Garten-Rundgang (nicht mehr ganz) Mitte Juli

Es schüttet. Zwar nicht so schlimm wie da, wo ich jetzt eigentlich sein wollte, aber schlimm genug, um mir das Matsch-Massaker vorstellen zu können. Aaaalso sitze ich doch mal wieder am Rechner und habe Zeit, den noch fast aktuellen Garten-Rundgang zu machen.

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Nachdem der Juni und auch die ersten Juliwochen klimatechnisch im Zeichen der Wüste standen – auch wenn schon wieder viele jammern, es gäb ja dieses Jahr gar keinen richtigen Sommer und hätte dauernd geregnet, aber unsere halb leere Zisterne spricht da wieder einmal eine andere Sprache – na, nachdem es jedenfalls wochenlang warm und knochentrocken war, standen die letzten Wochen eher im Zeichen des Dschungels. Warm war es immer noch, aber auch feucht, mit nahezu täglich monsunartigen Regenfällen. Nun ist es tatsächlich mal kalt, was den Regen irgendwie ein bisschen deprimierender macht, besonders in der einen Woche, in der ich zelten gehen wollte, aber Schwamm drüber. Dem Garten tut es (bisher noch) gut, auch wenn ich vielleicht schon mal vorsorglich Schachtelhalmbrühe ansetzen sollte, wenn es nun noch weiter regnet…

Alles wuchert und wächst wie verrückt. Als es so warm und trocken war, betrat man den Garten geradezu durch eine Duftwolke von Rosen, Oregano und nicht weiter spezifizierbarem Honig hindurch. Selbst der Kohl, er mir bisher immer Schwierigkeiten gemacht hat, wächst dieses Jahr anstandslos. Liegt es am Wetter oder an dem Aufwand, den ich mir mit den Rahmenbeeten gemacht habe? Ich hoffe natürlich auf Letzteres, damit es sich gelohnt hat. Aber wahrscheinlich ist es die Kombination aus beiden. Wie auch immer, es wächst!

Zweimal Kartoffelpyramide: Einmal die schwächste (Vitelotte, dazwischen vereinzelt Roter Meier) und einmal die stärkste (Rote Emmalie) bzw. die ganze Reihe.

Der Salat „Attraktion“ ist schon vor Wochen geschossen. Wie sich herausgestellt hat, ist er trotzdem kaum bitter (mit Dressing gar icht mehr bitter). Einen Teil der Salattürme will ich ja ohnehin zur Saatgutgewinnung nutzen, aber so kann ich auch die „überzähligen“ Türme ganz entspannt Blatt für Blatt abernten. Ich hab’s ja schon mal gesagt und kann nur wiederholen, dass ich von dieser Salatsorte total begeistert bin. Der „Red Salat Bowl“ ist dafür einer der wenigen, der mir dieses Jahr von den Schnecken zerstört wurde und im zweiten Anlauf gar nicht mehr gekeimt ist – trotz künstlicher Kältebehandlung. Mal schauen, vielleicht versuche ich es dann im September noch mal. Sonst eben nächstes Jahr. — Noch mehr Samenträger, und zwar der Rettich „Red Meat“. Das heißt, er wurde mir als Rettich verkauft, aber wenn ich mir diese Blütenstände so anschaue, beschleicht mich doch stark der Verdacht, dass es sich eher um einen Verwandten von Bete, Mangold & Co handeln muss, denn Rettich wäre doch ein Kreuzblütler? — Die Blaue Gerste ist natürlich eher dekorativ als sinnvoll. Wie ein sehr netter und interessierter Spaziergänger neulich meinte: „Ach, sogar Brot kann man damit backen… naja, jedenfalls ein Brötchen.“ Korrekt. Mein eigenes Getreidefeld gibt es ja noch nicht. Aber vielleicht ja an der alten Kompoststelle, bis ich endlich das Material für das Gewächshaus (= die alten Fenster aus dem Haus) habe…? Dazu später vielleicht mehr. — Allerdings setze ich dann vielleicht doch lieber auf Hafer? Der trägt hier besser, allerdings ist das ja auch schon eigenes Saatgut in dritter Generation gewesen, also schon besser an den Standort angepasst. (Jaaa, auch innerhalb von drei Generationen tut sich da was! Das ist ja das schöne am Pflanzenzüchten, es tut sich recht schnell was, sogar ohne Gentechnik.) — Die Benediktinerinnen aus Fulda empfehlen ja Mangold mit Bohnen – also, als Mischkultur, nicht als Gericht – aber Mangold mit Erbsen funktioniert offensichtlich auch ganz prächtig. Hauptsache Hülsenfrucht? — Wie gesagt, mit Kohl hatte ich noch nie Erfolg, der Rotkohl letztes Jahr war zwar schon mal ein Anfang, hat aber nicht mal Köpfe gebildet. Dieses Jahr bin ich ganz geschockt, wie RIESIG Kohlpflanzen werden können, zum Beispiel dieser Brokkoli, auch wenn die eigentliche Rosette hier noch überschaubar aussieht. Aber das war auch vor zehn Tagen. Mittlerweile sind sie größer, teilweise allerdings auch schon in Blüte. Macht nix. Kann man auch essen.

Zwei mal Milpa „geschummelt“, ohne Mais, was aber den Bohnen offensichtlich nur gut tut. Mehr Licht = mehr Wachstum. Vielleicht isses hier auch irgendwie dunkler als in Mittel- bis Südamerika, sollte ich vielleicht mal drüber meditieren. 😉 Jedenfalls war die Reiserbohne „Vermont Yellow Eye“ noch nie so üppig wie ohne Reiser. „Kapitän Willingen“ kommt mit dem Bergischen Klima sowieso gut zurecht und verträgt sich augenscheinlich auch wunderbar mit der ähnlich wuchsstarken Lagenarie. Und umgekehrt. Ob ich dieses Jahr wohl Kalebassen ernten kann? Bisher sieht’s gut aus!

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Der „erfrorene“ Feigenstrauch hat sich auch erholt. Er hat sogar noch Früchte angesetzt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die winzigen Dinger noch reif werden können. Kann man auch mit unreifen Feigen was Schönes machen? Bestimmt.

Auf der schattigen Wiese hingegen läuft es nicht so gut. Immerhin bringen die Porreeblüten etwas Licht ins Dunkel. Ich werde die Nutzung dieser Beete definitiv überdenken müssten. Immerhin: Der neue Komposthaufen kompostiert ganz prima.

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Die alte ungenutzte Terrasse könnte man eigentlich schön in einen Sunken Garden verwandeln – der Hang ist ja schon da. Uuund wieder ein neues ehrgeiziges Projekt. Ich hab ja sonst nix zu tun. Vor allem nichts, was viel Dringender mal angepackt werden müsste…

… wie das Brom- und Himbeergewucher. Oder die Halde. Oder die Ecke am Gastank. Oder den alten Komposthaufen. Den sowieso. Immerhin habe ich schon einmal angefangen, ein bisschen vorzusortieren – die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen bzw. den schönen Kies in den Eimer, große Ziegelreste auf einen Haufen (vielleicht will man ja mal eine römische Drainage anlegen? oder einfach bloß eine Beetumrandung stecken?), kleine auf einen anderen (taugt noch als Schotter), Müll und den restlichen Schutt beiseite für den Container… aber da bleibt noch viel zu tun. Irgendwann einmal (TM) soll an der Stelle das Gewächshaus entstehen. Wenn wir nämlich endlich den Giebel vom Haus sanieren, werden auch die Fenster durch modernere ersetzt. Aber die alten Fenster sind ja zu schade zum wegwerfen. Also: Gewächshaus. Da das allerdings noch mehrere Jahre dauern kann, bis wir das Geld erwirtschaftet haben, glaube ich inzwischen, dass ich vielleicht vorher schon mal nach einem gebrauchten Folientunnel Ausschau halte… oder das Ganze einfach erst einmal als Anbaufläche nutze. Für das Getreide. 😛

Die Kugeldisteln sind natürlich einmalig schön, aber ich mag auch die einfachereren Vertreter ihrer Art. Da am Rand tritt ja auch keiner rein, da kann sie sich zu voller Pracht entfalten.

Im Staudenhang tobt sich die Natur ohnehin aus. Allerdings müsste ich den Rainfarn (nicht nur, aber vor allem) doch mal hochbinden, er verliert schon die Haltung und nimmt den unteren Lagen das Licht. Irgendwas ist immer.

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Fort Knox lässt grüßen! Die Schwiegermutter wünschte sich nun doch wieder eine richtige Sichtschutzwand. Aber mit einem Tor, damit die Kinder wie gewohnt von unserer auf ihre Terrasse wechseln können. Aus Restmaterial entstand dann dieses wuchtige Bollwerk. Mit einer großen Tür für die Großen und einer Katzenklappe, äh, Kindertür darin. Weil Herr Eifgental manchmal verspielt ist. Damit das Ganze sich harmonischer einfügt, ist es im typischen Bergischen Haustürgrün (RAL 6005) gestrichen. Trotzdem ein ziemlicher Fremdkörper, aber die Schwiegermama fühlt sich auf ihrer Terrasse jetzt wieder wohl. Das ist es dann wohl wert.

Im Laufe der Zeit werden Holunder, Beinwell und die restlichen Pflanzen des „Elfengartens“ dann hoffentlich auch die harten Kanten der Wand gnädig umwuchern.

Ja, die Pflanzenzucht- und Pflegestation auf der Terrasse ist mittlerweile ein bisschen ausgewuchert. Und ja, dieses Jahr baue ich wirklich an jeder verfügbaren Stelle Erbsen an, weil die Kinder darauf ganz versessen sind. Und was nicht sofort gepult und gegessen wird (nach dem Kochen natürlich, das lässt sich zum Glück auch schon einem Dreijährigen erklären), kann immer noch problemlos getrocknet und eingelagert werden. Hülsenfrüchte sind ja so praktisch.

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Und die Tomaten reifen auch schon vor sich hin. Das kommt davon, wenn man die Fotos zehn Tage auf dem Chip vor sich hin gammeln lässt. So sah das „damals“ also aus. Inzwischen sind die „Brownegg Cherries“ schon rotbraun und werden nach und nach vom Kleinen verputzt, der eigentlich keine Tomaten mag, für die aus dem eigenen Garten aber offenkundig eine Ausnahme macht.

Hoffen wir, dass das aktuelle nasse Wetter nicht allzu viele Fäulnis- und Pilzkrankheiten ausbrütet. Garten bleibt eben immer ein Glücksspiel. In diesem Sinne euch allen viel Glück!

 

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6 Antworten zu “Garten-Rundgang (nicht mehr ganz) Mitte Juli

  1. Ich mag den wildromantischen Stil bei dir und erkenne mich in vielen Dingen wieder (Schutt sortieren …). Mein Gatte nimmt übrigens auch nur Tomaten aus dem eigenen Garten, an gekaufte geht er nicht ran.

    • Mehr wild als romantisch! 😉 Aber ich mag’s auch. Ja, man fängt an, komische Sachen zu sammeln, oder? Frag mich mal nach meinen Schilfbündeln oder den Holzresten in verschiedenen Formen, Farben und Verwesungszuständen… könnt man ja alles noch mal brauchen!

      Die Jungs sind da eigentlich gar nicht so wählerisch (die Oma kauft ihnen ja so gern Beeren im Supermarkt, auch Himbeeren im Winter, die eigentlich eh nur nach Wasser schmecken), aber gegen Tomaten hat der Kleine irgendwie eine Aversion entwickelt. Aber er darf halt nur welche pflücken, wenn sie dann auch gegessen werden, und offenbar ist der Urinstinkt, dass pralle rote Früchte einfach gepflückt werden MÜSSEN, dann doch stärker als „Ich mag keine Tomaten“. ^^

      • Schilfbündel … das klingt interessant. Wir haben gerade 2 Big Packs voll Reet ergattert und wissen noch gar nicht, was wir damit vorhaben. Hast du so ’ne Art wage Idee für deinen Schilf, die mich inspirieren könnte?

      • Ich hab mehrere vage Ideen, weiß aber noch nicht, welche davon ich umsetzen werde (if any 😉 ). Und euer Reet ist vielleicht für viele davon auch zu gut. Aber:
        – ein kleines Dach decken, erst mal nur so zum Ausprobieren, vermutlich im Rahmen eines Spielhäuschens/Unterstand für die Kinder. (Für so etwas wäre euer Reet natürlich prädestiniert.)
        – Matten weben, z.B. um die Beete im Winter mit wenig Aufwand abzudecken. (klassischer Verwendungszweck für Schilf hier in der Gegend)
        – loses Abdeckmaterial für Beete und Wege, a là Mulch, weil das Zeug extrem langsam rottet und super ungewolltes Wachstum unterdrückt (dafür wäre euer Reet aber sicher zu schade)
        – Flecht- und Isomaterial für die diversen Fachwerkwände, die hier im Haus noch saniert werden müssen (gibt Lehmputz besseren Halt, auch ein Klassiker)
        – Isomaterial für einen irgendwann mal geplanten Wachteltraktor oder dergleichen (keine Ahnung, wie hilfreich das da letzten Endes wäre, aber ich würd’s mal ausprobieren)
        – Bastel-/Dekokram: altmodische Bienenkörbe, „Stroh“-Sandalen, Korb- und Zaunflechten — muss man ja alles mal ausprobiert haben 😛
        – mit den Abfällen kann man dann noch Insektenhotels basteln…
        wahrscheinlich habe ich jetzt noch irgendwas vergessen, aber vielleicht reicht das ja schon mal, um dich anzuregen? Viel Spaß, wahlweise Erfolg, wie unsere Deutschlehrerin vor Klausuren immer zu sagen pflegte…

      • Das sind heiße Tipps, vielen Dank! Idee #1 gefällt mir besonders gut, wahlweise auch ein großes Insektenhotel eingedeckt mit Reet. Na hoffentlich, hoffentlich setzen wir das dann auch mal um bevor die Abi-Feier ansteht oder wahlweise alle Insekten ausgestorben sind … 😉

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