Ungeladene Gäste

„Wer im Sommer Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut“… oder zumindest einen vollen Bauch zum Verpuppen. So etwas haben sich wohl die Raupen gedacht, die sich in großer Zahl auf meinen Kohlpflanzen niedergelassen haben. Es war eine Invasion, wie ich sie noch nicht erlebt habe, aber bisher hatte ich ja auch noch keine besonderen Erfolge mit den werten Brassicae.

Nun mag ich Schmetterlinge. Wirklich. Kohlweißlinge gehören zwar nicht unbedingt zu meinen Favoriten, weil sie halt nicht so hübsch sind wie der Kleine Fuchs oder das majestätische Pfauenauge, aber man soll ja niemanden wegen seines Aussehens diskriminieren und ihre Daseinsberechtigung haben die schlichten weißen Falter auf jeden Fall. Und wer Schmetterlinge will, muss auch Raupen dulden. Soweit klar.

Trotzdem musste ich erst einmal schwer schlucken, als ich ihre Hundertschaften auf meinen nach Jahren (!) endlich mal üppig gedeihenden Kohlpflanzen entdeckte. Die letzten Brokkoliknospen sind vollständig in Kohlweißlingsraupenmägen gelandet. Das hätte ich ja noch verkraftet, denn der war eh schon am Schießen. Ich wollte zwar eigentlich gern Saatgut nehmen, aber sei’s drum. Doch natürlich haben die Raupen sich nicht auf den in Blüte gehenden Brokkoli beschränkt, sondern auch auf den Rosenkohl gestürzt, der gerade anfängt, zarte kleine Röschen in den Blattachseln zu bilden. Und auf den Spitzkohl, von dem ich doch mein eigenes Sauerkraut machen wollte. Vom Butterkohl war ohnehin nur ein Kopf gelungen, der dafür umso prächtiger – bis die Raupen anfingen, ihn bis auf die Blattrippen abzunagen. Neeeeeeeein!

Schweren Herzens habe ich mich also entschlossen… meine Kapuzinerkresse zu opfern. Schließlich behaupte ich seit Jahren, dass ich die eh als Raupenfutter anbaue. Nun mussten also Taten folgen. Über mehrere Tage hinweg sammelte ich jedes Räuplein, dass sich auf den hochgeschätzten Kohlpflanzen zeigte (auch auf dem Brokkoli, das sollen die sich gar nicht erst angewöhnen! Außerdem kann man das Laub ja immer noch mit ins Sauerkraut schnibbeln!), und siedelte es in die Kapuzinerkresse am anderen Ende des Gartens um. Nachzügler kamen in den folgenden Tagen hinterher. Und dann…. ließen die Raupen die Kapuzinerkresse links liegen und ließen sich im benachbarten Meerrettich nieder.

Na gut. Meinetwegen. Vom Meerrettich brauche ich eh nicht so viel und wenn, dann ja eher die Wurzel. Aber DER wächst bei uns wenigstens. Jetzt dann halt auch als Raupenopferpflanze. Dann soll das wohl so sein. Wenn sie da bleiben und mir meinen Kappes lassen, sei ihnen der Meerrettich gegönnt…

Währenddessen wunderten wir uns schon seit Anfang Juli, dass abends bei geöffnetem Badezimmerfenster immer mal wieder Hornissen beim Zähneputzen vorbeischauten. Die Viecher sind ja nicht bösartig, sehen aber gefährlich aus und hören sich noch viel gefährlicher an. Wenn sie dann mit mir im kleinen Badezimmer sind und den Ausgang suchen, fühl ich mich schon unbehaglich. Aber gut. Im Zahnputzbecher gefangen, durch ein anderes Fenster wieder nach draußen befördert, Badezimmerfenster künftig abends geschlossen. Solang es draußen hell war, kam nie eine rein, tagsüber konnte man also lüften. Alles gut.

Alles gut? Auch die Schwiegermutter meldete regelmäßige Hornissenüberfälle am Abend. Und auf der Terrasse herrschte ein überraschend regelmäßiger Flugverkehr. Es wurde also klar, dass die dort irgendwo ihr Nest haben mussten, und nachdem der Groschen einmal gefallen war, haben wir es auch schnell entdeckt: Es liegt im Dachvorsprung über der Hintertür. Dort ist wenig überraschend ein Hohlraum, und in diesem Jahr haben die Hornissen ihn wohl für sich entdeckt.

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Meine Mitleser wissen vermutlich, dass Hornissen unter Schutz stehen und man den Hohlraum nicht einfach versiegeln und böse Mittelchen hineinpumpen darf, wie es Bekannte direkt vorschlugen. Nein, Hornissen muss man fachgerecht umsiedeln lassen, wenn man sie loswerden will. Wir haben uns letzten Endes dagegen entschieden. Denn der Dachvorsprung muss – wie die gesamte Wand – ohnehin noch saniert werden. Falls wir irgendwann mal wieder zu Geld kommen sollten und so. Es kann uns also erst einmal egal sein, was die Hornissen dort tun, solang sie nicht in den Innenraum kommen (was sie ja eher durch’s offene Fenster tun als durch die Wand). Und da Hornissen immer nur einmal am gleichen Ort hausen (was die Hornissen hoffentlich auch selber wissen?), hätten wir zumindest bis zur Sanierung dann auch die Sicherheit, dass die Tierchen uns dort kein zweites Mal belästigen werden.

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Unheimlich ist es allerdings schon, wenn man Abends irgendwo Licht an hat und die Hornissen sofort scharenweise gegen das Fenster brummen. Sie meinen es sicher nicht böse, aber sie haben schon eine bedrohliche Außenwirkung! Tja, die Saison ist halt so kurz, dass sie jedes Quentchen Tageslicht und offenbar auch Kunstlicht gründlich nutzen wollen. Aber bitte nicht in meiner Küche!

Für Wohnungsbesetzer haben die Hornissen allerdings recht gute Manieren. Obwohl ihre Einflugschneise wirklich genau über unserem Sitzbereich auf der Terrasse und ihre Wohnung unmittelbar neben der im Sommer vielgenutzten Hintertür liegt, ist es bislang zu keinerlei Sticheleien gekommen. Sie sind also wirklich viel friedfertiger als z.B. Wespen. Die Schwiegermutter hat jetzt ein Insektengitter vor ihrem Schlafzimmerfenster, damit sie weiterhin bei gekipptem Fenster schlafen kann. Ansonsten haben wir uns für abwartendes Beobachten entschieden. Vor einiger Zeit warfen die Hornissen diverse Larven kommentarlos aus dem Bau. Ob das nur die Drohnen waren oder ob ihre Brutsaison allgemein vorbei ist, weiß ich nicht, ich bin ja kein Hornissenimker. Aber der Sommer geht so oder so zur Neige und dann sterben die Damen ohnehin ab, bis auf die Königin, die wie gesagt kein zweites Mal am selben Ort nisten wird, sofern sie sich an die eigenen Regeln hält.

Jetzt finde ich aber, ich habe mir wirklich einen „konsequent ökologisch“-Stempel verdient! 😛

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Und das? Sieht verdächtig aus wie ’ne Spitzmaus. In einem meiner mühe- und liebevoll mit Mäuseschutzgittern ausgestatteten Beeten. Was fühl ich mich veralbert. Fairerweise muss man sagen, dass der Rest der Mäusefamilie – hier nicht im Bild – sich im Zwischenraum hinter dem Gitter befindet und dieser Kandidat vermutlich nur drüber geklettert ist. Um sich die Kartoffeln mal anzugucken. Na klar, nur gucken. Spitzmäuse sind keine Vegetarier. Wenn ich die Hohlräume nun z.B. mit Mergel oder Schutt auffülle, wird da vielleicht auch nicht mehr so viel rumgeklettert. Denn was die Spitzmäuse können, machen die Wühlmäuse am Ende nach…

Tja, wir sind halt nicht allein auf der Welt. Aber manchmal ist es schon schwer, sich mit den wilden Nachbarn zu arrangieren…

 

 

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