gegenteil! Wir waren im Urlaub! Das ist zwar auch für Möchtegern-Selbstversorger Anfang Juni eigentlich ein Unding, doch wir mussten einfach noch ein letztes Mal die Gelegenheit nutzen, eiskalt außerhalb der Schulferien wegzufahren. Schließlich werden wir künftig jahrelang an die Hauptsaison gefesselt sein. So hatten wir noch einmal zwei wunderschöne Wochen in der Bretagne bei günstigen Preisen und unendlichen Weiten (außer natürlich an den Wochenenden, denn auch die Bretonen wussten das schöne Wetter zu schätzen).

In der Zwischenzeit scheint es hier immerhin doch gelegentlich geregnet zu haben, denn als wir zurückkamen, war die schon im April trocken gelaufene Zisterne wieder randvoll. Und auch der Garten war noch am Leben – was sage ich – förmlich explodiert ist das Leben!

Ende Mai vs. jetzt. Natürlich sind auch die Beikräuter fleißig gewachsen. Aber hier zeigt sich bereits ein deutlicher Vorteil der liebevoll aufbereiteten Rahmenbeete: Durch die locker gesiebte, nahezu steinfreie Erde kann ich einfach mit den Fingern fahren die Wurzeln der ungewünschten Pflanzen ganz locker herauskämmen. Bei dem Versuch hätte ich mir im letzten Jahr die Finger gebrochen, ganz abgesehen davon, dass der sehr lehmhaltige Boden bei der vielen Sonne auch knüppelhart gebacken gewesen wäre. Selbst wenn das prächtige Wachstum eher dem Wetter als dem aufgewerteten Boden zu verdanken wäre, wäre allein das den Aufwand des Aufbereitens wert!

Nur dem Schnittlauch (mickerig unten mittig), der Petersilie (weg) und der Berle (theoretisch schräg rechts vom Schnittlauch) behagt die Trockenheit nicht. Da muss ich mir wohl für den Sommer noch was zur Bewässerung überlegen. – Das Tee-Kräuter-Beet hingegen wächst, blüht und gedeiht. So manch schwächeres Kraut ist dabei wohl auf der Strecke geblieben. – Dankbarer Bodendecker: die Walderdbeeren. Nachdem die Kinder nun wieder zurück sind, werden den begeisterten Amseln wohl nicht mehr so viele übrig bleiben.

Ja, es herrscht allgemein geordnetes Chaos. Immerhin kommt von Spaziergängern nun wieder häufiger ein beeindrucktes „Schau mal, ein richtiger alter Bauerngarten!“ anstelle des spöttischen „Schau mal, hier bauen sie Steine an!“ Auch über meine Mischkulturen habe ich in diesem Jahr noch keine blöden Kommentare gehört. Aber ich war ja auch im Urlaub, haha… – Klar, die weiter hinten gelegenen Beete sind noch nicht so sehr in Schwung. Im Schatten brauchen die Bohnen halt länger, und wenn man die Salatköpfe vergleicht, ist auch deutlich, welche sich wohler fühlen. (Gesät wurden sie zur gleichen Zeit, übrigens direkt ins Freiland, nachdem ich mit den Vorkulturen dieses Jahr wenig Erfolg hatte. Geht auch.)

Die Nacktgerste trägt nicht so irre üppig, keine Ahnung, ob es an der Sorte liegt oder am Boden (die „Querbeete“, in denen dieses Jahr meine niedlichen Getreideversuche stattfinden, sind noch nicht aufbereitet). Hübsch ist sie trotzdem. – Das Gleiche beim Hafer. Vielleicht liegt es wirklich am Boden. Noch ein Grund für den Aufwand. – Da wuchern nicht nur Kürbis und Kapuzinerkresse, sondern auch… alles Andere. Richtig glücklich machen mich aber die schon recht großen Sonnenblumen. Sie stehen zwar sehr dicht, weil ich fest damit gerechnet habe, dass die Schnecken eh die Hälfte wegfressen, aber das scheint ihnen ja bisher egal zu sein. – Die schwarzen Johannisbeeren sind auch fast reif, die roten müsste ich eigentlich schon geerntet haben. Naja, auch hier haben sich die Amseln gefreut. – Der Erdbeerspinat scheint mir endlich verziehen zu haben, dass ich ihn zu Anfang meiner Gärtnerkarriere als Unkraut verfolgt habe. Ich finde die kleinen Beerchen übrigens gar nicht unlecker, auch wenn man ja oft hört, dass die sich nicht lohnen. Klar, sie sind nicht so süß und reichhaltig wie Him- oder Erdbeeren, aber sie schmecken doch trotzdem angenehm und erfrischend. – Mangold und Erbsen vertragen sich gut. Dachte ich mir doch, dass das nicht nur mit Bohnen und Roter Bete funktioniert.

A propos Erbsen, wer braucht eigentlich noch Wicken, wenn die Erbsen derart schöne Blüten haben? Links die „Graue Buntblühende“, rechts die Markerbse „Commander“.

Im Schatten unter dem Walnussbaum tut sich das Gemüse naturgemäß schwerer. Eigentlich sollte ich ja über einen besseren Platz für die „fehlenden“ Gemüsebeete nachdenken und das „dunkle“ Gartenstück anders nutzen. Das Waldgeißblatt fühlt sich dort jedenfalls wohl und auch das zur Zeit gänzlich ungepflegte Wald-Sumpf-Irgendwas-Beet sieht ja fast aus, als wäre es gewollt. Richtige Pflanze am richtigen Ort eben. Aber irgendwie bilde ich mir ja immer noch ein, dass auch die Herausforderung des „falsche Pflanze am falschen Ort“-Anbauens gemeistert werden will. Mal schaun, wie lange…

Die Halde ist nun wieder ganz Halde. Irgendwo darunter verstecken sich zwei Rhododendren und ein Tulpenbaum, die ich wohl schleunigst freilegen sollte. – Die Hollerblüte haben wir nun fast gänzlich verpasst. Mal sehen, ob ich es am Wochenende noch schaffe, wenigstens eine kleine Menge Sirup (oder doch Sekt? Entscheidungen, Entscheidungen…) anzusetzen. Was mich daran erinnert, dass der Löwenzahnwein inzwischen reif zum Abfüllen sein sollte. – Die Mauer zur unteren Einfahrt ist nun völlig durch. Das kommt davon, wenn man meint, man bräuchte kein vernünftiges Fundament. Zur Strafe müssen wir das jetzt noch mal machen. Eigentlich haben wir es ja schon „damals“ besser gewusst. Seufz. – Auch am Rand der Einfahrt ist es schattig, aber die Beerenpflanzen sind damit zufrieden. Sie reifen bloß etwas später, aber das kann mir im Augenblick nur Recht sein. – Aber der Staudenhang ist trotzdem super! Ich weiß, ich erwähne es immer wieder, aber die professionelle Gärtnerin wollte dort als „pflegeleichte Hangpflanzung“ Zwerg-Koniferen und Kotoneaster hinsetzen. Dabei ist der Hang in dieser Form im Zweifelsfall auch völlig selbstständig. Hah!

Staudenhang von oben. Die Margeriteninseln konnte ich im Mai einfach nicht ummähen und das war doch richtig so. – Den Rest der Wiese habe ich jetzt auch nur schelchten Gewissens gemäht, weil sich die Bienen so über den Klee freuen. Aber dort spielen eben auch die Kinder und zwar gerne auch barfuß, da möchte ich die Bienen also gar nicht unbedingt haben. In der unteren Einfahrt habe ich den Klee aber munter stehen lassen. – Idyll oder Wildnis? Wieso eigentlich „oder“? – Der Pfad zum Elfengarten sieht doch inzwischen richtig schön verwunschen aus. Und das Schilf als Mulchdecke hat sich auch absolut bewährt.

Dank des liebevollen Einsatzes meiner Mutter, die nicht nur die Katzen gefüttert, sondern auch die Pflanzen gegossen hat, leben sogar die Töpfe auf der Terrasse noch. Und zwar gar nicht schlecht. Ich glaube, letztes Jahr war um diese Zeit noch nicht eine Tomatenfrucht zu sehen.

Trotz meiner schändlichen Flucht geht es dem Garten also gut und ich starte frohen Mutes in den Sommer. Hoffe, dass es anderenorts genauso gut läuft, und wünsche allseits ein frohes Mittsommerfest und eine weder zu trockene noch zu nasse Zeit!

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2 Antworten zu “Garten-Rundgang zu Mittsommer

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